Myanmar: Polizisten fliehen vor befohlener Folter und Tötungen
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MyanmarPolizisten fliehen vor befohlener Folter und Tötungen

Die Polizei in Myanmar geht brutal gegen Demonstranten vor, doch einige Beamte wollen das nicht mitmachen und fliehen nach Indien. Sie berichten von befohlener Folter und Schiessbefehlen.

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Polizisten schlagen in Rangun auf einen verhafteten Demonstranten ein.

Polizisten schlagen in Rangun auf einen verhafteten Demonstranten ein.

AFP

Mehrere Polizisten aus Myanmar sind nach Indien geflohen, weil sie nach eigenen Angaben nicht auf Demonstranten schiessen wollten. Einer der Beamten in einem Dorf im nordostindischen Staat Mizoram nahe der Grenze zu Myanmar sagte der Nachrichtenagentur AP, er habe den Schiessbefehl verweigert und wolle erst in seine Heimat zurückkehren, wenn die Probleme nach dem Militärputsch dort gelöst seien. Die indische Regierung forderte er auf, ihm und seinen Kollegen Asyl aus humanitären Gründen zu gewähren.

Eine andere geflohene Polizistin sagte, sie und Kollegen hätten den Befehl bekommen, Demonstranten zu «verhaften, zu schlagen und zu foltern». Die Sicherheitskräfte seien immer an die Front geschickt worden, wenn es einen Protest gegeben habe. Die Beamten hätten «keine Wahl» gehabt, als Myanmar zu verlassen.

Schon über 200 Personen getötet

Bilder und Berichte über das Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Protestbewegung in Myanmar zeugen von zunehmender Gewalt gegen Zivilisten. Mehr als 200 Menschen sind seit dem Putsch vom 1. Februar laut Aktivisten und Medien getötet worden.

Erst zu Monatsbeginn hatte Myanmar Indien um Überstellung ausgereister Polizisten gebeten. Seit dem Militärputsch haben zahlreiche Flüchtlinge aus Myanmar die Grenze zum Nachbarland überquert. Die indischen Behörden auf Staats- und Bundesebene haben keine Zahlen genannt, doch gehen einige Staatsminister von hunderten Geflüchteten aus. Ein Dorf in Indien beherbergt 34 Polizisten und ein Mitglied der Feuerwehr, die in den vergangenen zwei Wochen nach Indien geflohen sind.

Am Umgang mit den Geflüchteten hat sich inzwischen ein Streit zwischen der Regierung in Neu Delhi und jener des Staats Mizoram entzündet. Die Behörden in Mizoram lassen die Flüchtlinge einreisen und versorgen sie mit Nahrung und Obdach. Doch vergangene Woche forderte das Innenministerium die vier an Myanmar grenzenden Staaten auf, die Grenzübertritte zu verhindern. Einreisen dürften nur aus humanitären Gründen gestattet werden, hiess es aus Neu Delhi. Da Indien kein Unterzeichnerstaat der UN-Flüchtlingskonvention von 1951 oder deren Erweiterung von 1967 sei, dürften die Bundesstaaten nicht allen Einreisenden aus Myanmar einen Flüchtlingsstatus gewähren.

(DPA)

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