Adress-Schwindel: Post bietet Fake-Adressen für 45 Franken pro Monat

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Adress-SchwindelPost bietet Fake-Adressen für 45 Franken pro Monat

Eine Adresse am Zürcher Paradeplatz oder am Quai du Montblanc in Genf wirkt nobel. Zwielichtige Firmen erkaufen sich diese von der Post. Diese will nun reagieren.

von
sas
Wo sich Finanzinstitute ansiedeln: Der Paradeplatz in Zürich, aufgenommen im Sommer 2011.

Wo sich Finanzinstitute ansiedeln: Der Paradeplatz in Zürich, aufgenommen im Sommer 2011.

Es klingt nach einer Zürcher Vorzeigeadresse: Paradeplatz 1. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Sitz der UBS, am Paradeplatz 6. Und ebenfalls ganz in der Nähe, am Paradeplatz 8, logiert die Credit Suisse.

Am Paradeplatz 1 befindet sich laut ihrer Website die General Capital AG, ein auf Finanzsanierungen und Finanzrestrukturierungen spezialisierter Dienstleister. Doch wer die Büros an der Nobeladresse aufsuchen will, wird nicht fündig. Tatsächlich gibt es am Paradeplatz 1 weder ein Haus noch einen Briefkasten, wie die Zeitschrift «Beobachter» in ihrer neusten Ausgabe schreibt.

Prestigeadressn in Bern, Zürich und Genf

Die Post vergibt drei sogenannte Prestigeadressen in Zürich, Bern und Genf. Angeboten werden Helvetiaplatz 11 in Bern und Quai du Montblanc 33 in Genf. Nützen kann die Vorzeigeadressen jeder, der im Rahmen des Angebots Swiss Post Box zusätzlich 45 Franken pro Monat bezahlt.

Dass die unter diesen Adressen gemeldeten Personen trotzdem an ihre Briefe und Pakete gelangen, liegt an einer Dienstleistung der Schweizer Post. Sie sammelt die Sendungen in einem Verteilzentrum und informiert den Empfänger per Mail über die eingegangene Sendung. Dieser bestimmt, ob die Post den Brief an eine beliebige Adresse weitersendet, den Inhalt scannt und mailt – oder den Brief ungeöffnet schreddert.

Diese Zusatzleistungen werden dem Kunden in Rechnung gestellt. Je nach Abo verlangt die Post fürs Öffnen und Scannen der Sendungen 1.95 Franken, fürs Handling und Weiterleiten der Post an eine andere Adresse werden 5 Franken fällig. Das Angebot hat die Post bereits 2009 lanciert.

Handelsregister: Fehlanzeige

Wer die am Paradeplatz 1 logierenden Firma General Capital AG im Schweizer Handelsregister sucht, wird nicht fündig. Will heissen: Die Firma verwendet den Begriff AG zu Unrecht. Nicht im Handelsregister verzeichnet ist auch der auf der Website aufgeführte Vorstand, womit wohl der Geschäftsführer gemeint ist. Auf eine Anfrage von 20 Minuten hat General Capital bisher nicht reagiert.

Die Firma richtet sich mit ihrem Geschäftsmodell unter anderem an Kunden, die wegen schlechter Bonität kein Geld mehr erhalten. «Kein Kredit in Sicht? Wir helfen weiter», schreibt sie auf ihrer Website. Allerdings erhalten die Kunden laut «Beobachter» auch von General Capital kein Geld, sondern einen kostenpflichtigen «Finanzsanierungsvertrag».

Bald Schweizer Adresse nötig

Die Post räumt auf Anfrage von 20 Minuten ein, dass es derzeit weder einen Handelsregistereintrag noch einen Schweizer Wohnsitz braucht, um von der Möglichkeit der fiktiven Prestigeadresse profitieren zu können. Sprecher Bernhard Bürki stellt aber klar: «Wir wollen nicht möglichst viele Prestigeadressen verkaufen.» Der Kern der Dienstleistung sei das Digitalisieren der Post.

Laut Bürki sind die Inhaber von Prestigeadressen verpflichtet, die Adresse mit dem Zusatz Swiss Post Box und einer Nummer zu versehen. General Capital habe das unterlassen und werde nun aufgefordert, die korrekte Adresse zu publizieren. Kommt die Firma der Aufforderung nicht nach, hat die Post laut den Geschäftsbedingungen die Möglichkeit, den Account zu löschen.

Derzeit nutzen rund 3 Prozent der Swiss-Post-Box-Kunden zusätzlich eine Prestigeadresse, was über 100 Kunden entspricht. Das Angebot wird derzeit durch die Post überprüft. Klar ist bereits jetzt: Ab 2015 braucht es für die Eröffnung einer Swiss Post Box einen Schweizer Wohnsitz.

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