Aktualisiert 21.06.2011 07:50

Umstrittener BahnhofPolizisten bei «Stuttgart 21»-Demo verletzt

Am Rande der Besetzung einer «Stuttgart 21»-Baustelle sind bei der Explosion eines Knallkörpers neun Polizisten verletzt worden, ein Beamter wurde verprügelt.

Demonstranten stürmten am Montagabend eine Baustelle am Stuttgarter Bahnhof.

Demonstranten stürmten am Montagabend eine Baustelle am Stuttgarter Bahnhof.

Die Stuttgarter «Wutbürger» schienen schon fast vergessen, als am Montagabend ein regelrechter Sturm der Entrüstung der «Stuttgart 21»-Gegner losbrach. Rund ein Dutzend Aktivisten drang nach einer Demonstration auf die Baustelle hinter dem Hauptbahnhof ein. Zusammen mit weiteren Demonstranten rissen sie den Bauzaun ein, Dutzende stürmten das Gelände.

Einige Aktivisten besetzten die Halle, die die Grundwasseraufbereitungsanlage beherbergt, andere kletterten auf die daneben stehenden Wasserbehälter und die Baucontainer. «Wir sind gekommen, um zu bleiben», rief ein Parkschützer mit einem Megafon den abwartenden Demonstranten auf der anderen Seite zu.

Polizist verprügelt

Die Polizei verhielt sich zunächst abwartend. Wann und wie es zum Eklat kam, ist noch ungewisse. Sicher ist, dass plötzlich ein Knallkörper neben die Beamten geworfen wurde. Acht Beamte hätten durch einen Sprengkörper ein Knalltrauma erlitten, sagte ein Polizeisprecher.

Ein Zivilbeamter sei brutal zusammengeschlagen worden, als er Personalien von Aktivisten feststellen wollte. Er habe schwere Kopf- und Gesichtsverletzungen erlitten. Alle neun Beamte würden im Krankenhaus behandelt.

Projektsprecher nennt Besetzung «kriminell»

«Stuttgart 21»-Sprecher Wolfgang Dietrich hat die Besetzung scharf kritisiert. «Es handelt sich ganz bestimmt nicht mehr um zivilen Ungehorsam. Aus meiner Sicht ist es nur noch kriminell», sagte Dietrich am Montagabend. Eine solche Besetzung lasse sich nicht mehr mit dem Demonstrationsrecht rechtfertigen.

Die Verantwortung für die erneute Eskalation sieht der Projektsprecher bei der grün-roten Landesregierung. «Es ist die Aufgabe der Regierung, einen Beitrag zur Deeskalation zu leisten», sagte Dietrich. So müsse deutlich gemacht werden, dass die Deutsche Bahn das Recht zum Bauen habe.

Monatelanger Protest

Am 30. September 2010 war es zur bislang gewalttätigsten Konfrontation zwischen den Gegner des Bauprojekts und Polizisten gekommen, als die Polizei Pfefferspray, Schlagstöcke und Wasserwerfer gegen die Demonstranten eingesetzt hatte. (dapd)

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