Kampf gegen Dealer: Polizisten dürfen wieder Drogen kaufen
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Kampf gegen DealerPolizisten dürfen wieder Drogen kaufen

Mit Scheinkäufen versucht die Polizei den Drogenhandel auf der Strasse einzudämmen. Diese Methode ist laut der Polizei zwar erfolgreich, ganz vertreiben lassen sich die Dealer so aber nicht.

von
qll
Polizisten geben sich als potenzielle Käufer von Drogen aus. (Bild: zvg)

Polizisten geben sich als potenzielle Käufer von Drogen aus. (Bild: zvg)

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Das Bundesgericht verbot im Jahr 2010 den Polizeikorps ohne richterliche Genehmigung, gezielt mit Scheinkäufern und verdeckten Fahndern gegen den Drogenhandel auf der Strasse vorzugehen. Seit zwei Jahren dürfen die Polizisten aber gemäss einer Recherche der NZZ wieder auf die Methode der Scheinkäufe zurückgreifen – auch ohne richterliche Erlaubnis. Im Kampf gegen die «Chügeli»-Dealer dürfen die speziell ausgebildeten Polizisten aber dennoch keine Strassendealer aktiv ansprechen. Die verdeckten Polizisten wissen aber, wie sie sich benehmen müssen, um als potenzielle Kunden wahrgenommen zu werden.

Wie die «Neue Zürcher Zeitung» schreibt, hat sich der Einsatz verdeckter Fahnder bewährt: «Insbesondere beim Strassenhandel in städtischen Gebieten konnte dadurch eine spürbare Abnahme von sogenannten Kleindealern erzielt werden», sagt Cornelia Schuoler, Mediensprecherin der Zürcher Kantonspolizei zur Zeitung. Pro Jahr würde die Polizei rund hundert solcher Einsätze durchführen.

Methode auch in St. Gallen und Luzern eingesetzt

Ähnlich sieht es in St. Gallen und Luzern aus: Immer wieder werden in Luzern und Vororten Kleindealer verhaftet. Laut Kurt Graf, Sprecher der Kantonspolizei Luzern, haben auch Scheinkäufe zu diesem Erfolg beigetragen.

Laut der Zeitung ist aber der Kanton St. Gallen derjenige, der am konsequentesten und mit zunehmendem Eifer auf Scheinkäufe setzt. «Sie sind ein Erfolgsmodell», sagt Sprecher Gian Andrea Rezzoli zur NZZ. So habe die Polizei 2016 innerhalb von sechs Monaten 33 Meldungen veröffentlicht. Dabei kam es zu 60 Verhaftungen. Die Erfolgsquote habe sich gegenüber dem Vorjahr verdreifacht. Die Fahnder seien überwiegend in der Stadt St. Gallen auf die Kleindealer gestossen.

Strassenhandel verschwindet nicht so einfach

Die Kantonspolizei St. Gallen räumt aber ein, dass der Drogenhandel auf der Strasse nur eingedämmt, aber nicht zum Verschwinden gebracht werden könne. In St. Gallen habe der Strassenhandel in letzter Zeit sogar zugenommen. Die Dealer hätten zwar Angst vor allfälligen Scheinkäufen, «doch letztlich», so Rezzoli zur Zeitung, «lassen sie sich nicht von unseren Kontrollen beirren».

Den Strassenhandel würden seit Jahren Nigerianer dominieren. Auch wenn ein Dealer verschwinde, gebe es genug, die nachfolgen würden. Die Nachfolger würden aus Italien oder Spanien kommen. Die Staatsanwaltschaft sorge dafür, dass Dealer in einem Schnellverfahren innerhalb von 48 Stunden verurteilt würden. Dabei handle es sich meist um Freiheitsstrafen von rund drei Monaten. Im Wiederholungsfall würden diese unbedingt ausgesprochen. Da zwischen der Schweiz und Nigeria ein Rücknahmeabkommen existiere, könnten die Drogendealer, die ihre Strafe abgesessen haben, danach auch ausgeschafft werden.

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