Aktualisiert 16.05.2007 15:27

Porta Alpina: Lange Gesichter im Bündnerland

Der Bundesrat verschiebt den Entscheid zum Bau der Porta Alpina im Bündner Oberland. Das Verkehrsdepartement muss bis 2012 noch offene Fragen klären. Die Bündner Regierung ist enttäuscht vom «Nicht-Entscheid» und befürchtet höhere Kosten.

Bei der Porta Alpina, dem Bahnhof im Gotthard-Basistunnel 800 Meter unterhalb von Sedrun GR, sah sich der Bundesrat vor zwei Alternativen gestellt, wie Verkehrsminister Moritz Leuenberger am Mittwoch vor den Medien sagte: «Abklären oder abklemmen.» Die Landesregierung wählte den ersten Weg.

Der Bundesrat will laut Leuenberger ein konkretes Bauprojekt und ein Betriebskonzept sehen. Und er will darüber Bescheid wissen, wie sich das umstrittene Projekt genau auf den Bahnverkehr auswirkt. Erst dann entscheidet er über die Hauptinvestition.

Stimmt er dem Projekt doch noch zu, könnte die Porta Alpina etwa drei Jahre nach Fertigstellung des Gotthard-Basistunnels betriebsbereit sein. Der Basistunnel kann gemäss NEAT- Aufsichtskommission frühestens 2017 in Betrieb genommen werden.

Auswirkungen analysieren

Dieser «Nicht-Entscheid» des Bundesrates enttäusche ihn, sagte der Bündner Regierungsrat Stefan Engler auf Anfrage. Das Vorhaben Porta Alpina werde noch zeitkritischer. Wenn es nicht gleichzeitig mit dem Gotthard-Basistunnel realisiert werde, verteuere sich das Projekt zwangsläufig.

Der Bahnhof, mit dem die Region Surselva an die internationale Transitachse angebunden werden soll, ist mit 50 Mio. Franken veranschlagt. Ein späterer Ausbau bedingt laut der Bündner Regierung eine neue Finanzierung. Weitere Probleme sieht die Exekutive darin, dass der Kanton, die Region und die Gemeinden das Projekt vorerst allein vorantreiben und finanzieren müssen.

Bei den verlangten weiteren Abklärungen werde sehr viel davon abhängen, ob die SBB einen zweiten Nutzer im Tunnel dulde, sagte Engler. Die Porta Alpina sei von Anfang an vom Goodwill der SBB abhängig gewesen - und bleibe es auch.

Skeptische SBB

Die SBB setzt hinter das Projekt ein grosses Fragezeichen. Inzwischen bekräftigte ihr Chef, Andreas Meyer, die skeptischen Äusserungen seines Vorgängers Bendedikt Weibel. Dieser hatte Fahrplanengpässe befürchtet und kritisiert, die Porta Alpina werde sich betriebswirtschaftlich niemals rechnen.

Die SBB gehört denn auch zu jenen, die gegen das Auflageprojekt der Porta Alpina Einsprachen eingelegt haben. Gleich taten es ihr die NEAT-Bauherrin Alptransit Gotthard AG (ATG) und Umweltverbände. Laut dem Bundesamt für Verkehr (BAV) geht es aber um technische Details, nicht um grundsätzliche Ablehnung.

Wartehallen ausgebrochen

Die im Oktober 2006 in Angriff genommenen Arbeiten der Vorinvestitionen sind nahezu abgeschlossen. Mitte März 2007 waren die vier Wartehallen ausgebrochen.

An diese Vorinvestitionen steuerte der Bund 7,5 Mio. Franken bei. Der Kanton Graubünden, die Region Surselva und die Gemeinde Tujetsch übernehmen zusammen 9,8 Mio. Franken. Von den Gesamtkosten tragen der Kanton und die Region die Hälfte. (sda)

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