Polizeivorsteherin steht zu Akkord-Abschlepper N.
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Polizeivorsteherin steht zu Akkord-Abschlepper N.

Polizeivorsteherin Esther Maurer lässt Oberleutnant und
Akkord-Abschlepper Beat N. nachts weiterwursteln. Obwohl vor zwei Jahren bereits der weit harmlosere Fall des taxifahrenden Chefs der Seepolizei beträchtlichen Imageschaden in ihrem Departement anrichtete.

Der Oberleutnant des Zivilschutzes und Quartiermeister der Stadt Zürich, Beat N., ist dank seiner nächtlichen Aktivitäten längst nicht mehr nur den Lesern von 20minuten.ch vertraut. Auch seine oberste Chefin, Polizeivorsteherin Esther Maurer, ist über die Freizeitgestaltung ihres hochrangigen Zivilschützers bei der Autohilfe Zürich informiert. 20minuten.ch wollte von Esther Maurer wissen, ob die Berichte über die Freizeit-Aktivitäten ihres Herrn N. etwas bei seinem Arbeitgeber bewirkt haben? Wurde ihm etwa ein Verweis erteilt oder gab es eine Mahnung, sich auf seine bezahlte Arbeit zu konzentrieren?

Arbeitgeber ist weiterhin zufrieden

Nein, keineswegs, lautet die Antwort. Im Polizeidepartement ist man weiterhin mit dem Gebotenen von Herrn N. zufrieden. Im Namen Esther Maurers verweist die Polizeisprecherin auf die Beurteilung von letzter Woche: «Solange er seinen Job gut macht, haben wir kein Problem damit», erklärte das Departement Maurer damals. Und seinen Job mache er gut! Dies gelte auch heute noch.

In der Einschätzung über seine Nebenämter hat sich also nichts geändert. Dies, obwohl das Polizeidepartement Kenntnis davon hat, dass N. neben seinem zeitraubenden Autohilfe-Job auch noch über seine Einzelfirma Reneco Notstromgeräte vermietet, bei Funk- und Antenneninstallationen berät und vor drei Jahren die regionale Vertretung von Lavazza-Kaffeemaschinen und deren Produkte übernommen hat. Die Sprecherin Maurers sieht aber keinen Handlungsbedarf und verweist bei weiteren Fragen aufs städtische Personalrecht: «Dort wird das Thema

Nebenerwerb insbesondere in Art. 82f PR sowie Art. 179 PR ausführlich behandelt.»

«Nebenbeschäftigungen sorgfältig prüfen»

Und in der Tat, die Artikel 82 sowie 179 des Personalrechts haben es in sich. Nachdem bereits vor drei Jahren in Maurers Departement der ebenfalls höchst umtriebige Chef der städtischen Wasserschutzpolizei auflief, weil er in seiner Freizeit noch einen Taxiservice mit seiner 600'000-Franken-Yacht «My Summerdream» aufzog, wurde gehandelt. Auf starken politischen Druck hin schrieben die amtlichen Arbeitgeber ihren Angestellten einige klare Weisungen ins Personalrecht: «In Zukunft sind die Meldungen zu Nebenbeschäftigungen insbesondere diejenigen, welche von Kaderleuten ausgeübt werden, noch sorgfältiger zu prüfen und zu beobachten», heisst es.

Gemäss Kommentar zu den Artikeln 82 und 179 ist «insbesondere darauf zu achten, dass die Nebenbeschäftigungen, z. B. wegen erheblicher Belastungen in zeitlicher, psychischer oder physischer Sicht beeinträchtigen.» – Zivilschützer N. findet neben seiner Hundertprozent-Stelle Wochenende für Wochenende die Zeit, für die Autohilfe Zürich zahlreiche Autos aufzubocken. Dies bestätigen Quittungen, ehemalige Mitarbeiter und Augenzeugen. Kaum anzunehmen, dass Wochenend-Workaholic N. die Nachtschichten so ohne weiteres wegsteckt. Schliesslich ist Esther Maurers Quartiermeister mit knapp 60 auch nicht mehr der Jüngste.

Taxifahrender Seepolizist brachte Maurer Rüffel ein

Freizeit-Aktivitäten, wie die des taxifahrenden obersten Seepolizisten, versuchte man mit einer klipp- und klar klingenden Regelung für Maurers Kaderleute inskünftig zu unterbinden: «Je höher die Position einer Person ist, desto weniger ist eine Nebenbeschäftigung mit ihrer Funktion vereinbar.»

GPK: «Maurers Führungsstil beeinträchtigt das Image der Stadtpolizei»

Es ist noch keine zweieinhalb Jahre her, seit den Interpellationen, die schlussendlich dazu führten, dass der Seepolizist sein Wassertaxi für fest machen musste. Und ein Jahr zuvor untersuchte die Geschäftsprüfungskommission (GPK) die Häufung unglücklicher Vorfälle im Polizeidepartement. Die GPK befand damals einstimmig, dass Stadträdtin Maurer und Polizeikommandant Hotzenköcherle «in mehreren Fällen Schwächen in Führung und in der Kommunikation erkennen lassen, die letztlich das Bild der Stadtpolizei in der Öffentlichkeit mitprägen.»

Für den damaligen Präsidenten der GPK, Monjek Rosenheim (FDP), weisen die Fälle des umtriebigen Abschlepper-Oberleutnants und des taxifahrenden Seepolizeichefs durchaus Paralellen auf. Vergleichbar ist für ihn auch die Entwicklung des Falls und wie das Polizeidepartement damit umgeht: «Man hat den Eindruck, alles wird zunächst verniedlicht und dann heruntergespielt», erklärt Rosenheim.

Von dem quirligen Seepolizisten hat sich das Polizeidepartement übrigens längst getrennt. Aber offensichtlich gelten in Esther Maurers Polizeidepartement für Autofreibeuter an Land andere Regeln als für Taxikapitäne auf dem Wasser.

Manuel Bühlmann, Hansi Voigt

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FDP fordert Massnahmen

Inwischen beschäftigen sich auch Politiker mit dem Abschlepp-Skandal. Die FDP fordert, dass sich die Geschäftsprüfungskommission des Gemeinderats der Sache annimmt. Nächste Woche wird über das Begehren abgestimmt.

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