Aufregung in Zug: «Porno-Shooting» war ein Kunstprojekt
Aktualisiert

Aufregung in Zug«Porno-Shooting» war ein Kunstprojekt

Ein Starfotograf und sein nackte Muse sorgten am Zugersee für Ärger. Der Fotograf wundert sich, dass ihm Pornografie vorgeworfen wird.

von
Daniela Gigor
Julia Fokina ist kurz vor 19 Uhr deutlich mit einem Kimono bekleidet auf dem Cadillac zu sehen. Ausserdem wurde der Wagen mit der Kühlerhaube in Richtung See positioniert.

Julia Fokina ist kurz vor 19 Uhr deutlich mit einem Kimono bekleidet auf dem Cadillac zu sehen. Ausserdem wurde der Wagen mit der Kühlerhaube in Richtung See positioniert.

«Was da am frühen Montagabend auf öffentlichem Grund bei schönstem Badewetter zu sehen war, ist schlichtweg empörend», ärgert sich ein Familienvater in der «Neuen Zuger Zeitung (NZZ)». Grund: Wie die Zeitung unter dem Titel «Porno-Shooting am See erzürnt Bürger» berichtete, habe beim Brüggli direkt am Zugersee – wo gerne gebadet wird – ein Fotoshooting stattgefunden. Gegen 19 Uhr sei laut dem Familienvater eine splitternackte Frau auf der Kühlerhaube eines Cadillacs gelegen. Ihre Beine sollen gespreizt, die Augen verbunden und die Hände und Füsse gefesselt gewesen sein. Die Mutter der Familie soll beim Fotografen nachgefragt haben, was hier vor sich gehe. Das sei Kunst, habe sie zur Antwort erhalten. Ausserdem liege eine offizielle Genehmigung für das Shooting vor.

Beim angeschwärzten Fotografen handelt es sich um den renommierten Fotografen Alberto Venzago (65) aus Zürich, der unter anderem schon Persönlichkeiten wie Ronald Reagan, Jimmy Carter und Tina Turner vor der Linse hatte. Venzago, der über zehn Jahre im Kanton Zug wohnte, auf Anfrage von 20 Minuten über die Aufregung um sein Shooting am Zugersee: «Es ärgert mich, wenn von Pornografie die Rede ist. Ich erschrak, als ich davon hörte.»

Bilder sollen beim Betrachter Fantasien auslösen

Laut Venzago kam die erboste Familienmutter zu einem Zeitpunkt auf ihn zu, als das Model noch mit einem Kimono bekleidet war; der Schauplatz sei gerade ausgeleuchtet worden. Venzagos Muse Julia Fokina (43) sei erst gegen 19.20 Uhr nackt auf dem Cadillac gelegen. Der Fotograf: «Das Gelände war abgesperrt und im Wasser befanden sich keine Personen. Ausserdem hätte man höchstens ihren Busen sehen können, weil die Kühlerhaube Richtung See positioniert war.» Das Künstlerpaar habe selber Kinder und sie würden es unangebracht finden, wenn Familien mit Kleinkindern in der Nähe gewesen wären. Und: «Das Shooting wurde von der Stadt Zug unter Auflagen bewilligt», so Venzago. So musste der Fotograf die Anwohner beim Brüggli und auf dem Campingplatz mittels Flyer über die Aktion informieren.

Das eigentliche Shooting habe dann erst eine Stunde später begonnen. Die Bilder, die er in Zug geschossen hat, sollen später in einem Buch erscheinen, an dem er seit über zwei Jahren arbeitet. Die Idee hinter dem Bild aus Zug: «Es geht darum, dass im Kopf des Betrachters eine Geschichte ausgelöst wird. Und das scheint mir bereits beim Shooting gelungen zu sein.»

Erotische Aufnahmen wären nicht bewilligt worden

Am Donnerstagabend bestätigte Thomas Gretener, Kommunikationsbeauftragter der Stadt Zug, dass Venzago das Shooting unter Einhaltung der Auflagen am 31. August ins Brüggli verlegte, weil sich der Standort Strandbad aus logistischen Gründen nicht eigne. Venzago habe indessen gegenüber der Verwaltung keine Angaben über die Art des Shootings gemacht. Die Verwaltung habe aber auch nicht nachgefragt. «Die Bewilligung wurde schliesslich erteilt, weil der bekannte Fotograf Alberto Venzago für die Qualität seiner Aufnahmen bekannt ist. Wären allerdings die Umstände (erotische Aufnahmen) bekannt gewesen, hätte die Verwaltung die Bewilligung nicht erteilt», schreibt Gretener auf Anfrage von 20 Minuten.

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