Angeklagt wegen Betrug – Polizistin arbeitete insgeheim noch Vollzeit für Finanzfirma
Publiziert

Angeklagt wegen BetrugPolizistin arbeitete insgeheim noch Vollzeit für Finanzfirma

Ein Jahr lang verrichtete eine ehemalige Basler Polizistin im Nebenamt einen zweiten Vollzeitjob. Um nicht aufzufliegen, liess sie sich mehrmals krank schreiben.

von
Lukas Hausendorf
1 / 5
Eine ehemalige Basler Polizistin verrichtete während ihrer Tätigkeit bei der Kantonspolizei noch einen zweiten Vollzeitjob.

Eine ehemalige Basler Polizistin verrichtete während ihrer Tätigkeit bei der Kantonspolizei noch einen zweiten Vollzeitjob.

Kantonspolizei BS (Symbolbild)
Sie war parallel, von August 2017 an, während eines Jahres noch als Beraterin für eine Immobilien- und Finanzfirma tätig.

Sie war parallel, von August 2017 an, während eines Jahres noch als Beraterin für eine Immobilien- und Finanzfirma tätig.

20min/Simon Glauser(Symbolbild)
Sie täuschte ihre Arbeitgeber mit Krankheitsabsenzen über ihren heimlichen Zweitjob. In beiden Jobs war ihre Leistung nur ungenügend, dafür kassierte sie aber doppelt den vollen Lohn.

Sie täuschte ihre Arbeitgeber mit Krankheitsabsenzen über ihren heimlichen Zweitjob. In beiden Jobs war ihre Leistung nur ungenügend, dafür kassierte sie aber doppelt den vollen Lohn.

Kantonspolizei BS (Symbolbild)

Darum gehts

  • Eine Ex-Polizistin muss sich vor dem Basler Strafgericht wegen Betrugs verantworten.

  • Als sie noch im Polizeidienst war, arbeitete die Frau während eines Jahres gleichzeitig auch noch Vollzeit für eine Finanzfirma.

  • Um nicht aufzufliegen, meldete sie sich jeweils bei einem ihrer beiden Arbeitgeber krank.

Sie habe grosse Freude an der Polizeiarbeit und wolle ihr bestes geben, versicherte die heute 47-Jährige im September 2017 ihren Vorgesetzen. Im Personalgespräch wurde der Polizistin eine Bewährungsfrist gesetzt, nachdem sie in der Vergangenheit nicht immer vollumfänglich ihren Pflichten nachgekommen sein soll. Dabei verheimlichte sie aber, dass sie schon im August eine zweite Vollzeitstelle bei einer Firma für Immobilien- und Finanzmanagement in Wallisellen im Kanton Zürich angenommen hatte.

Während eines ganzen Jahres bis am 31. August 2018, als die die Frau auf eigene Kündigung aus dem Polizeidienst ausschied, kassierte die Frau doppelt für halbe Arbeit. Diese nebenerwerbliche Tätigkeit, die von der Kantonspolizei nie bewilligt worden wäre, hat für die ehemalige Polizistin jetzt ein gerichtliches Nachspiel. Am Dienstag muss sie sich wegen mehrfachen Betrugs vor dem Basler Strafgericht verantworten. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Auch ihrer zweiten Arbeitgeberin verheimlichte die Frau ihre Vollzeitstelle bei der Kantonspolizei, bei der sie seit 2013 angestellt war. Der Finanzfirma sagte sie, dass sie nebenher ein Kosmetikstudio führe und dies gerne weiterhin betreiben wolle. Getäuscht über ihre tatsächliche Verfügbarkeit liessen in der Folge beide Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit der Beschuldigten weiterbestehen, obwohl ihre Leistung «weder am einen noch am anderen Arbeitsort zufriedenstellend war», wie die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift zum Schluss kommt.

Polizei will über 40’000 Franken zurück

Um nicht aufzufliegen liess sich immer wieder ärztlich krankschreiben. War sie bei der Finanzfirma krank gemeldet, war sie tatsächlich als Polizistin im Einsatz. Umgekehrt verbuchte sie Arbeitsstunden als Beraterin, wenn sie bei der Polizei krankgeschrieben war. Während sie eigentlich nur halb arbeitete, kassierte die Frau aber doppelt. Die Kantonspolizei Basel-Stadt macht einen Schaden von 49’300 Franken geltend. Dieser setzt sich aus acht Monatslöhnen à 6162.50 Franken zusammen, die die Frau folglich zu Unrecht bezogen hatte. Als Zivilforderung macht die Kantonspolizei eine Forderung von 41’327.35 Franken geltend.

Die Anklage berechnet den Schaden erst ab Oktober 2017. Dann wäre ihr unter Einhaltung der gesetzlichen Fristen gekündigt worden, hätten ihre Arbeitgeber über ihre Nebenerwerbstätigkeiten Bescheid gewusst. Bei der Finanzfirma verdiente sie zwischen Oktober 2017 und August 2018 brutto 78’750 Franken, auf die sie angesichts ihrer Situation eigentlich keinen Anspruch gehabt hätte. Das Unternehmen verzichtete im Gegensatz zur Kantonspolizei auf eine Schadenersatzforderung.

Die Staatsanwaltschaft beantragt für die 47-Jährige im Fall eines Schuldspruchs einer bedingten Geldstrafe von 320 Tagessätzen, die ihrem aktuellen Einkommen entsprechend festzusetzen sei.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Probleme mit dem Job?

Hier findest du Hilfe:

Arbeit.swiss, Informationen und Adressen für Stellensuchende

Lohnforderung.ch, Rechte bei fristloser Kündigung

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Deine Meinung

76 Kommentare