Aktualisiert 19.08.2009 12:30

Präventionskampagne einmal andersPositiv, ledig, sucht...

Es sieht nach einer normalen Hochzeit aus, doch Braut und Bräutigam verbergen ein kleines Geheimnis – beide sind HIV-Träger. Ihre Heirat findet im Rahmen eines nigerianischen Regierungsprogramms statt. Man will mit dieser Bindung verhindern, dass sich das Virus weiter verbreitet.

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Nach einem Bericht der Vereinigten Nationen sind 3,1 Prozent der 148 Millionen Nigerianer Träger des HI-Virus. Damit ist Nigeria das Land mit der drittgrössten HIV-infizierten Bevölkerung weltweit. Nun will die lokale Organisation «Bauchi State Agency for the Control of AIDS, Tuberculosis and Malaria (BACATMA)» die Zahl der Ansteckungen einschränken: Sie verkuppeln in einem Programm über 100 HIV-infizierte Paare und muntern sie zur Heirat auf.

Die Agentur bietet den Heiratswilligen danach nicht nur eine kostenlose Therapie mit antiretroviralen Medikamenten, sondern auch Beratung und sogar eine Arbeitsstelle. BACATMA-Mitarbeiter sind fest überzeugt, dass wenn HIV-Paare zusammen bleiben, die Ausbreitung von AIDS verhindert werden kann. «Wenn ein HIV-Träger eine andere HIV-infizierte Person heiratet, wird es weniger Überträge auf HIV-negative Menschen geben», erklärt der Leiter der Organisation Rilwanu Mohammed gegenüber CNN.com.

Kein Schutz vor AIDS, aber vor der Einsamkeit

UNAIDS, ein Ableger der Vereinten Nationen, der sich mit HIV und AIDS befasst, bezweifelt jedoch stark, dass diese arrangierten Heiraten etwas bewirken werden. «Es gibt bessere Methoden, AIDS-Prävention zu betreiben, als zu einer Heirat zwischen zwei infizierten Menschen zu ermuntern», sagt Warren Naamara, Koordinator von UNAIDS in Nigeria. «Für uns ist der beste Schutz ein weltübergreifendes Prävention- und Behandlungsprogramm.»

Doch obwohl die Strategie der BACATMA vielleicht nicht vor einer Ansteckung schützt, ist es eine bewiesene Tatsache, dass HIV-Infizierte oft Opfer von Diskriminierung sind – meistens sogar von der eigenen Familie. Das Programm bringt Menschen zusammen, die sonst ein Leben in Einsamkeit führen müssten.

Das ist genau Umar Ahmeds Fall: Während der Mann in der Warteschlange für die Abgabe von antiretroviralen Medikamenten stand, lernte er seine Frau kennen. «Vorher war ich alleine, jetzt fühle ich mich grossartig, weil wir zusammen sind und darüber reden können», erzählt er. Das Paar, das seit über einem Jahr verheiratet ist, hat ein Kind. Für die Paare, die sich entscheiden, ein Kind zu bekommen, sorgt BACATMA mit zusätzlicher ärztlicher Unterstützung – was das Programm allerdings noch eine Stufe kontroverser macht. Denn, wer soll sich um das Kind kümmern, wenn die Eltern so schwach und krank sind, dass sie nicht mehr selber für sich sorgen können.

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