Ukraine – Russland: Poroschenko kann Pilotin aus Gefängnis holen

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Ukraine – RusslandPoroschenko kann Pilotin aus Gefängnis holen

Die in Russland abgeurteilte Soldatin Nadija Sawtschenko soll schon bald in ihr Heimatland zurückkehren. Der ukrainische Präsident kündigte einen Deal an.

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rub
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Politisch hochbrisanter Prozess: Nadija Sawtschenko winkt aus ihrem Käfig im Gerichtssaal der russischen Grenzstadt Donezk. (22. März 2016)

Politisch hochbrisanter Prozess: Nadija Sawtschenko winkt aus ihrem Käfig im Gerichtssaal der russischen Grenzstadt Donezk. (22. März 2016)

Keystone/Ivan Sekretarev
Bleibt ihrer Linie treu: Nadija Sawtschenko in einem Gefängnis in Russland. (19. Juni 2014)

Bleibt ihrer Linie treu: Nadija Sawtschenko in einem Gefängnis in Russland. (19. Juni 2014)

Reuters
Mit 33 Jahren ist sie Pilotin bei der ukrainische Armee.

Mit 33 Jahren ist sie Pilotin bei der ukrainische Armee.

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Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat sich nach eigenen Angaben mit Russland auf die Freilassung der dort inhaftierten Soldatin Nadija Sawtschenko geeinigt. Bei einem Telefonat habe er mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin eine Formel vereinbart, die die Rückkehr Sawtschenkos ermögliche, sagte Poroschenko heute. Wie der Deal aussieht, sagte der Präsident nicht.

Zuvor war spekuliert worden, dass die in Russland wegen Beihilfe zum Mord zu 22 Jahren Gefängnis verurteilte Offizierin im Austausch gegen zwei russische Soldaten freikommen könnte. Diese waren am Montag wegen Terrorismus und Beteiligung an einem Angriffskrieg in der Ostukraine von einem Kiewer Gericht zu 14 Jahren Haft verurteilt worden.

Soldaten als Beleg für Moskaus Intervention

Beide Fälle sind politisch hochbrisant. Im Fall Sawtschenko vertritt die Ukraine die Auffassung, die Offizierin sei eine Kriegsgefangene Russlands und müsse sofort freigelassen werden. Ein russisches Gericht hatte jedoch befunden, sie habe sich des Mordes an Zivilisten schuldig gemacht. Sawtschenko soll Koordinaten für einen Angriff geliefert haben, bei dem zwei russische Journalisten umkamen.

Die beiden 2015 in der Ostukraine verletzten und gefassten russischen Soldaten nimmt die Kiewer Führung als Beleg, dass Russland die Separatisten der Region direkt militärisch unterstützt. Die Männer haben nach ukrainischen Angaben zugegeben, zu einer Spezialeinheit der russischen Armee zu gehören und auf einer Aufklärungsmission gewesen zu sein. Das russische Verteidigungsministerium betonte dagegen, die beiden seien vor ihrer Reise in die Ostukraine aus dem aktiven Dienst ausgeschieden.

Poroschenko ruft Putin an

Poroschenko hatte schon direkt nach dem Urteil gegen Sawtschenko im März einen Austausch vorgeschlagen. Nach dem Kiewer Urteil gegen die beiden Russen telefonierte er am Montagabend mit Putin, wie der Kreml bestätigte. Poroschenko sagte am Dienstag: «Das gestrige Telefonat war meine Idee, und gemessen an den vorbereiteten Arbeiten glaube ich, wir haben uns auf einen bestimmten Algorithmus geeinigt, der Nadijas Freilassung erlaubt.»

Er habe das Aussen- und das Justizministerium angewiesen, «Mechanismen vorzubereiten, um Nadija Sawtschenko so bald wie möglich nach Hause zu holen». Er äusserte sich aber nicht zum Zeitpunkt und auch nicht dazu, ob die beiden russischen Soldaten eine Rolle bei der Vereinbarung spielten. Poroschenko sagte nur, dass das Kiewer Urteil einen Austausch erlaube.

In dem Telefonat sprachen die beiden Präsidenten nach Darstellung des Kreml auch über eine Lösung des Konflikts in der Ostukraine. Zwischen beiden Ländern herrschen heftige Spannungen, seit Russland die einst ukrainische Halbinsel Krim im Frühjahr 2014 an sein Staatsgebiet angliederte. Wenig später brachen die Kämpfe in der Ostukraine aus, die Tausende Menschen das Leben gekostet haben. Eine Anfang 2015 ausgehandelte Waffenruhe hält nur leidlich, eine politische Lösung des Konflikts steht aus. (rub/sda)

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