Polizist droht langjährige Zuchthausstrafe wegen Tötung seiner Ex-Freundin
Aktualisiert

Polizist droht langjährige Zuchthausstrafe wegen Tötung seiner Ex-Freundin

Im Prozess gegen einen 47-jährigen Polizeikorporal hat der Staatsanwalt 18 Jahre Zuchthaus wegen Mordes und weiterer Delikte gefordert.

Der Verteidiger plädierte auf vorsätzliche Tötung und eine Maximalstrafe von acht Jahren Zuchthaus. Der Angeklagte entschuldigte sich für seine Tat. Das Urteil fällt am Montag.

Für Staatsanwalt Thomas Hug war die Erschiessung der 27-jährigen Freundin vor zwei Jahren durch den Angeklagten eine Hinrichtung. Mildernde Umstände gebe es keine. Er forderte für den 47-jährigen Polizisten einen Schuldspruch wegen Mordes, mehrfachen versuchten Mordes, Drohung, Besitzes von verbotener Pornografie sowie Fahrens in angetrunkenem Zustand. Zu der 18-jährigen Zuchthausstrafe verlangte er eine ambulante haftbegleitende Therapie für den angeklagten Polizisten. Die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten sei nicht in relevantem Mass reduziert gewesen. Auf Grund des chronischen und langjährigen Alkoholkonsums sei bei einem Blutalkoholgehalt von 1,9 Promillen nicht von Volltrunkenheit auszugehen, argumentierte der Staatsanwalt. Der Tatbestand des Mordes stehe ausser Frage. Der Egoismus und der Narzissmus des Polizisten habe zu der Tat geführt. Wenn er seine Ex-Freundin nicht haben könne, dann solle sie auch kein anderer Mann mehr haben können, sagte der Ankläger.

Verteidiger Christian von Wartburg wertete die Tat dagegen als vorsätzliche Tötung und plädierte auf acht Jahre Zuchthaus. Sein Mandant habe letztendlich aus Angst vor dem Alleinsein gehandelt. Dann sei es zu einem Kontrollverlust gekommen: «Der Vorhang ist gerissen», sagte der Verteidiger. Von einer kaltblütig geplanten Tat könne deshalb nicht gesprochen werden. Vielmehr habe die Tat den Charakter einer Affekthandlung, auch wenn es keine sei.

Der Angeklagte selber sagte in seinem Schlusswort, er könne nur hoffen und werde als gläubiger Mensch dafür beten, dass die direkt betroffenen Verwandten die Kraft hätten, mit dem Geschehen umzugehen. «Es tut mir Leid», schloss er.

Der Polizist hatte in den Morgenstunden des 27. Augusts 2002 die junge Frau erschossen, als sie mit dem Taxi zur Arbeit fahren wollte. Dabei wurde auch der Taxifahrer durch einen Streifschuss verletzt. Der Angeklagte verschoss das ganze, zehnschüssige Magazin seiner Dienstpistole und gab auch auf die Mutter der Getöteten zwei Schüsse ab. (dapd)

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