Aktualisiert 03.12.2008 17:41

Jugendschutz

Porno-Paradies YouTube

Ein TV-Auftritt von Jenna Jameson oder ein Sex-Clip mit ihr - beim weltgrössten Videoportal gibt es beides auch für Minderjährige. Die Seitenbetreiber tun wenig dagegen.

von
Henning Steier

Verführerisch räkelt sich eine üppige Blondine vor der Kamera. Plötzlich geht ihr BH auf und von hinten kommt ein Klempner ins Bild.

Ein typisches Video auf YouPorn.com - sollte man meinen. Doch der Clip ist bei YouTube zu sehen. Weil das Portal von Videos mit expliziten Inhalten überschwemmt wird, will das zu Google gehörende Unternehmen jetzt stärker gegen Sex-Clips vorgehen. Wie YouTube im firmeneigenen Blog ankündigt, sollen nun unter anderem auch nur als schlüpfrig bewertete Filme von der Plattform entfernt werden. «Wer wiederholt gegen die Nutzerrichtlinien verstösst, dem wird der Account gesperrt», sagt ein YouTube-Sprecher. Wie viele Leute das zu Google gehörende Unternehmen beschäftigt, um seine Inhalte zu kontrollieren, dazu äussert sich YouTube nicht. Fakt ist, dass die rund zehn Stunden Material, die pro Sekunde hochgeladen werden, nur schwer zu kontrollieren sind.

Eindeutige Stichwörter

Wer bei YouTube erotische Clips sucht, muss diese über die Eingabemaske tun. Ist man angemeldet, bekommt man beim nächsten Besuch ähnliche Videos vorgeschlagen. Beim Konkurrenten MyVideo.ch hat der Nutzer es leichter. Dort gibt es einen eigenen Erotikchannel. Erst wenn ein Video von drei Usern gemeldet wurde, wird es automatisch in einen Quarantäne-Status gesetzt und manuell geprüft. «Weniger als ein Prozent der monatlich auf MyVideo eingestellten Inhalte werden von uns wegen Verstössen gegen die MyVideo-AGBs gelöscht», sagt Manuel Uhlitzsch, Geschäftsführer der Mediaagentur des Portals. Zwar werden die meisten anstössigen Videos binnen weniger Stunden von der Community als anstössig gemeldet. Aber man kann sich binnen einer Minute registrieren, ein falsches Geburtsdatum angeben und schon hat man Zugriff auf mehr als 50 000 pikante Clips. Auch die Top-Stichwörter am rechten Rand der Seite sind eindeutig: Titten, geil, nackt, Sex.

Viele der Videos zeigen allerdings nicht das Äusserste. Stattdessen nutzen Pornofirmen die Filme als Werbemittel und geben oftmals einen Link zu ihrer Seite an: «Mehr von der heissen Schwedin gibt es hier», heisst es dann beispielsweise. Surfer, denen die bei YouTube und MyVideo reichen, können sie sich bequem mit Firefox-Plugins und überall erhältlichen Gratis-Programmen auf den Rechner laden. Weil die Seiten vor allem für Pannenvideos, TV-Ausschnitte und Musikclips bekannt sind, schöpfen die wenigsten Eltern Verdacht, wenn ihr Kind die Portale regelmässig besucht. «Finden sich solche Angebote auf Seiten, die nicht explizit pornografische Inhalte anbieten, sondern Videos, die für Jugendliche sowieso attraktiv sind, werden sie richtiggehend hineingezogen», sagt Chantal Billaud von der Schweizerischen Kriminalprävention.

Vertrauensbasis schaffen

«Es wird einmal mehr klar, dass der Jugendschutz im Internet versagt», ergänzt der Berner Sexualpädagoge Bruno Wermuth, «es ist eine Illusion zu glauben, wir könnten unsere Kinder vor solchen Inhalten im Web bewahren.» Eltern sollten sich nicht durch die Installation von Filterprogrammen in falscher Sicherheit wiegen. Wichtig sei es, eine Vertrauensbasis zu schaffen, die es Kindern und Jugendlichen ermöglicht, ihre Eltern anzusprechen, wenn sie mit zweifelhaften Angeboten im Internet in Kontakt kommen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.