Filmfestival Cannes: Polizeischutz für Filmpremiere
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Filmfestival CannesPolizeischutz für Filmpremiere

Mit seinem Film über den algerischen Freiheitskampf in Frankreich hat Regisseur Rachid Bouchareb politische Brisanz nach Cannes gebracht.

Bei der Vorpremiere von «Hors La Loi» (etwa: Jenseits des Gesetzes) gab es ungewöhnlich scharfe Sicherheitsvorkehrungen.

Vor dem Rathaus demonstrierten Anhänger der algerischen Freiheitsbewegung FLN. Auch die Gegenseite protestierte: Rund 1200 Menschen, darunter Vertreter der konservativen Regierungspartei UMP und des rechtsextremen Front National, warfen Bouchareb vor, die Geschichte zu verzerren.

Der Film sei «parteiisch» und verherrliche die FLN, sagte der UMP- Abgeordnete Lionnel Luca bei der Demonstration gegen den Film in Cannes: «Die französische Armee wird mit der SS verglichen und die französische Polizei mit der Gestapo gleichgesetzt.»

«Ich halte diese Kritik für völlig übertrieben», sagte Bouchareb. Er wolle mit seinem Werk genau das Gegenteil erreichen, nämlich Dialog. Die algerisch-französisch-belgische Produktion befasst sich mit dem Schicksal von drei Brüdern nach den Unruhen in Sétif.

Dort nutzte die algerische Unabhängigkeitsbewegung die Feiern zum Weltkriegsende am 8. Mai 1945 für Demonstrationen. Ein Algerier wurde damals erschossen, als er die algerische Flagge auf Geheiss französischer Soldaten nicht niederlegen wollte.

Es kam darauf zu Unruhen. Die französische Armee ging in den folgenden Wochen hart gegen die Aufständischen vor. Nach algerischen Angaben kamen bei Massakern 45'000 Menschen ums Leben. Französische Historiker sprechen von 15'000 bis 20'000 Toten. In Frankreich kommt «Hors-la-loi» im September ins Kino.

(sda)

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