Aktualisiert 25.06.2009 18:47

ZürichPolizist wechselte die Fronten

Aus Sucht nach Anerkennung hat ein Zürcher Drogenfahnder die Seiten gewechselt und die Kokainmafia mit Informationen versorgt. Nun kassierte der entlassene Ex-Sheriff eine bedingte Freiheitsstrafe von 17 Monaten.

von
Attila Szenogrady

Der heute 26-jährige Ex-Polizist legte vor den Schranken ein umfassendes Geständnis ab. Demnach hatte der frühere Drogenfahnder und ehemaliger Angestellter des Polizeilichen Assistenzdienstes (PAD) im Frühjahr 2007 die Fronten gewechselt. Einerseits fungierte er als wichtiger Vermittler in einer Zürcher Kokainbande, wobei er auch selber die harte Droge durch Schnupfen konsumierte. Andererseits war er an der Einfuhr von gefälschten Markenuhren aus China beteiligt. Er liess dabei die Kopien als echte Uhren weiterverkaufen.

Drogenmafia mit Informationen versorgt

Nicht zuletzt belieferte er einen brasilianischen Kokainring mit wichtigen Informationen, indem er die Fakten auf Anfrage aus dem vertraulichen EDV-System POLIS abrief. Unter anderen informierte der Angeklagte nach einer Razzia in der Zürcher Punto-Bar mehrere Personen aus der Drogenszene. Oder den berüchtigten Winterthurer Drogenhändler Bujar Berisha.

Imponiergehabe als Tatmotiv

Schon in der Untersuchung war klar, dass der Angeklagte – abgesehen bei den Uhrengeschäften – keine Gelder für seine Dienste kassiert hatte. Tatmotive waren vielmehr Imponiergehabe und die Suche nach Anerkennung im Rotlicht-Milieu.

Dem Angeklagten wurden auch Gewaltdarstellungen auf seinem Handy angelastet. So eine Filmsequenz, bei welcher ein Mann einer Katze mit so grosser Wucht einen Tritt versetzte, dass das Tier mehrere Meter weit durch die Luft flog.

Leichte Strafsenkung

Während die Staatsanwaltschaft für den gekündigten Ex-Polizisten eine bedingte Freiheitsstrafe von zwanzig Monaten verlangte, setzte sich die Verteidigung für 16 Monate ein. Worauf das Gericht wegen der Geständnisse 17 Monate bedingt sowie 300 Franken Busse als Strafe festlegte. Die Schuldpunkte lauteten auf Drogenhandel, Warenfälschung, mehrfache versuchte Verletzung des Amtsgeheimnisses und weitere Delikte.

Vor den Schranken musste sich mit einem 35-jährigen PAD-Leiter ein weiterer Polizeibeamter verantworten. Allerdings wurde seine Anklage zwecks Ergänzungen der Untersuchung an die Staatsanwaltschaft zurückgeschickt.

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