Aktualisiert 13.04.2015 19:58

Bezirksgericht ZürichPolizist überfährt Rotlicht und baut Unfall – verurteilt

Ein Zürcher Stadtpolizist hat während eines Notfalls ein Rotlicht überfahren und einen Unfall verursacht. Nun wurde er wegen eines groben Verkehrsdelikts verurteilt.

von
Attila Szenogrady
Ein Streifenwagen der Stadtpolizei Zürich kollidierte am 8. Januar 2014 an der Kreuzung Seebahn-/Hohlstrasse mit einem Familien-Van.

Ein Streifenwagen der Stadtpolizei Zürich kollidierte am 8. Januar 2014 an der Kreuzung Seebahn-/Hohlstrasse mit einem Familien-Van.

Am meisten dürfte den 32-jährigen Stadtpolizisten schmerzen, dass ihm wegen des Schuldspruchs der Entzug des «Billetts» droht – denn er arbeitet im Aussendienst auf Streife. «Ich habe einen Fehler gemacht», räumte er am Montag vor dem Bezirksgericht Zürich ein und erinnerte sich an den 8. Januar 2014 zurück.

Damals erhielt er um 10.15 Uhr einen Notruf wegen eines brennenden Wohnhauses in Zürich-Nord. Da sich noch Personen in der Liegenschaft aufhielten, fuhr er mit massiv übersetzter Geschwindigkeit, Blaulicht und Sirene über die Seebahnstrasse. Kurz vor der Kreuzung zur Hohlstrasse überfuhr er ein Rotlicht und setzte seine Fahrt trotz eines einbiegenden Sattelschleppers fort, worauf er mit voller Wucht mit einem korrekt von links herkommenden Auto kollidierte.

Der unschuldige Automobilist kam mit einem Knochenbruch im Handgelenk und dem Schrecken davon. Allerdings leidet der Gemüseverkäufer noch heute unter den Schmerzen der Verletzung. Zudem entstanden 5000 Franken Schaden am Privatfahrzeug und 15'000 Franken am Polizeiauto.

Grobes Verkehrsdelikt eingeklagt

Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl leitete eine Strafuntersuchung gegen den Polizisten ein und erhob im letzten Februar Anklage. Der Staatsanwalt verlangte wegen fahrlässig grober Verletzung von Verkehrsregeln eine bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 120 Franken, also 28'800 Franken, sowie eine happige Busse von 5000 Franken.

Der Beschuldigte sei zu schnell unterwegs gewesen. Ein Unfallgutachten führte aus, dass es nicht nachvollziehbar sei, weshalb der Polizist vor der Kreuzung nicht mit einer Vollbremsung reagiert habe.

Der Beschuldigte wehrte sich vor Gericht gegen die Anklage und gestand bloss eine einfache Verletzung der Verkehrsregeln ein. Auch sein Verteidiger verlangte einen Teilfreispruch vom Vorwurf eines groben Verkehrsdeliktes und verwies auf die dringliche Dienstfahrt. Es liege keine Rücksichtslosigkeit, sondern nur eine unbewusste Fahrlässigkeit seines Klienten vor, plädierte er. Deshalb sei lediglich eine Busse angemessen.

Laut Gericht eine grobe Fehleinschätzung: Schuldspruch

Zum Schluss folgte das Gericht bei der rechtlichen Würdigung der Anklage und verurteilte den Polizisten wegen eines fahrlässig groben Verkehrsdeliktes. Der Beschuldigte habe zwar nicht rücksichtslos gehandelt, jedoch die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet, erklärte der Gerichtsvorsitzende Alain Kessler. Der Polizeibeamte habe ein Rotlicht überfahren und sei mit überhöhtem Tempo auf eine unübersichtliche Kreuzung eingefahren, bei einem dichten Verkehrsaufkommen am Vormittag, was Kessler als grobe Fehleinschätzung würdigte.

Bei der Strafzumessung ging das Gericht allerdings von einem sehr leichten Verschulden aus und stufte den Antrag der Staatsanwaltschaft als «jenseits von Gut und Böse» ein. Es setzte eine bedingte Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu 120 Franken sowie eine Busse von 300 Franken fest. Kessler verwies auf den Unfall im Rahmen einer dringlichen Dienstfahrt.

Verteidiger will Fall an Obergericht weiterziehen

Allerdings kommen auf den Beschuldigten weitere finanzielle Folgen zu. So wurde er unter anderem verpflichtet, dem verletzten Autofahrer grundsätzlich Schadenersatz zu entrichten.

Der Verteidiger erklärte unmittelbar nach der Urteilseröffnung, dass er den Fall sehr wahrscheinlich weiterziehen werde. Bei einer Rechtskraft des aktuellen Urteils würde dem Polizisten der Entzug des Führerausweises drohen.

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