Nach langer Krankheit - Portugals streitbarer Ex-Präsident Jorge Sampaio mit 81 Jahren gestorben
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Nach langer KrankheitPortugals streitbarer Ex-Präsident Jorge Sampaio mit 81 Jahren gestorben

Trauer in Portugal: Der langjährige Staatspräsident Jorge Sampaio ist mit 81 Jahren im Spital gestorben. Der Sozialist galt als Kämpfernatur und setzte sich für Freiheit und Gleichheit ein.

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Jorge Sampaio 2014 bei einer Rede an einem Kongress zur Drogenpolitik in New York.

Jorge Sampaio 2014 bei einer Rede an einem Kongress zur Drogenpolitik in New York.

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Sampaio wurde 1996 zum ersten Mal als Präsident gewählt. Er blieb zehn Jahre im Amt.

Sampaio wurde 1996 zum ersten Mal als Präsident gewählt. Er blieb zehn Jahre im Amt.

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2004 wurde Sampaio von König Juan Carlos mit dem Charles-V-Preis geehrt.

2004 wurde Sampaio von König Juan Carlos mit dem Charles-V-Preis geehrt.

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Darum gehts

  • Der frühere portugiesische Präsident Jorge Sampaio ist mit 81 Jahren im Spital gestorben.

  • Er galt als Kämpfer für Freiheit und Gleichheit und regierte das Land von 1996 bis 2006.

  • Als junger Mann setzte sich der studierte Jurist für politische Gefangene ein.

Der frühere portugiesische Präsident Jorge Sampaio ist mit 81 Jahren gestorben. Sampaio, der zwei Amtszeiten lang das Amt innehatte, gehörte zu den prominentesten politischen Vertretern seiner Generation. Seinen Tod gab der gegenwärtige Präsident Marcelo Rebelo de Sousa am Freitag bekannt. Eine Ursache nannte er nicht. Sampaio hatte jedoch seit längerer Zeit mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und befand sich während der vergangenen zwei Wochen im Krankenhaus. Sampaio sei ein Kämpfer gewesen, und die Banner seines Kampfes seien «Freiheit und Gleichheit» gewesen, sagte Rebelo de Sousa in einer Fernsehansprache.

Als «rothaariger Hurrikan» habe sich Sampaio in den 1960er-Jahren als junger Anwalt der Diktatur entgegengestellt. In den sechs Jahrzehnten seines politischen Wirkens als Mitte-links-Sozialist, sowie später als Diplomat der Vereinten Nationen, erwarb sich Sampaio Respekt für seine massvolle und bodenständige Art. Einst sagte er, er habe immer Dirigent werden wollen.

Daheim unvergessen ist, wie Sampaio auf kontroverse Art 2004 eine Mitte-rechts-Regierung stürzte, als er Staatschef war. Damals verliess der sozialdemokratische Parteichef José Manuel Barroso den Posten als Ministerpräsident und wurde Präsident der EU-Kommission. Die Krise beendete Sampaio schliesslich mit der Ausrufung vorgezogener Neuwahlen. Bei den Wahlen gelang den Mitte-links-Sozialisten, deren Parteichef Sampaio einst gewesen war, ein Erdrutschsieg.

Als Student gegen Diktatur gekämpft

Seine politische Karriere begann, als er in den 1950er-Jahren Jura in Lissabon studierte und sich in Studentenbewegungen gegen die Diktatur unter António Salazar engagierte. Nach seinem Abschluss verteidigte er Gefangene, die vor speziellen Gerichten angeklagt waren, die sich ausschliesslich mit politischen Fällen befassten.

Als Kind verbrachte er längere Zeit in den USA und in England. Er war später Abgeordneter im portugiesischen Parlament und bewarb sich 1989 erfolgreich um das Bürgermeisteramt in Lissabon. Damals wurde er Parteichef der Sozialisten. Zwei Amtszeiten als Bürgermeister der portugiesischen Hauptstadt boten ihm eine Bühne für seine Wahl zum Präsidenten 1996. 2001 wurde er wiedergewählt. Es folgte eine Karriere als UN-Diplomat. Sampaio hinterlässt seine Frau, eine Tochter und einen Sohn.

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(AFP/trx)

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