Selbstversuch: Post akzeptiert Briefmarke aus Memory-Spiel
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SelbstversuchPost akzeptiert Briefmarke aus Memory-Spiel

Für einen Selbstversuch verschickte ein Mann Postkarten mit Briefmarken der DDR und aus dem Dritten Reich. Sie kamen alle an.

von
ehs
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Für einen Selbstversuch schickte ein Mann aus Zürich seinem Sohn Postkarten mit ungültigen Briefmarken – etwa mit einer Karte aus einem Memory-Spiel.

Für einen Selbstversuch schickte ein Mann aus Zürich seinem Sohn Postkarten mit ungültigen Briefmarken – etwa mit einer Karte aus einem Memory-Spiel.

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Ausnahmslos kamen die Karten am nächsten Tag an – auch jene, die mit einer alten ausländischen Marke frankiert war.

Ausnahmslos kamen die Karten am nächsten Tag an – auch jene, die mit einer alten ausländischen Marke frankiert war.

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Die Postkarten trugen den Stempel des Briefzentrums Zürich-Mülligen.

Die Postkarten trugen den Stempel des Briefzentrums Zürich-Mülligen.

Keystone/Patrick B. Kraemer

Für einen Selbstversuch schickte ein Mann aus Zürich seinem Sohn Postkarten zu. Dafür verwendete er keine normalen Briefmarken, sondern Marken aus der DDR, dem Dritten Reich und sogar eine Karte eines Memory-Spiels. Auf die Postkarten schrieb er zusätzlich «A-Post» – und diese wurden einen Tag später mit den Stempeln des Briefzentrums Zürich-Mülligen drauf zugestellt. Auch ausländische Briefmarken gingen bei der Post problemlos durch.

Über seinen Selbstversuch berichtete er in einer Kolumne von «Saldo». Auf seine Anfrage teilte die Post mit, die Gültigkeit von Frankierungen werde überprüft. Aus Gründen der Sicherheit könne man nicht detaillierter darauf eingehen. Wer Wertzeichen wissentlich fälsche oder gewerbsmässig betrüge, mache sich strafbar. Die Post verfüge über einen eigenen Ermittlungsdienst. Dieser reiche auch Anzeigen ein.

«Vergleichbar mit Schwarzfahren»

Gegenüber 20 Minuten sagt Post-Sprecher Oliver Flüeler: «Hier wird ein Transportauftrag von der Post verlangt, aber die Leistung nicht bezahlt.» Das sei, wie wenn jemand im ÖV schwarzfahre. Warum die Prüfmechanismen selbst mehr schlecht als recht aus einem Katalog ausgeschnittene Briefmarken oder Memory-Karten durchgehen lassen, will die Post nicht beantworten.

«Selbstverständlich prüft die Post im gesamten Verarbeitungsprozess von der Aufgabe über die Sortierung bis zur Zustellung die Gültigkeit von Frankierungen», so Flüeler. Aus Gründen der Sicherheit könne man aber keine detaillierteren Auskünfte zu internen Prozessen geben.

«Wechselt die Maschinen nicht aus»

Im letzten Jahr habe die Post 1,9 Milliarden adressierte und gut 1,7 Milliarden unadressierte Briefsendungen transportiert. «Höchste Priorität hat dabei die Pünktlichkeit», so Flüeler. Bei der A-Post träfen 97,4 Prozent, bei der B-Post gar 98,9 Prozent der Sendungen pünktlich ein.

Dem Tester reicht diese Antwort auf jeden Fall aus. Er habe nur eine Bitte an die Post, schreibt er: «Wechselt die Maschinen im Briefzentrum Zürich-Mülligen nicht aus.» Mit den Briefmarken – zweifellos Unikate – könne er vielleicht sogar noch reich werden.

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