Pommes frites wieder auf US-Speisezettel
Aktualisiert

Pommes frites wieder auf US-Speisezettel

Das Menü für das Abendessen von George W. Bush und Jacques Chirac in der Residenz des Brüsseler US-Botschafters führte keine «freedom fries» auf, sondern «french fries».

Auf dem Höhepunkt des Zwistes um den Irak-Krieg hatte der US-Kongress die «french frees» in der Cafeteria durch «freedom fries» ersetzt. Aber wenn Bush und sein Brüsseler Dinner-Gast Chirac etwas gemeinsam haben, dann ist es die Wertschätzung für gutes Essen - auch zu Zeiten, in denen die Politik des jeweils anderen Staatschefs zu Magenverstimmungen Anlass gibt.

Beim Essen am Montagabend habe Bush besonders auf die Pommes frites hingewiesen, berichtete Chiracs Sprecher Jerome Bonnafont. Ausserdem gab es Risotto mit Hummer und Rinderfilet mit einer Sauce bordelaise. «Dies ist das erste Abendessen in Europa seit meiner Wiederwahl», bemerkte Bush. «Ich nehme es mit Jacques Chirac ein, und das hat seine Bedeutung. Es soll sagen, wie wichtig diese Beziehung für mich persönlich ist und wie wichtig diese Beziehung für mein Land ist.»

Bei so viel Zuneigung fühlte sich ein französischer Journalist ermutigt, Bush nach einer möglichen Einladung für Chirac auf seine Ranch in Texas zu fragen. «Ich suche einen guten Cowboy», antwortete Bush mit einem Lachen. Chirac wies grundsätzlicher daraufhin, dass die amerikanisch-französischen Beziehungen «seit mehr als 200 Jahren hervorragend» seien - aber das bedeute «nicht notwendigerweise, dass wir jederzeit zu jedem Thema übereinstimmen».

Immerhin verbreiteten beide eine gemeinsame Erklärung, in der Syrien zum Abzug aus dem Libanon aufgefordert wird. Und ein amerikanischer Regierungsbeamter teilte mit, dass Chirac in diesem Jahr die USA besuchen werde. Bei anderen Themen der internationalen Beziehungen blieben die Meinungsverschiedenheiten hingegen bestehen - die unterschiedliche Einschätzung der iranischen Politik, der europäische Vorschlag zur Aufhebung des Waffenembargos gegen China, das Kyoto-Protokoll zum Schutz der Erdatmosphäre.

Zuletzt speisten Bush und Chirac im Juni vergangenen Jahres zusammen. Damals war der US-Präsident Gastgeber für das Gipfeltreffen der Gruppe der Acht in Georgia und erinnerte sich mit freundlichen Worten an das gute Essen bei den Feiern zum 60. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie. Chirac revanchierte sich mit Lob für Cheeseburger und anderes amerikanisches Traditionsessen: «Die Küche hier in Amerika war sicherlich auf gleichem Niveau mit der französischen Küche, und ich bitte den Präsidenten, dem Küchenchef meinen Dank zu übermitteln.»

(sda)

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