Tierarten verwechselt: Post druckt falschen Otter auf Briefmarke ab
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Tierarten verwechseltPost druckt falschen Otter auf Briefmarke ab

Panne bei der Post: Eine Sonderbriefmarken-Serie soll Tierbabys heimischer Arten zeigen. Doch statt eines Fischotters wird eine Art gezeigt, die nur in Asien lebt.

von
Marco Lüssi
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Die Post hat im März 2017 eine Serie von Sonderbriefmarken in Umlauf gebracht, die heimische Tierbabys zeigen sollen. Darunter auch die Briefmarke «Fischotter». Doch diese zeigt keinen solchen, sondern eine andere Otterart: Abgebildet ist das Jungtier eines asiatischen Zwergotters.

Die Post hat im März 2017 eine Serie von Sonderbriefmarken in Umlauf gebracht, die heimische Tierbabys zeigen sollen. Darunter auch die Briefmarke «Fischotter». Doch diese zeigt keinen solchen, sondern eine andere Otterart: Abgebildet ist das Jungtier eines asiatischen Zwergotters.

Die Post
Den Unterschied erkennt der Otter-Kenner an den Pfoten: Der europäische Fischotter hat an seinen Pfoten deutlich sichtbare Schwimmhäute und Krallen. Beides fehlt beim asiatischen Zwergotter. Das Bild zeigt einen Fischotter im Zoo Zürich.

Den Unterschied erkennt der Otter-Kenner an den Pfoten: Der europäische Fischotter hat an seinen Pfoten deutlich sichtbare Schwimmhäute und Krallen. Beides fehlt beim asiatischen Zwergotter. Das Bild zeigt einen Fischotter im Zoo Zürich.

Keystone/Walter Bieri
Bei der Stiftung Pro Lutra, die sich für den Fischotter in der Schweiz einsetzt, bedauert man den Fehler der Post. «Es ist schade, dass auf der Briefmarke kein europäischer Otter abgebildet ist», sagt Geschäftsführerin Irene Weinberger.

Bei der Stiftung Pro Lutra, die sich für den Fischotter in der Schweiz einsetzt, bedauert man den Fehler der Post. «Es ist schade, dass auf der Briefmarke kein europäischer Otter abgebildet ist», sagt Geschäftsführerin Irene Weinberger.

Keystone/Walter Bieri

13 Otterarten gibt es weltweit, doch nur eine ist in der Schweiz heimisch: der europäische Fischotter. Diesen wollte die Post in ihrer Sonderbriefmarken-Serie mit Tierbabys geschützter heimischer Arten zeigen, die seit März erhältlich ist.

Doch dabei hat sich die Post vertan: Die Briefmarke mit dem Namen «Fischotter» zeigt eine andere Spezies. Das bestätigt man bei der Stiftung Pro Lutra, die sich für den Fischotter in der Schweiz einsetzt. Geschäftsführerin Irene Weinberger sagt: «Beim abgebildeten Tierbaby handelt es sich ganz klar um einen asiatischen Zwergotter und nicht um den Fischotter, der bei uns heimisch ist.»

«Immerhin handelt es sich um eine Otterart»

Zu erkennen sei dies unter anderem an den Pfoten, sagt Weinberger: «Fischotter haben bereits als Jungtiere deutlich sichtbare Schwimmhäute und Krallen. Diese fehlen beim Tier, das auf der Briefmarke zu sehen ist.»

Weinberger findet den Fehler bedauerlich. «Es ist sehr schade, dass kein europäischer Fischotter gezeigt wird.» Trotzdem würde sie die betreffende Briefmarke nicht aus dem Verkehr ziehen. «Immerhin handelt es sich ja um eine Otterart, und das Tier sieht niedlich aus.» Sie wünsche sich aber von der Post, dass sie die Briefmarke, die derzeit den offiziellen Namen «Fischotter» trägt, umbenenne.

Post lässt Briefmarke weiterhin im Umlauf

Bei der Post wird man jedoch nichts unternehmen, um den Fehler zu korrigieren, wie Sprecherin Jacqueline Bühlmann sagt. «Die Briefmarke ist wie alle aus der Tierbaby-Serie sehr beliebt, und wir hatten keine negativen Rückmeldungen von Kunden.» Die Sondermarke werde weiterhin wie geplant bis März 2018 verkauft.

Dass irrtümlicherweise die falsche Otterart abgebildet worden sei, bedauere man bei der Post, sagt Bühlmann. «Für dieses Missgeschick möchten wir uns entschuldigen.» Passiert sei es, weil das Foto, das als Vorlage verwendet worden sei, in der Bilddatenbank fälschlicherweise als Aufnahme eines Fischotters angeschrieben gewesen sei. «Diese Angabe haben wir leider nicht fundierter überprüft.»

Ein einst ausgestorbenes Tier ist zurück

Der Fischotter wurde in der Schweiz nach 1888 erbarmungslos gejagt – damals trat ein Fischereigesetz in Kraft, das die Ausrottung aller «fischereischädlichen Tiere» verlangte. Erst 1952 wurde er unter Schutz gestellt. Dennoch galt er nach 1989 in der Schweiz als ausgestorben. In den letzten Jahren sind hier jedoch wieder erste Exemplare heimisch geworden. Laut Expertin Irene Weinberger leben derzeit weniger als zehn Fischotter in der Schweiz. Sie hofft jedoch, dass diese Zahl steigt. In sämtlichen Nachbarstaaten der Schweiz gibt es wachsende Fischotterpopulationen, die sich in unser Land ausbreiten könnten. (lüs)

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