«Eine regelrechte Explosion»: Pollen können Herzinfarkte auslösen

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«Eine regelrechte Explosion»Pollen können Herzinfarkte auslösen

Die Pollen fliegen wegen der plötzlichen Wärme in hoher Konzentration. Abgesehen von allergischen Reaktionen kann dies laut Forschern sogar zu einem Herzinfarkt führen.

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Wer derzeit nicht mehr aufhören kann zu niesen und sich am liebsten Augen und Nase aus dem Gesicht kratzen würde, leidet wohl an einer Allergie gegen Eschen- und Birkenpollen. Diese sind im Moment in hoher Konzentration unterwegs. «Weil es praktisch auf einen Schlag warm wurde, sind gerade sehr viele Pollen in der Luft», sagt Roger Perret von Meteonews. «Es hat eine regelrechte Explosion gegeben.»

Die Pollen verbreiteten sich rasant. «Der Birke konnte man fast zuschauen, wie sie zerstäubte.» Dazu komme, dass sich die Pollensaison aufgrund des milden Januars etwas noch vorne verschoben habe. «Es hat alles ein bisschen früher und intensiver begonnen als sonst.»

Pollen und Saharastaub reizen Allergiker

Auch Sonja Hartmann, Fachdienstleistungen aha! Allergiezentrum Schweiz, sagt, der Blühbeginn der Hasel und Erle im Januar habe etwas eher als in anderen Jahren stattgefunden. «Die Entwicklung hat sich aufgrund der eher kühlen Temperaturen der letzten Wochen jedoch wieder im normalen Bereich eingependelt.»

Der Blühbeginn der Eschen und Birken liege heuer im Durchschnitt. «In den letzten Tagen war es sehr warm – dies sorgt für einer hohe Pollen-Konzentrationen im Flachland und somit auch für starke Allergie-Symptome.» Ebenfalls könne der Saharastaub, der in den letzten Tagen in der Luft war, empfindliche Lungen zusätzlich reizen.

Fünf Prozent erhöhtes Infarktrisiko

Laut der deutschen Ärztezeitung ist damit aber das Leiden der Allergiker noch nicht zu Ende: Kanadische Wissenschaftler haben jetzt Hinweise gefunden, dass Pollen möglicherweise sogar Herzinfarkte auslösen können.

In ihrer Studie, die sie im «American Journal of Epidemiology» veröffentlicht haben, kamen sie zu erstaunlichen Ergebnissen: Das Herzinfarktrisiko war besonders an Tagen mit vermehrtem Pollenflug erhöht. Dabei stieg mit der Pollenkonzentration in der Luft auch die Herzinfarktrate linear an.

Konkret waren Tage mit starkem Pollenflug im Vergleich zu Tagen mit schwacher Belastung mit einem um 5,5 Prozent erhöhten Infarktrisiko verbunden. Laut den Studienautoren könnte dieser Zusammenhang für Menschen, die sowohl an Herzproblemen als auch an einer Pollenallergie leiden, besonders relevant sein.

«Das Risiko steigt minim»

Christoph Kaiser, Leitender Arzt Kardiologie des Universitätsspitals Basel, kennt die Studie. «Die Ergebnisse sind spannend und liefern erste Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Pollenkonzentration und Herzinfarkt.»

Ein um fünf Prozent erhöhtes Infarkt-Risiko sei zwar nicht massiv, aber bei 17'000 untersuchten Patienten doch signifikant. «Konkret bedeuten die Ergebnisse, dass das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, an einem Tag mit viel Pollen in der Luft minim steigt.»

Ob dies nur für Allergiker oder auch für alle anderen Menschen gelte, sei jedoch nicht klar. In der Studie wurde darauf keine Rücksicht genommen. «Natürlich geht man von der Hypothese aus, dass hauptsächlich Patienten mit einer Pollenallergie einen Herzinfarkt erlitten», so Kaiser. Dies müsse aber zuerst in weiteren Studien untersucht werden.

Schnee statt Pollen

Abgesehen von einem potenziellen Herzinfarkt ist die Pollensaison für Allergiker aber ohnehin schon mühsam genug. Deswegen werden sich die Betroffenen über einen kurzen Wintereinbruch am Freitag freuen. Dann wird es winterliche 5 Grad kalt. «Wir sind nicht mehr weit vom Schnee entfernt», sagt Meteorologe Roger Perret.

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