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Pornhub in der KritikPornoseiten droht Sperre wegen Jugendschutz

Pornoportalen droht wegen des laschen Kinderschutzes die Sperre. Was in Deutschland Schule macht, stösst auch in der Schweiz auf Interesse, wo Pornokonsumenten immer jünger werden.

von
cho
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Pornhub und ähnlichen Portalen droht Ungemach.

Pornhub und ähnlichen Portalen droht Ungemach.

Franckreporter
Der Vorsitzende der europäischen Medienregulierer, der Deutsche Tobias Schmid, findet den Jugendschutz auf den Internetseiten zu schwach. Er will die Anbieter in die Pflicht nehmen.

Der Vorsitzende der europäischen Medienregulierer, der Deutsche Tobias Schmid, findet den Jugendschutz auf den Internetseiten zu schwach. Er will die Anbieter in die Pflicht nehmen.

Andreypopov
Sollten es diese nicht schaffen, dass die Inhalte nur noch von Erwachsenen konsumiert werden können, droht er mit einer Internetsperre.

Sollten es diese nicht schaffen, dass die Inhalte nur noch von Erwachsenen konsumiert werden können, droht er mit einer Internetsperre.

Kieferpix

Laut der aktuellen Schweizer Kriminalstatistik wurde 2019 jedes vierte Sexualdelikt von einer minderjährigen Person verübt. 2009 lag der Anteil noch bei 12 Prozent. Noch erschreckender wird das Bild, wenn man die Alterskategorien betrachtet. Die Gruppe der 10- bis 14-Jährigen kam letztes Jahr auf 660 Anzeigen. Das sind mehr als in jeder anderen Altersgruppe. In den meisten Fällen geht es um illegale Pornografie, berichtet die «Sonntagszeitung».

Hans Melliger, Leiter der Aargauer Jugendanwaltschaft, sieht den Grund im Umgang mit Technologie: «Jugendliche haben immer früher ein eigenes Smartphone und Zugang zum Internet, wo sie einfach an solche Inhalte gelangen.» Auch andere Länder kämpfen mit dieser Problematik. In Deutschland versucht man derzeit einen neuen Handlungsansatz: Porno-Portale sollen in die Pflicht genommen werden.

Tobias Schmid, Vorsitzender der europäischen Medienregulierer, legt sich dafür mit Pornhub und anderen Porno-Portalen an und droht ihnen mit einer Sperre. Grund: Der Jugendschutz der Seiten sei zu gering. Wie die «Tageszeitung Taz» berichtet, befinden sich die vier reichweitestärksten Portale im Fokus der Ermittlungen. Die Betreiber wurden nun aufgefordert, die Seiten so aufzubereiten, dass die Inhalte nur noch Erwachsenen zugänglich sind. Sollten sie den Jugendschutz nicht effektiv durchsetzen, droht die Netzsperre. Der Angriff der deutschen Behörden gegen die grossen Sex-Streaming-Portale lässt in der Schweiz aufhorchen.

«Eltern sind technisch zu wenig versiert»

«Das Anliegen ist extrem berechtigt und ich sehe hier seit längere Zeit Handlungsbedarf», sagt die Zürcher Nationalrätin Min Li Marti. Die SP-Politikerin ist besorgt, wie einfach Kinder auch hierzulande an die sensiblen Inhalte gelangen. Eine Sperre hält sie jedoch nicht für den richtigen Weg: «Es ist schwer diese so zu gestalten, dass sie nicht einfach umgangen werden kann.» Schliesslich ginge es darum, dass nur Minderjährigen der Zugriff verwehrt bleibe. «Und wenn die Sperre zu streng und straff ist, werden auch andere Seiten in bestraft.» Als Beispiel nennt sie etwa Kunst, die auch mal «nackt» sein könne.

Marti erachtet einen anderen Weg als zielführender: «Es wäre sinnvoller, wenn auf den Geräten ein Kids-Save-Mode eingebaut wäre.» Somit könnten gezielt Smartphones oder Laptops von Minderjährigen für entsprechende Inhalte gesperrt werden. «Dafür müsste man die Hersteller in die Pflicht nehmen.» Bereits heute gebe es solche Möglichkeiten, so Marti, die selber Mutter ist. «Aber viele Eltern sind technisch zu wenig versiert, dass sie wissen, wie solche Modi genutzt werden können.»

Jugendliche lieben Sperren

Der Ansatz der derzeit in Deutschland diskutiert wird, wäre theoretisch auch hierzulande umsetzbar. Marti: «Es wäre möglich, solche Seiten sperren zu lassen, aber es ist relativ einfach die Sperre zu umgehen.» Im Internet gebe es viele Anleitungen hierfür.

Der Verein Digitale Gesellschaft pflichtet dem bei. Netzsperren liessen sich umgehen und würden auch umgangen – gerade von Jugendlichen, sagt Sprecher Martin Steiger: «Wir wissen das aufgrund der Netzsperren gegen Online-Casinos oder von Geosperren wie bei Netflix.» Netzsperren könnten sogar dazu führen, dass ein Angebot als besonders attraktiv erscheine. «Den Jugendschutz kann und soll man ohne Netzsperren gewährleisten.»

Pornhub hat keine Angst

Auf diesen Standpunkt stellt sich auch Pornhub selber: «Wir fordern Eltern dringend auf, die Online-Aktivitäten ihrer Kinder zu überwachen und gegebenenfalls elterliche Kontrollen auf den Geräten einzuführen», so Sprecher Chris Jackson zu 20 Minuten.

Die Sicherheit der Nutzer habe oberste Priorität. Beim Unternehmen mit Sitz in Montreal hat man offenbar keine Angst vor der Kampfansage aus Deutschland: «Wir sind sicher, dass wir die entsprechenden Richtlinien vollständig einhalten. Unsere Website ist ausschliesslich Personen vorbehalten, die volljährig sind.»

Pornos vermitteln falsche Bilder Das Problem, wenn Jugendliche Pornos konsumieren: «Ein häufiger Konsum von Pornografie kann bei Jugendlichen falsche Vorstellungen von realer Sexualität erzeugen», sagt Daniel Betschart, Verantwortlicher Medienkompetenz bei Pro Juventute. Die Neugier für Sexualität gehöre zur Pubertät dazu. Pornos würden aber oft ein falsches Bild von Itimitäten oder Sexualität in Beziehungen zeigen. Für Kinder und Jugendliche bis 13 sei das sehr schwierig einzuordnen: «Sie können noch nicht so gut zwischen Realität und Fiktion unterscheiden.» cho

Pornos vermitteln falsche Bilder Das Problem, wenn Jugendliche Pornos konsumieren: «Ein häufiger Konsum von Pornografie kann bei Jugendlichen falsche Vorstellungen von realer Sexualität erzeugen», sagt Daniel Betschart, Verantwortlicher Medienkompetenz bei Pro Juventute. Die Neugier für Sexualität gehöre zur Pubertät dazu. Pornos würden aber oft ein falsches Bild von Itimitäten oder Sexualität in Beziehungen zeigen. Für Kinder und Jugendliche bis 13 sei das sehr schwierig einzuordnen: «Sie können noch nicht so gut zwischen Realität und Fiktion unterscheiden.» cho

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