Aktualisiert 14.07.2009 17:01

Mildes UrteilPolizist und Parksünder

In seinem Beruf betätigt sich ein Zürcher Stadtpolizist als erfolgreicher Drogenfahnder. Im Privatleben hielt er seine Arbeitgeberin als notorischer Parksünder auf Trab. Nun hat er Glück und kommt mit günstigen Ordnungsbussen davon.

von
Attila Szenogrady

Im Berufsleben gilt der heute 34-jährige Angeschuldigte als fleissiger Polizist in der Betäubungsmittelfahndung. So hat er als verdeckter Ermittler schon manchen Dealer festgenommen. Doch es gibt einen Flecken auf seiner weissen Weste: Im Privatleben betätigte er sich immer wieder als Gesetzesbrecher. Die Rede ist von diversen Verstössen gegen die Verkehrsregeln.

Alleine im letzten Jahr hat sich der Ordnungshüter aus Wiedikon wegen nicht bezahlten Bussen vier Verfügungen des Zürcher Stadtrichteramtes eingefangen. Mit Geldbussen bis zu 340 Franken. Nicht zu vergessen die zusätzlichen Spruchgebühren von jeweils bis zu 300 Franken.

Notorischer Parksünder

Im letzten Mai stand der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht Zürich. Er hatte Einsprache gegen die vier Verfügungen erhoben. Diese lasteten ihm verbotenes Parkieren oder Überschreiten der zulässigen Parkzeit im Kreis 3 vor. Zudem kam heraus, dass sich der Polizist in den letzten drei Jahren eine grosse Anzahl von weiteren Parkbussen im Quartier eingehandelt hatte.

Bussenzettel verschwunden

Der grundsätzlich geständige Angeschuldigte führte aus, dass er im normalerweise alle Ordnungsbussen bezahlt hätte. Ausser bei den fraglichen vier Fällen, wo er schlicht keinen Bussenzettel gesehen oder erhalten habe, erklärte er. Auch die Zustellung mit der Post habe nicht geklappt, da bei seinem Briefkasten wegen den Gratiszeitungen jeweils ein Chaos herrsche. Er wolle die ausstehenden Gelder bezahlen. Jedoch nur im Rahmen des einfachen Ordnungsbussenverfahrens und nicht beim Stadtrichter, beantragte er.

Nur noch Ordnungsbussen bezahlen

In seinem am Dienstag eröffneten Urteil ist das Bezirksgericht dem Angeklagten erheblich entgegen gekommen. So soll er bei den vier Übertretungen nur noch im Rahmen des einfachen Ordnungsbussenverfahrens an die Kasse kommen. Was bedeutet, dass er insgesamt nur noch 260 Franken bezahlen muss.

Dem Einsprecher könne nicht widerlegt werden, dass er die fraglichen Bussen nicht erhalten habe, steht im schriftlich begründeten Entscheid. Damit spart der Parksünder viel Geld. Alleine die Kosten des Stadtrichteramtes für 2238 Franken wurden nun abgeschrieben und auf die Staatskasse genommen. Ebenso die Gerichtsgebühr in noch unbekannter Höhe.

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