Langstrecken-WM: Porsche ist wieder das Mass aller Dinge
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Langstrecken-WMPorsche ist wieder das Mass aller Dinge

16 Jahre war Porsche weg. Im zweiten Jahr nach der Rückkehr
dominiert die Traditionsmarke die Konkurrenz schon nach Belieben.

von
Peter Berger
Bahrain

Vor dem abschliessenden, achten Rennen in Bahrain ist Porsche der Konstrukteuren-Titel in der LMP1, der Königsklasse der Langstrecken-WM (World Endurance Championship WEC), nicht mehr zu nehmen. Mit dem Doppelsieg in Le Mans hat Porsche den wichtigsten Anlass der Saison dominiert. Noch immer hat es zudem 2015 kein anderes Auto als ein Porsche 919 Hybrid in die erste Startreihe geschafft.

Auch am Samstag starten die beiden Autos in Bahrain vor dem ersten Audi ins letzte WEC-Rennen. Das Fahrer-Trio mit Mark Webber, Timo Bernhard und Brendon

Hartley wird dabei wohl den Fahrer-Titel holen.

Mehr Erfolg geht nicht

Und das erst im zweiten Jahr nach der

Rückkehr. «Ich bin stolz auf die Mannschaft», sagt Fritz Enzinger. Der Leiter LMP1 erinnert sich an die Zeit als er Ende 2011 mit fünf Mitarbeitern vor einem weissen Blatt stand. «Vor vier Jahren gab es bei Porsche nur die Entscheidung, dass man zurückkehren will. Die ersten zwei Jahre waren schwierig. Wir brauchten Gebäude, wir brauchten Leute – in dieser Zeit

war jeder Tag zu kurz. Und dass wir dann exakt zwei Jahre nach dem Roll-out Le Mans gewinnen, macht mich sehr stolz», sagt Enzinger. Es war bereits der 17. Triumph des Motorsportklassikers an der Sarthe für Porsche, der erste nach 1998 und dem damaligen Rückzug.

Aber was soll nach der gloriosen Rückkehr in die Langstrecken-Königsklasse nun noch folgen? «Ziele sind nach dieser Saison tatsächlich schwierig zu formulieren», gesteht Enzinger. «Doch mir ist wichtig, dass wir auf dem Boden bleiben. Bei Toyota hat man gesehen, wie schnell es gehen kann.» Das Team aus Japan mit dem Schweizer Fahrer Sébastien Buemi dominierte im vergangenen Jahr nach Belieben, nun fährt es hinter Porsche und Audi als drittes LMP1-Werksteam hinterher. «Wir haben im Winter nicht genug gearbeitet», sagt Buemi selbstkritisch. Das soll Porsche nicht passieren. Enzinger betont, dass es nächste Saison kein vollständig neues Auto geben werde, «aber jede Komponente wird hinterfragt und versucht, besser zu machen.»

Schon jetzt ist der Porsche 919 Hybrid der Konkurrenz überlegen. Mit dem Vierzylinder-Turbobenziner mit zwei Litern Hubraum und dem Elektromotor, der von zwei verschiedenen Energierückgewinnungssystemen (Bremsenergie von der Vorderachse und Abgasenergie) gespeist wird, ergibt dieses einzigartige Antriebskonzept über 1000 PS. Der Porsche kann acht Megajoule elektrische Energie speichern, der Toyota TS040 Hybrid sechs und der Audi R18 e-tron vier Megajoule.

Keine Rückkehr in die Formel 1

Bleibt da als Herausforderung nicht die Rückkehr in die Formel 1? Auch da hatte Porsche einst Erfolge gefeiert und McLaren von 1984 bis 1987 mit Turbomotoren beliefert – die damaligen Fahrer Niki Lauda und Alain Prost wurden Weltmeister. Enzinger winkt ab. «Für mich ist das weder ein Thema noch ein Traum. Ich war schon zwölf Jahre in der Formel 1 (bei Williams und als Logistikchef bei BMW-Sauber, Anm. d. Red.). Und mit Porsche ist das WEC-Projekt bis Ende 2018 fixiert. Wir versuchen die Langstrecken-Rennen noch populärer zu machen. Wenn wir eine bessere TV-Übertragung bekommen, noch ein

Hersteller dazukommt (Nissan?, Anm. d. Red.) und dann vier Teams auf ähnlichem Niveau sind, wird das extrem spannend.» Aber dann muss sich die Konkurrenz mächtig sputen.

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