Antisemitismus: Polnisches Magazin steckt Merkel in KZ-Kluft
Aktualisiert

AntisemitismusPolnisches Magazin steckt Merkel in KZ-Kluft

Eine polnische Zeitschrift macht Angela Merkel auf seinem Titelbild zur KZ-Insassin. Die schrille Polemik ist vorläufiger Höhepunkt eines heftigen Streits um die Deutung der Vergangenheit.

von
phi

Das Cover der neuen Ausgabe des konservativen polnischen Magazins «Uwazam Rze» hat es in sich: Angela Merkel ist dort in KZ-Kleidung und hinter Stacheldraht abgebildet. «Geschichtsfälschung» steht in grossen Lettern daneben: Deutschland mache sich zum Opfer des Zweiten Weltkriegs, behauptet das Blatt. Der Affront ist der unrühmliche Gipfel in einem Streit, der bereits letzten Monat begann.

Am 17., 18. und 20. März strahlte das ZDF einen aufwendigen dreiteiligen Fernsehfilm aus: In «Unsere Mütter, unsere Väter» wird das fiktive Schicksal von fünf Freunden zwischen 1941 und 1945 nachgezeichnet. Der deutsche Sender wollte auch jüngeren Zuschauern die Geschichte des Zweiten Weltkriegs näherbringen und begleitete die Ausstrahlung mit einer Dokumentation und Talkshows zum Thema. Während die Mainzer in Deutschland mit guten Quoten belohnt wurden, sorgte der 14 Millionen Euro teure Film in Polen für harsche Kritik.

Grund dafür ist eine Szene, in der die polnische Heimatarmee (Armia Krajowa, AK) – die grösste bewaffnete Untergrundbewegung in Polen während des Krieges – einen deutschen Zug nach Waffen durchsucht, in den Waggons jedoch Juden aus dem KZ vorfindet. «Juden sind genau so übel wie Kommunisten oder Russen», bekunden die Polen und wollen die Gefangenen ihrem Schicksal überlassen. «Besser tot als lebendig.» Nur weil sich ein Widerständler dem Befehl seines Vorgesetzten widersetzt, kommen die Gefangenen doch noch frei.

Gleichgestellt in Sachen Antisemitismus?

Viele Polen hatten den Eindruck, sie würden mit der SS gleichgesetzt. Antisemitismus in der AK sei eine Ausnahme, nicht die Regel gewesen, monieren die Kritiker. Selbst der polnische Botschafter in Berlin äusserte sich zu dem ZDF-Film und machte eine historisch bedenkliche Darstellung aus. Die AK «und die meisten Polen werden als von einem obskuren Antisemitismus, der sie kaum von den deutschen Nazis unterscheidet, und von Geldgier besessen dargestellt, die sie zu den schlimmsten Taten verleiten», so Jerzy Margaski in einem Statement.

Während die Produzenten darauf verweisen, dass der Film keine Dokumentation, sondern Fiktion sei, hat der deutsche Sender schnell reagiert. «Das ZDF bedauert es sehr, wenn die Darstellung in Polen als ungerecht und verletzend empfunden wird», verkündeten die Mainzer. «In keiner Weise sollten historische Tatsachen oder gar die Verantwortung der Deutschen relativiert werden.»

Ausserdem kündigte der Sender eine neue Produktion über die deutsch-polnische Geschichte an, die diese ganz genau dokumentieren soll. Die Macher des Magazins «Uwazam Rze» konnte diese Botschaft aber offensichtlich nicht befrieden.

Die Dokumentation des ZDF zum Thema. Quelle: YouTube/Wissenschannels

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