G-8-Gipfel in Genua: Polizisten wegen Gewalt zu Knast verurteilt
Aktualisiert

G-8-Gipfel in GenuaPolizisten wegen Gewalt zu Knast verurteilt

25 Polizisten sind zu schweren Haftstrafen verurteilt worden, weil sie vor neun Jahren übermässige Gewalt gegen G8-Demonstranten angewandt hatten.

Polizisten stehen neben der Leiche von Carlo Giuliani, der bei den Protesten gegen die G8 in Genua am 20. Juli 2001 ums Leben kam.

Polizisten stehen neben der Leiche von Carlo Giuliani, der bei den Protesten gegen die G8 in Genua am 20. Juli 2001 ums Leben kam.

Fast neun Jahre nach brutalen Übergriffen der Polizei auf Globalisierungsgegner während des G-8-Gipfels in Genua sind bei einem Berufungsprozess in der Hafenstadt 25 Polizisten verurteilt worden. Zu den Verurteilten zählt auch die Leitung der Einsatzkräfte in Genua. Das Berufungsgericht änderte somit das erstinstanzliche Urteil, bei dem die Hälfte der 29 Angeklagten freigesprochen worden war.

Im Verfahren ging es um schwere Übergriffe in einer als Herberge für Demonstranten dienenden Schule beim G-8-Gipfel. Der Prozess war einer von mehreren um die Gewalt rund um den G-8-Gipfel.

Die schärfste Strafe, fünf Jahre Haft, wurde gegen den Angeklagten verhängt, der erstinstanzlich bereits zu vier Jahren Haft verurteilt worden war. Die Richter gingen davon aus, dass auch die höheren Polizeifunktionäre über den Einsatz in der Schule Diaz, in der Demonstranten schwer verprügelt worden waren, informiert waren.

Beim erstinstanzlichen Urteil im November 2008 waren nur 13 der 29 Angeklagten verurteilt worden. Dabei handelte es sich um Polizisten, die die Globalisierungsgegner schwer schikaniert hatten, und nicht um die Spitze der Einsatzkräfte, die freigesprochen worden waren.

Erleichterung bei Betroffenen

Das Urteil wurde von im Gerichtssaal anwesenden Globalisierungsgegnern, die 2001 an den Protesten teilgenommen hatten, mit Freudenrufen begrüsst. Der englische Journalist Mark Covell, der ebenfalls beim G-8-Gipfel verletzt worden war, sprach von einem «sensationellen Urteil».

«Es gibt den vielen Italienern und Ausländern, die beim G-8- Gipfel schikaniert und verhaftet worden sind, wieder Mut zurück», sagte der Journalist nach dem in der Nacht auf Mittwoch verhängten Urteil. Zufrieden zeigte sich auch Heidi Giuliani, Mutter des bei den Krawallen von einem Polizisten erschossenen Globalisierungsgegners Carlo Giuliani.

Während der von massiven Krawallen geprägten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei waren am Rande des G-8- Gipfels im Juli 2001 Ordnungskräfte in die Schule eingedrungen. Dabei wurden mehr als 60 Demonstranten verletzt, mehrere von ihnen schwer.

Bei den gewaltsamen Kundgebungen gegen den Gipfel und der harten Reaktion der italienischen Polizei kam auch ein Demonstrant ums Leben. Er wurde von einem jüngeren Polizisten durch einen Schuss in den Kopf getötet.

(sda)

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