Bezirksgericht Zürich: Pornographischer Comic ist nun doch Kunst
Aktualisiert

Bezirksgericht ZürichPornographischer Comic ist nun doch Kunst

Die Zürcher Galeristin Esther Eppstein hat im Zürcher Milieu eine pornographische Comic-Serie eines tschechischen US-Künstlers gegen eine Wand projeziert. Völlig legal, wie nun das Bezirksgericht Zürich befand.

von
Attila Szenogrady

«Das ist ein Sieg für die Freiheit der Kunst», verkündete die heute 41-jährige Künstlerin Esther Eppstein am Wochenende über eine Medienmitteilung. Nicht ohne persönlicher Genugtuung. So führte die Galeristin in ihrem Schreiben weiter aus, dass es sich gelohnt habe, sich zu wehren. Die Willkür von Polizei und Stadtrichteramt sei durch die Justiz korrigiert worden, freute sie sich über den Freispruch.

Pornographie mitten im Rotlicht-Milieu

Der umstrittene Vorfall ging auf die Sommernacht auf den 22. Juni 2008 zurück. Damals organisierte Eppstein als Leiterin der bekannten Galerie «Message Salon» an der Brauerstrasse einen Event. Dabei liess sie mittels eines Beamers eine Comic-Serie des tschechischen US-Künstlers Petr Motycka gegen eine Hausmauer projizieren.

Die Bilder zeigten laut Polizeiangaben eine nackte Frau, die einem Freier die Hose öffnete und dessen Glied massierte. Da die Vorführung von öffentlichem Grund aus zu beobachten war, erstattete eine Polizeipatrouille Strafanzeige. Grotesk mutete damals schon an, dass sich das ganze Ereignis mitten im Rotlicht-Milieu abgespielt hatte.

Zuerst vom Stadtrichter verurteilt

Bereits am 11. Juli flatterte der Galeristin eine Verfügung der Stadtpolizei Zürich ins Haus. Dabei wurde die Schweizerin wegen Pornographie einerseits mit 150 Franken gebüsst. Andererseits sollte sie Spruch- und Schreibgebühren von zusätzlichen 198 Franken tragen. Die Angeschuldigte legte Einsprache ein und erzwang damit vor einem Monat einen Prozess vor dem Bezirksgericht Zürich.

Eppstein machte vor den Schranken rein künstlerische Motive geltend und forderte für sich einen vollen Freispruch. Sie habe im Sinne des Zeichners Petr Motycka auf die Doppelmoral in unserer heutigen Gesellschaft hinweisen wollen. Der Verteidiger ging noch weiter und sprach im Falle eines Schuldspruchs von einem Rückfall ins Mittelalter. So wäre die freie Meinungsäusserung grundsätzlich gefährdet.

Schutzwürdiger kultureller Wert

In seinem nun bekannt gewordenen Urteil hat das Gericht der verzeigten Projektion tatsächlich einen schutzwürdigen kulturellen Wert zuerkannt. Im Rahmen der verfassungsrechtlichen Kunstfreiheit. Was damit zwingend im Sinne der Verteidigung zu einem umfassenden Freispruch führte. Womit die sämtlichen Kosten des Verfahrens auf die Staatskasse genommen wurden. Eppstein erhält zudem eine Prozessentschädigung von 3 500 Franken.

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