Verfolgungsjagd durch Basel: Polizisten stecken fest, weil sie Tesla-Türen nicht öffnen können

Publiziert

Verfolgungsjagd durch BaselPolizisten stecken fest, weil sie Tesla-Türen nicht öffnen können

Während einer Verfolgungsjagd bocken die Türen des Polizei-Teslas: Sie lassen sich nicht öffnen. Der Flüchtige entkommt fast. Laut der Polizei hätten die Hintertüren immer wieder mal für Komplikationen gesorgt. Der Grund dafür sei die falsche Bedienung der Boliden.

von
Jeanne Dutoit
1 / 5
Während einer Verfolgungsjagd kämpft die Basler Polizei mit einem ihrer Teslas.

Während einer Verfolgungsjagd kämpft die Basler Polizei mit einem ihrer Teslas.

20min/Community
Das Problem: Die Türen lassen sich auf die Schnelle nicht mehr öffnen.

Das Problem: Die Türen lassen sich auf die Schnelle nicht mehr öffnen.

las
Der Velofahrer entkam fast der Polizei, weil sie das Auto nicht verlassen konnten.

Der Velofahrer entkam fast der Polizei, weil sie das Auto nicht verlassen konnten.

las

Darum gehts

  • Während einer Verfolgungsjagd kämpft die Basler Polizei mit einem ihrer Teslas.

  • Das Problem: Die Türen lassen sich auf die Schnelle nicht mehr öffnen.

  • Es sei in der Vergangenheit zu mehreren Fällen gekommen, bei denen die Hintertüren der Boliden Probleme bereitet haben. 

Die Teslas der Polizei Basel-Stadt wurden gross angekündigt, stolz vorgestellt und über die Kantonsgrenze hinweg abgefeiert: Die sieben Elektroautos wurden marketingtechnisch ausgeschlachtet. «Das schönste Polizeiauto, das ich je gesehen habe» und «Bitte verhaftet mich», schwärmten Autoliebhaber und -liebhaberinnen an der Präsentation im Dezember 2018.

Bereits ein paar Wochen später sorgten die 525-PS-starken Alarmpikett-Fahrzeug vom Typ Tesla X 100D das erste Mal für Negativ-Schlagzeilen. Die Fahrzeuge waren nicht einsatzbereit. Der Grund: Datenschutzprobleme. Im Februar 2019 folgte der nächste Schlag: Die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rats stellt dem Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) ein miserables Zeugnis aus. «Das Vorgehen des JSD bei der Ersatzbeschaffung der Alarmpikett-Fahrzeuge muss als unrechtmässig bezeichnet werden», so der Bericht. Das Departement wollte die Teslas, verzichtete auf eine öffentliche Ausschreibung und beschaffte sich die Boliden für fast eine Million Franken widerrechtlich.

Die Kritik, die nun an die Öffentlichkeit gelangte, ist heftig. Die Türen der Polizei-Teslas sind fehlerhaft und blockieren, dies belegt ein internes Einsatzprotokoll einer Verfolgungsjagd, das «Primenews» vorliegt und sich teilweise wie eine Slapstick-Komödie liest. Doch in brenzligen Situationen im Polizeialltag kann dieses Manko gefährlich werden.

Fahrzeugtür blockierte

Der Report beschreibt, wie Polizistinnen und Polizisten einen flüchtenden Velofahrer durchs Kleinbasel verfolgten, und das Einsatzfahrzeug «BS 04» nicht mitspielte.

Die Polizei-Angehörigen forderten zwei Velofahrer auf, anzuhalten. Einer hielt an, der andere Velofahrer ignorierte das «Halt, Polizei» und fuhr «unbeirrt» weiter, so das Protokoll. Die Polizei-Mitarbeitenden versuchten, aus dem Tesla auszusteigen, weil sie ihn zu Fuss stoppen wollten. «Dies misslang jedoch, da die Fahrzeugtür blockierte», heisst es im Bericht. Sie waren im Tesla eingesperrt. 

«Der Lenker bemerkte in der Folge, dass wir nicht aus dem Fahrzeug steigen konnten (unsere Türen konnten trotz Stillstand des Fahrzeugs erneut nicht geöffnet werden) und setzte seine Flucht durch die Sandgrubenstrasse fort», wird das Einsatzprotokoll zitiert.

Polizist packte Velofahrer schliesslich durchs Fenster

Auch ein erneuter Versuch, die Türen zu öffnen, scheiterte. «Da der Beschuldigte nach links blickte und dies bemerkte, setzte er seine Flucht auf dem Trottoir fort.» Die Verfolgungsjagd gipfelte in der Szene, als der Velofahrer mit dem Tesla kollidierte. «Nach der Kollision war es nicht möglich, die Beifahrertür zu öffnen», zitiert «Primenews».

Der Velofahrer flüchtete nach dem Crash zu Fuss weiter. Gestoppt wurde er erst, als ein Polizist ihn durchs Beifahrerfenster packte. Durch den Unfall mit dem Velo war der Kotflügel auf der Beifahrerseite beschädigt. Der Polizist musste den Tesla durch das geöffnete Fenster verlassen. Der Velofahrer konnte schliesslich festgesetzt werden. Er hatte Drogen dabei und war in Deutschland polizeibekannt.

Durch die Hintertür gings immer raus

Laut Protokoll konnte auch die hintere linke Fahrzeugtür lediglich «60 cm» geöffnet werden. Der Polizist musste laut dem Onlineportal unter der Tür aus dem Fahrzeug klettern.

Der Polizeisprecher Stefan Schmitt sagt gegenüber 20 Minuten: «Es ist zu Fällen gekommen, bei denen die Hintertüren der Teslas zu gewissen Problemen führten. Es ist aber kein Fall bekannt, bei welchem das Fahrzeug durch die Hintertür nicht hatte verlassen werden können.»

Zur allgemeinen Handhabung der Teslas sagt Schmitt, dass die vorderen Türen der Teslas mechanisch geöffnet werden können. Zudem müsse der Schalthebel auf Position P stehen, um die hinteren Türen öffnen zu können. Sei dies nicht der Fall, könne es zu Problemen bei der Öffnung kommen: Die Tür klemmt. «Dies ist ein Sicherheitsaspekt, um zu verhindern, dass Personen beim Aussteigen unter die Hinterräder geraten können», so Schmitt.

Zum konkreten Fall kann Schmitt keine Angaben machen, der Fall liege zudem bereits über zwei Jahre zurück.   

Aktivier jetzt den Basel-Push!

Mit dem Basel-Push von 20 Minuten bekommst du die News und Geschichten, die die Nordwestschweiz bewegen, blitzschnell auf dein Handy geliefert.

Und so gehts: In der 20-Minuten-App tippst du rechts unten auf «Cockpit». Dort auf «Mitteilungen» und dann «Weiter». Dann markierst du bei den Regionen «Basel», tippst noch einmal «Weiter» und dann «Bestätigen». Voilà!

Deine Meinung

208 Kommentare