Aktualisiert 04.06.2015 14:57

Florierendes Geschäft

Polizisten verkaufen ihre Dienstwaffe im Internet

In US-Onlineshops kann man legal gebrauchte Pistolen kantonaler Polizeikorps erwerben. Dass die Waffen in die Hände von Kriminellen gelangen könnten, sorgt für Empörung.

von
bee
Ab 350 Franken übers Internet erhältlich: Gebrauchte Dienstwaffen von Schweizer Polizisten.

Ab 350 Franken übers Internet erhältlich: Gebrauchte Dienstwaffen von Schweizer Polizisten.

Im Internet, dem grössten Marktplatz der Welt, gibt es fast nichts, was man nicht online kaufen könnte. So kann man problemlos Waffen jeglicher Art erwerben. Dass dazu auch Dienstpistolen der Schweizer Polizeikorps gehören, mag aber erstaunen.

Wie der «Blick» schreibt, kursieren in US-Onlineshops Bilder einer gebrauchten Dienstwaffe der Kantonspolizei Schwyz. Auf der Pistole sieht man das eingravierte Kantonswappen. Der User schreibt dazu: «Ich habe gerade meine erste SIG-Pistole gekauft. Die wurde früher von einem Schweizer Polizisten getragen.» Schon ab 350 Franken ist ein solches Stück zu haben, ganz legal.

« So eine hatte ich früher auch»

Florian Gassmann, Informationschef der Kantonspolizei Schwyz, bestätigt die Echtheit der Bilder. «Ja, das ist eine unserer Waffen. So eine hatte ich früher auch. Dass unsere Pistolen in einem US-Shop landen, freut mich natürlich nicht», sagt er dem «Blick».

«Polizeikorps sind keine Waffenhändler», stellt Vladimir Novotny, Generalsekretär der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten, gegenüber 20 Minuten klar. Manche Korps würden die alten Waffen vernichten, andere hingegen würden beim Bezug neuer Waffen die alten gleich retour geben – dann gebe es einen Rabatt auf die neue Lieferung. Novotny: «Aber auf keinen Fall verkaufen Polizeikorps Waffen direkt im Internet oder an Einzelpersonen ausserhalb des Korps.»

Doch wie kommt es, dass man so leicht an Waffen mit einem Schweizer Hoheitszeichen gelangen kann? Novotny hat dafür nur eine Erklärung: «Wer als Privatperson, etwa ein pensionierter Polizist, eine solche Waffe gekauft hat, dann kann man diese grundsätzlich auch wieder an eine Person mit entsprechendem Waffenerwerbsschein weiterverkaufen.» Aber auch wenn das Hoheitszeichen den Preis für eine Waffe in die Höhe treibe, so würden sich Polizisten nur sehr selten von Ihren Waffen trennen.

Politiker zeigen sich empört

In welche Hände die Occasionswaffen gelangen, weiss niemand. Auch nicht, ob sie später von Waffen-Narren oder Käufern mit kriminellen Absichten getragen werden. Genau dies stört Schweizer Sicherheitspolitiker.

Nationalrätin Chantal Galladé zeigt sich gar nicht erfreut über die Waffendeals. «Das geht nicht. Die Polizei nimmt ihre Verantwortung nicht wahr.» Die SP-Politikerin kündigt an, politische Massnahmen zu prüfen. Auch für CVP-Nationalrat Jakob Büchler sind die Angebote auf US-Websites problematisch. «Die Polizeiverantwortlichen müssen diesen Handel unterbinden», empört er sich im «Blick». Selbst SVP-Hardliner Hans Fehr äussert Bedenken: «Das ist sehr ungeschickt und Wasser auf die Mühlen der Entwaffnungsbefürworter.»

Wie viele Schweizer Polizeiwaffen über den virtuellen Ladentisch gehen, ist nicht bekannt, genaue Verkaufszahlen liegen keine vor. Die Kantonspolizei Zürich spricht von «mehreren Hundert» Dienstwaffen, die 2009 verkauft wurden. Gesamtschweizerisch dürften es weit mehr sein.

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