Aktualisiert 16.12.2008 14:35

DeutschlandPolizist überfiel Bank

Ein Kriminalbeamter des Bremer Raubdezernats steht nun selbst wegen Überfällen vor Gericht. Die Anklagevorwürfe: ein Banküberfall mit 2040 Euro Beute, ein versuchter Bankraub und Betrug.

Der auf Raubdelikte spezialisierte Polizist soll am 21. Juli 2008 eine Bank im Bremer Süden überfallen haben. Mit einer Skimaske und einer Regenjacke bekleidet, habe er eine Bankangestellte mit einer Schusswaffe bedroht und Geld gefordert. Dies habe er in eine Plastiktüte gesteckt und sei dann mit einem Fahrrad geflohen.

Bereits am 16. August 2007 soll der 55-jährige Angeklagte versucht haben, eine Volksbankfiliale in Stuhr bei Bremen zu berauben. Er habe die Bank vermummt und mit einem Gegenstand in der Hand betreten, der wie eine Pistole aussah, hiess es in der Anklage. Dann habe er einen blauen Müllsack auf den Tresen geworfen und von dem Kassierer Geld verlangt. Als dieser behauptete, es sei kein Geld in der Kasse, sei der Angeklagte auf dem Fahrrad geflohen.

Ausserdem soll der 55-Jährige am 25. Juni 2008 in seiner Funktion als Kriminalbeamter ein Opfer eines versuchten Überfalls aufgesucht haben. Er liess sich laut Anklage von dem Mann 2000 Euro aushändigen - angeblich um das Geld kriminaltechnisch untersuchen zu lassen. Nur die Hälfte soll er sofort zurückgegeben haben, den Rest erst nach dem Banküberfall in Bremen.

Frau als Beistand auf Anklagebank

Der Polizist wurde am 4. August von Kollegen verhaftet. Auf seine Spur kamen die Ermittler nach eigenen Angaben durch eine Zeugin. Diese will den Mann demnach im Juli in der Nähe einer Bank erkannt haben. Er hatte die Bank laut Polizei maskiert und mit einem Regenponcho bekleidet betreten, aber auf dem Absatz kehrt gemacht. Diesen Fall hat die Staatsanwaltschaft allerdings nicht angeklagt.

Die Aussage der Zeugin habe zur Vernehmung des Beamten und zur Durchsuchung seiner Wohnung und seiner Diensträume geführt, so die Polizei damals. Ein DNA-Abgleich mit nach anderen Überfällen gefundenen Spuren habe die Verbindung zu zwei anderen Taten hergestellt.

Der Mann, der seit 35 Jahren im Polizeidienst stand, sei bis dahin unauffällig gewesen, erklärte die Polizei. Er habe aber offensichtlich über seine Verhältnisse gelebt. Auch gebe es Anzeichen für eine Alkoholkrankheit.

Zur Anklageverlesung kam es erst mit grosser Verzögerung, da das Verfahren unmittelbar nach der Eröffnung für längere Zeit unterbrochen wurde. Unter anderem wurde der Angeklagte von dem psychiatrischen Gutachter untersucht. Das Bremer Landgericht liess als Beistand für den Angeklagten dessen Ehefrau zu, die neben ihm auf der Anklagebank Platz nahm.

Für das Verfahren sind zunächst 13 Verhandlungstage bis März 2009 angesetzt. Unter Umständen werde sich der Angeklagte im Lauf des Verfahrens noch äussern, kündigte sein Verteidiger an. (dapd)

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