13.09.2020 14:53

Basel«Das Verhalten sollte Folgen für die Polizisten haben»

Der Basler Journalist Benjamin von Wyl filmte in der Nacht auf Sonntag eine Personenkontrolle vor seiner Haustüre im Kleinbasel. Ein Beamter beleidigte und wies ihn unsanft zurück. Die Polizei rechtfertigt das Vorgehen.

von
Lukas Hausendorf

Der Journalist hielt die Szene, in der ein Polizist ausfällig wurde, auf Video fest.

Benjamin von Wyl/20 Minuten

Darum gehts

  • Bei einer Personenkontrolle in Basel in der Nacht auf Sonntag wurde der Polizei Rassismus vorgeworfen.
  • Ein zufällig anwesender Reporter filmte die Personenkontrolle und wurde daraufhin von der Polizei rabiat weggewiesen.
  • Die Polizei rechtfertigt das Vorgehen.

«Hopp verreise, Vollidiot!», herrscht ihn ein Polizist an. Einen Moment später tritt der gleiche Beamte erneut heran. «Jetzt gehts noch fünf Sekunden und ich nehme dir das Scheissding weg!» Die Szene spielte sich in der Nacht auf Sonntag in einem Hauseingang in der Greifengasse im Kleinbasel ab. Der Journalist Benjamin von Wyl ist auf dem Heimweg, als er auf eine Personenkontrolle unweit seiner Wohnung aufmerksam wird. Junge Männer werfen der Polizei Rassismus vor. Am Boden sitzen zwei Dunkelhäutige in Handschellen und ihre Kollegen intervenieren.

«Es kamen immer mehr Patrouillenfahrzeuge und die Polizei nahm von immer mehr Leuten die Personalien auf», erzählt von Wyl. Er habe auch schon über Racial Profiling recherchiert und wollte deshalb die Situation einfach dokumentieren. Das darf er auch. «PolizistInnen müssen es grundsätzlich dulden, wenn sie im Einsatz gefilmt werden», heisst es in einem Merkblatt des Verbands Schweizerischer Polizei-Beamter.

«Ich verstehe ja, wie anstrengend solche Situationen für die Polizei sind.»

Benjamin von Wyl

Der 29-Jährige gab sich gegenüber der Polizei auch als Journalist zu erkennen und betont auf Nachfrage, dass er immer auf ausreichend Abstand geachtet habe, um die Polizei nicht bei der Arbeit zu behindern. Als die Polizei auf ihn aufmerksam wurde und es zur eingangs geschilderten Szene kam, sei die Kontrolle eigentlich schon fertig gewesen. «Ich verstehe ja, wie anstrengend solche Situationen für die Polizei sind, aber Beleidigungen wirken nicht deeskalierend.» Überhaupt sei er von der Polizei noch nie beleidigt worden, wenn er sich als Journalist zu erkennen gegeben habe.

Von Wyl veröffentlichte die Szene, auf der die Polizisten nicht identifizierbar sind, am Sonntag auf Twitter, wo sie zahlreiche Reaktionen provozierte. Das Verhalten der Polizei qualifizieren viele als fragwürdig. Reporter Kurt Pelda erkennt darin sogar eine «klare Verletzung der Medienfreiheit», wie er in einem Kommentar auf Twitter schreibt. «Derartiges Verhalten sollte Folgen für die beteiligten Polizisten haben», findet er.

20 Minuten konfrontierte das Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement mit dem Sachverhalt. «Im Videoclip ist erkennbar, wie eine Person, die sich als Journalist ausgibt, sich nicht an die polizeilichen Anweisungen hält. Daraufhin mahnt ihn der Polizist mit deutlichen Worten ab», rechtfertigt Mediensprecher Toprak Yerguz in einer schriftlichen Stellungnahme das beleidigende Auftreten des Polizisten.

«Alle Personen sind angehalten, polizeilichen Anweisungen zu folgen – auch Journalisten.»

Toprak Yerguz, Sprecher des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements

Yerguz betont weiter, dass die Polizistinnen und Polizisten geschult sind im Umgang mit Situationen, in denen sie bei Einsätzen auf gezückte Kameras treffen. Er sagt aber auch: «Der Ausspruch ‹Ich bin Journalist› gewährt während eines Einsatzes keine Sonderbehandlung. Dasselbe gelte bei den Pflichten. «Alle Personen sind angehalten, polizeilichen Anweisungen, namentlich das Einhalten eines Abstands, zu folgen – auch Journalisten.»

Konfrontiert mit dieser Aussage hält von Wyl fest: «Ich hatte immer fünf bis sechs Meter Abstand zum Geschehen.» Und als die Polizisten dann zu ihm gekommen seien, sei er in einem Hauseingang gestanden und konnte nicht mehr weiter zurück.

Zum Einsatz selbst sagt Yerguz, dass Verstärkung herbeigerufen wurde, nachdem Polizisten als Rassisten bezeichnet wurden. Dieser Vorwurf werde manchmal vorgebracht, um die Umgebung aufzuwiegeln. Eine Person habe sich zuvor der Kontrolle widersetzt und Beschimpfungen ausgesprochen.

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