YouTube: Pornos raus, Nazis rein

Aktualisiert

YouTubePornos raus, Nazis rein

20 Minuten Online testete, wie effizient das weltgrösste Video-Portal beim Löschen von Filmen ist, deren Inhalte gegen die Nutzungsbestimmungen verstossen. Das Ergebnis erstaunt.

von
Ivan Putincanin

Die Videoplattform YouTube hat mittlerweile riesige Ausmasse angenommen. Pro Minute werden laut YouTube durchschnittlich 20 Stunden Videomaterial hochgeladen. Dieses Clip-Portal verursacht Schätzungen zufolge rund zehn Prozent des gesamten Internet-Traffics und soll dem Besitzer Google täglich 1,3 Millionen US-Dollar Verlust bescheren. Angesichtes der schieren Menge den Überblick zu behalten, scheint offenbar für YouTube eine nicht zu bewältigende Herausforderung zu sein.

20 Minuten Online wollte anhand eines Tests in Erfahrung bringen, was mit Videos geschieht, welche gegen die Nutzungsbedingungen verstossen. Darin steht unmissverständlich geschrieben, dass das Einstellen von pornographischen und gewaltverherrlichenden Inhalten verboten ist. Für den Test wurden Pornos und Nazi-Filme hochgeladen. Mit Hilfe sechs verschiedener Accounts wurden insgesamt 60 solcher Clips auf YouTube eingestellt. Die eine Hälfte der angelegten User-Profile wurde für Porno-Filme verwendet, die andere für Clips, die braunes Gedankengut verherrlichen. Auf jedes Konto wurden insgesamt zehn Filme hochgeladen. Während fünf davon nichtssagende Titel hatten, wurden die restlichen fünf Clips unmissverständlich betitelt. Sämtliche Videos konnten problemlos hochgeladen werden und waren anfangs für die gesamte YouTube-Community sichtbar.

24 Stunden für «Sex»

Nach etwas mehr als einer Stunde fiel das erste Video auf. Der mit den Schlagwörtern getaggte Film «lil Pussy» wurde entfernt und der dazugehörige Kontoinhaber per E-Mail verwarnt. Weitere zwei Stunden später wurde YouTube auf das Video «Kreisverkehr» desselben Accounts aufmerksam, löschte es und sperrte nun das Benutzer-Konto endgültig. Ähnlich schnell wurde auch der zweite Account gesperrt, obwohl ein Schmuddelfilm ohne explizitem Titel zu sehen war. Der letzte Account überlebte einen ganzen Tag lang. Nachdem die Verwarnung aufgrund des «lil Pussy»-Videos bereits eine Stunde nach dem Upload erfolgte, konnten sich die restlichen neun Filmchen ganze 24 Stunden lang bei YouTube halten. Darunter auch ein Porno mit dem unmissverständlichen Titel «Sex».

Massenhaft Porno-Fans

Die eindeutig benannten Videos des letzten Users erzielten in der kurzen Zeit an die Tausend Klicks. Zudem wurde der dazugehörige Account von dutzenden YouTube-Benutzern abonniert. Offenbar ist das Interesse an Pornos bei YouTube enorm gross. Trotzdem sind Sexfilme auf der grössten Online-Videoplattform nur schwer zu finden, da sie konsequent zensiert werden.

Nazi-Videos en masse

Es wurde das gleiche Testverfahren wie bei den Pornofilmen angewandt. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Während spätestens nach einem Tag sämtliche Sexfilme gelöscht wurden, blieben die Filme mit braunem Gedankengut unangetastet und sind auch noch zum jetzigen Zeitpunkt auffindbar. Der Test zeigte, dass sich das Interesse daran allerdings stark in Grenzen hält. Die von braunem Gedankengut geprägten Filme erreichten im selben Zeitraum kaum mehr als zehn Clicks.

20 Minuten Online konfrontierte YouTube mit dem Testergebnis und wollte wissen, ob es überhaupt einen YouTube-Filter gibt und wie er denn funktionieren sollte. Lesen Sie morgen dazu das Interview mit Firmensprecher Henning Dorstewitz.

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