Illegale getötet: Polizist erschiesst aus dem Heli zwei Migranten
Aktualisiert

Illegale getötetPolizist erschiesst aus dem Heli zwei Migranten

In Texas hat ein Scharfschütze der Polizei aus einem Helikopter auf ein flüchtendes Auto geschossen und dabei zwei illegale Einwanderer getötet. Nun soll der Waffengebrauch eingeschränkt werden.

von
Martin Suter

Früher jagten sie auf diese Weise wilde Tiere – heute Autos mit Einwanderern. In Texas hat ein Scharfschütze der Polizei aus dem Helikopter das Feuer auf einen Pickup-Truck eröffnet, um ihn abzustoppen. Das Ergebnis des fehlgeleiteten Abfangversuchs: zwei Tote, eine Welle des Protests und eine unabhängige Untersuchung der Bundespolizei FBI.

Der rote Geländewagen wurde am 25. Oktober in nächster Nähe zur mexikanischen Grenze von Wildhütern entdeckt. Als sie ihn anhalten wollten, raste er mit hoher Geschwindigkeit auf einer schmalen Landstrasse davon. Wie sich später herausstellte, sass ein 14-jähriger Mexikaner am Steuer.

«Wir haben klare Sicht»

Von den Wildhütern alarmiert, nahm ein Helikopter des texanischen Departements für öffentliche Sicherheit die Verfolgung des flüchtenden Autos auf. Aufgrund ihrer Erfahrungen bei früheren Zwischenfällen in der Gegend gingen die Polizisten davon aus, dass unter einer schwarzen Plane auf der Ladefläche des Trucks illegale Drogen versteckt waren.

Als sich der Wagen einige Meilen später gefährlich einer Primar- und Mittelschule näherte, entschloss sich der Scharfschütze Miguel Avila zum Handeln. «Ich werde auf einen der Reifen schiessen», sagte er laut einer Aufzeichnung des Funkverkehrs, die am örtlichen Fernsehen abgespielt wurde. «Wir haben klare Sicht.» Dann feuerte Avila mehrere Schüsse auf den rasenden Pickup ab – wie viele, ist unklar.

Familienväter, die für ihre Familie sorgen wollten

Welchen Fehler er gemacht hatte, bemerkte Avila erst, nachdem der Wagen zum Stillstand gekommen war. Unter den Plane des Geländewagens hatten sich acht illegal eingereiste Guatemalteken verborgen. Zwei von ihnen wurden von den Kugeln aus dem Helikopter tödlich getroffen.

Laut einem Bericht in der «New York Times» starben Leonardo Coj Cumar, 32, und Marcos Antonio Castro Estrada, 29. Beide stammten aus dem Städtchen San Martín Jilotepeque nordwestlich von Guatemala City. Der dreifache Vater Coj Cumar hatte gehofft, mit seinem Lohn aus den USA die Armoperation seines 11-jährigen Sohns bezahlen zu können. Castro Estrada hinterlässt zwei Töchter und eine Frau, die im dritten Monat schwanger ist.

Polizei von Texas darf ohne Einschränkung schiessen

Der Zwischenfall rief sofort Bürgerrechtsgruppen auf den Plan. Die texanische American Civil Liberties Union (ACLU) verurteilte den mangelnden Respekt vor menschlichem Leben. «Mir ist egal, was in dem Truck war», sagte ACLU-Direktorin Terri Burke zur «Times». «Wenn niemand auf den Helikopter schoss, wie um Gottes Willen kann man rechtfertigen, auf unbewaffnete Leute zu schiessen?» In den Protest schaltete sich auch das örtliche Konsulat Guatemalas ein. Am Donnerstag organisierten Landsleute der Opfer und besorgte US-Bürger vor Ort eine Gebetswache.

Texas ist der einzige US-Bundesstaat, der Polizisten praktisch ohne Einschränkungen erlaubt, auf fliehende Autos zu schiessen. Um die Wagen zu stoppen oder sich selbst zu schützen, können die Gesetzeshüter ihre Schusswaffen von Streifenwagen aus einsetzen, auf Autobahnbrücken oder in Helikoptern. Andere an Mexiko grenzende Bundesstaaten schränken die Handlungsfreiheit der Polizei ein. In Arizona dürfen Polizisten nicht aus fahrenden Autos oder Hubschraubern schiessen. Letzteres ist auch in Kalifornien untersagt, und Nevada setzt gar keine Helikopter ein.

Der minderjährige Fahrer ist verschwunden

Als Reaktion auf den Zwischenfall will der örtliche Staatsanwalt den Schusswaffengebrauch aus Helikoptern einschränken. Lokale Politiker erwägen, sich für Einschränkungen stark zu machen. Sie wollen aber die Ergebnisse einer unabhängigen Untersuchung abwarten, die auf Ersuchen der texanischen Polizei von Ermittlern des FBI aufgenommen wurde.

Guatemalas Konsulin Alba Caceres lobte den Einbezug der US-Bundespolizei. «Für uns bedeutet das, dass die Dinge auf dem richtigen Weg sind und die Regierung der USA willens ist, das Problem zu lösen», sagte sie zu einer Lokalzeitung. Der Schütze Miguel Avila wurde vorerst zu administrativem Dienst verknurrt. Der minderjährige Lenker des Pickups, auch er ein illegal Eingereister, soll sich nach Mexiko abgesetzt haben.

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