Biel: Polizistin schwer verletzt – SCB-Fan vor Gericht
Aktualisiert

BielPolizistin schwer verletzt – SCB-Fan vor Gericht

Bei Ausschreitungen nach einem Eishockeyspiel 2008 soll ein Fan eine Polizistin in Zivil mit Fusstritten traktiert und schwer verletzt haben. Morgen fällt in Biel das Urteil.

Marco Truttmann (r.) vom HC Biel und Jonas Müller (l.) vom SC Bern beim Spiel am 22. November 2008. Nach dem Match kam es zu Ausschreitungen zwischen den Fans, wobei eine Polizistin schwer verletzt wurde.

Marco Truttmann (r.) vom HC Biel und Jonas Müller (l.) vom SC Bern beim Spiel am 22. November 2008. Nach dem Match kam es zu Ausschreitungen zwischen den Fans, wobei eine Polizistin schwer verletzt wurde.

Mehr als fünf Jahre nach schweren Ausschreitungen an einem Eishockeyspiel in Biel steht ein 24-jähriger Schweizer vor Gericht. Der SC-Bern-Fan soll eine Polizistin mit Schlägen und Tritten schwer verletzt haben.

Die Frau zog sich Muskelschädigungen, eine Hirnerschütterung und ein Schleudertrauma zu. Sie leidet bis heute an den Folgen der Verletzungen, wie sie am Montag vor dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland ausführte. So habe sie regelmässig Kopfweh, Schwindelanfälle und Konzentrationsprobleme. Sie brauche Schmerzmedikamente und sei von dem Angriff von 2008 traumatisiert, berichtete sie vor Gericht. Dabei kämpfte sie mit den Tränen.

Am 22. November 2008 hatte die junge Frau als sogenannte «Spotterin» Dienst geleistet: In Zivilkleidern verfolgte sie das Geschehen am Rand des Eishockey-Spiels zwischen Biel und Bern. Nach dem 6:1-Sieg der Bieler herrschte eine aufgeladene Stimmung. Fans beider Lager gingen aufeinander los, es kam zu Tumulten und Sachbeschädigungen.

Zertrümmerte Scheiben

Die Polizistin beobachtete, wie der Anführer einer Gruppe von SCB-Fans die Scheiben eines Busses der Bieler Verkehrsbetriebe zertrümmerte. Als sie den Mann mithilfe eines anderen Polizisten fassen wollte, wurde sie von mehreren SCB-Fans überwältigt. Laut Anklageschrift wurde sie an den Haaren gepackt, worauf sie das Gleichgewicht verlor. Um sich zu schützen, versuchte sie sich zusammenzukauern.

«Mit Fusstritten eingedeckt»

Der Angeklagte soll ihr mit der Faust ins Gesicht und auf den Kopf geschlagen haben. Er deckte sie laut Anklage mit Fusstritten in den Rücken, gegen den Nacken und die Beine ein. Mindestens einmal soll er ihr in den Unterleib getreten haben.

Dass er die Frau gepackt habe und so seinen Kollegen vor der Festnahme bewahren wollte, sei richtig, gab der Angeklagte zu Protokoll. «Aber ich wollte der Frau sicher keinen Schaden zufügen.» Wenn er sie mit Fusstritten getroffen habe, «dann sicher nicht absichtlich». Andere hätten der Frau auch Tritte versetzt. Er bereue zutiefst, was passiert sei. Heute besuche er kaum noch SCB- oder YB-Spiele und habe sich anderen Beschäftigungen zugewandt, sagte der Angeklagte.

Kein Einzelfall

Dem Mann werden noch weitere Körperverletzungen vorgeworfen, die er zwischen Oktober 2008 und September 2012 begangen haben soll. So brach er vor einer Bar in Bern einem anderen Mann den Augenhöhlenboden. Vor Gericht bestätigte er diese Anschuldigung und entschuldigte sich beim Opfer.

Das Urteil im Prozess in Biel wird am Dienstag erwartet. (sda)

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