Nichts ging mehr: Polizisten blockieren Champs-Élysées
Aktualisiert

Nichts ging mehrPolizisten blockieren Champs-Élysées

Wegen eines Ermittlungsverfahrens gegen einen ihrer Kollegen sind hunderte Pariser Polizisten auf die Strasse gegangen. Dem Beamten wird vorgeworfen, einem fliehenden Verbrecher in den Rücken geschossen zu haben.

Polizisten demonstrieren auf den Champs-Élysées. Quelle: Marcus Hurni, newspictures

Hunderte Pariser Polizisten haben auf den Champs-Élysées gegen ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags gegen einen Kollegen protestiert. Eine Kolonne von hundert Fahrzeugen fuhr am Mittwochabend den Prachtboulevard entlang.

«Wir sind hier, um unseren Kollegen zu verteidigen, gegen den ungerechtfertigt ermittelt wird», sagte ein Polizist in Zivil. Der Kollege habe in legitimer Notwehr gegen einen der Polizei bekannten Mann gehandelt, der bewaffnet und gefährlich gewesen sei.

Ein Untersuchungsrichter hatte am Mittwoch ein Ermittlungsverfahren gegen den 33-jährigen Polizisten eingeleitet, nachdem die Autopsie des Opfers und die Aussage eines Augenzeugen ergeben hatten, dass dem Mann in den Rücken geschossen worden war.

Dies stellte die Schilderung des Polizisten in Frage, wonach er in Notwehr gehandelt hatte, als er vier Schüsse auf den Mann abgegeben hatte. Der Vorfall hatte sich am Samstagabend in Noisy-le-Sec bei Bobigny im Nordosten von Paris ereignet.

Die Polizei war von einem anonymen Anrufer alarmiert worden, dass sich ein per Haftbefehl gesuchter Gewaltverbrecher in der Innenstadt befinde. Der 28-Jährige, der unter anderem wegen bewaffneten Raubs inhaftiert war, kehrte im Juni 2010 nach einem Freigang nicht ins Gefängnis zurück.

Granate war Blindgänger

Als er ihn stellen wollte, habe der Mann ihn mit einer Waffe bedroht, sagte der Polizist. Augenzeugen berichteten dagegen von einer Verfolgungsjagd, bei der auf den Fliehenden gefeuert wurde. Laut der Autopsie starb der Mann an dem Schuss in den Rücken.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der Flüchtige zwar eine Waffe, habe diese aber nicht benutzt. Eine von ihm geworfene Granate habe sich als Blindgänger entpuppt.

Guéant zeigt Verständnis

Mehrere hundert Polizisten aus dem Pariser Vorort Bobigny hatten sich am Mittwochabend zunächst dort versammelt und angekündigt, vor dem Innenministerium in der Hauptstadt demonstrieren zu wollen. Der Zugang zu dem Ministerium war jedoch abgeriegelt worden.

Später wurden Vertreter der Polizeigewerkschaften im Ministerium empfangen. Innenminister Claude Guéant erklärte, er habe Verständnis für die «Gefühle» der Polizisten; nun sei es an der Justiz, Licht in die Angelegenheit zu bringen.

(sda)

Deine Meinung