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FergusonPolizist wird für Tötung von Brown nicht angeklagt

Der US-Polizist Darren Wilson muss wegen der tödlichen Schüsse auf den Schwarzen Michael Brown (18) nicht vor Gericht. Diesen Entscheid fällte eine Geschworenen-Jury.

von
lüs

Der US-Polizist Darren Wilson muss sich für seine Todesschüsse auf den schwarzen Teenager Michael Brown nicht vor dem Richter verantworten. Das entschied das Geschworenengericht in Clayton im Staat Missouri, wie Staatsanwalt Bob McCulloch am Montagabend (Ortszeit) mitteilte.

«Es steht ausser Frage, dass Darren Wilson den Tod von Michael Brown verursacht hat, indem er ihn erschoss», erläuterte McCulloch. «Aber die Pflicht der Grand Jury ist es, die Fakten von Erfundenem zu trennen. Es existiert kein hinreichender Verdacht für irgendwelche Anklagepunkte.» Die drei schwarzen und neun weissen Geschworenen hätten sich in 25 Sitzungen mit dem Fall beschäftigt und 60 Zeugen vernommen.

Kritiker sprechen von Rassismus

McCulloch bedauerte Browns Eltern, die «einen geliebten Menschen durch Gewalt verloren haben». Die Bürger seien sich bewusst, dass die ganze Welt zuschaue «wie wir antworten und reagieren», sagte er.

Quelle: Youtube/Fox 29 Philly

Am 9. August war der 18-jährige Brown vom weissen Polizisten Wilson in der Kleinstadt Ferguson erschossen worden. Der Fall löste tagelange Unruhen in dem Vorort von St. Louis aus, Gouverneur Jay Nixon mobilisierte vorübergehend die Nationalgarde. Kritiker warfen der Polizei Willkür und Rassismus vor.

Polizist fühlte sich bedroht

Wilson hatte Brown vor den tödlichen Schüssen offenbar mit einem Raubüberfall in Verbindung gebracht. Berichten zufolge soll Wilson angegeben haben, dass er sich von dem unbewaffneten Teenager bedroht fühlte. Er habe um sein Leben gefürchtet, als der 1,90 Meter grosse und 136 Kilogramm schwere Brown auf ihn zugekommen sei.

Die Jury hatte seit dem 20. August darüber beraten, ob Wilson vor Gericht muss. Für eine Anklageerhebung hätten mindestens neun Geschworenen stimmen müssen.

Falsche Zeugenaussagen

Chefankläger McCulloch kritisierte die vielen Gerüchte über den Vorfall, die in sozialen Netzwerken sowie durch den «unersättlichen Appetit der Medien» gestreut worden seien. Wilson habe den Jugendlichen an jenem Sommertag gebeten, nicht mitten auf der Strasse zu gehen, erklärte McCulloch. Daraufhin sei Brown an das Fenster des Polizeiwagens herangetreten und hätte hineingegriffen. In dem Auto seien zwei Schüsse gefallen.

Brown habe sich dabei am Daumen verletzt. Er habe sich wieder von dem Wagen entfernt. Wilson sei ihm hinterhergelaufen. Es gebe Beweise, dass der Teenager sich umgedreht habe und mindestens zwei Mal auf Wilson zugekommen sei. Der Polizist feuerte daraufhin zehn Schüsse ab.

Viele Zeugen hatten ursprünglich nach dem Vorfall berichtet, dass Brown wehrlos gewesen sei, seine Hände gehoben habe, der Polizist ihm in den Rücken geschossen habe. Doch viele dieser Aussagen seien falsch gewesen, sagte der Staatsanwalt. Einige hätten ihre Angaben geändert, andere später zugegeben, das Geschehen doch nicht gesehen zu haben. Schussverletzungen im Rücken habe Brown nicht gehabt. Die Entscheidung der Jury: Keine Anklage gegen den Polizisten.

Browns Familie «zutiefst enttäuscht»

Die Familie des Opfers Michael Brown kritisierte den Juryentscheid scharf. «Wir sind zutiefst enttäuscht, dass dem Mörder unseres Kindes keine Konsequenzen für sein Handeln drohen», hiess es in einer Stellungnahme von Browns Familie. Zugleich bekräftigte sie ihre Forderung, dass jeder Polizist in den USA künftig eine Kamera am Körper tragen muss.

Die Angehörigen riefen wiederholt zum Gewaltverzicht auf und baten die Demonstranten, ihre «Frustration» über die Entscheidung in Handlungen für einen «positiven Wandel» zu ändern.

Obama: «Entscheidung akzeptieren»

US-Präsident Obama wandte sich umgehend an die Öffentlichkeit, um das Urteil der Geschworenenkammer zu verteidigen. «Wir sind eine Nation, die auf dem Rechtsstaatsprinzip gründet», sagte er in Washington. «Wir müssen diese Entscheidung akzeptieren, die von der Jury zu treffen war.»

Quelle: Youtube/PSB Newshour

Zugleich rief Obama auf, nicht mit gewaltsamen Protesten zu reagieren. «Es gibt keine Entschuldigung für Gewalt», sagte er. Die Polizei forderte er auf, friedliche Proteste mit Vorsicht und Zurückhaltung zu begleiten.

Die Situation sei aber auch exemplarisch für gesellschaftliche Herausforderungen in den USA, sagte der Präsident. Es bestünden immer noch tiefes Misstrauen zwischen farbigen Menschen und der Polizei. «Es gibt immer noch Probleme und die schwarzen Gemeinden erfinden die nicht einfach nur.» (lüs/sda)

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