Aktualisiert 03.04.2020 09:34

Kontingente erst später

Post krebst bei Päckli-Knatsch schon zurück

Die Post wollte «per sofort» ihren 100 grössten Paketkunden Kontingente aufzwingen. Nach grossem Protest sieht sie nun vorerst von dieser Massnahme ab.

von
mme
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Die Post wird mit der grossen Menge Pakete nicht mehr fertig.

Die Post wird mit der grossen Menge Pakete nicht mehr fertig.

Keystone/Gaetan Bally
Daher hat sie Kontingente angekündigt.

Daher hat sie Kontingente angekündigt.

Keystone/Anthony Anex
Diese sollen die 100 grössten Paketversender betreffen. Die Massnahme wollte die Post per sofort umsetzen.

Diese sollen die 100 grössten Paketversender betreffen. Die Massnahme wollte die Post per sofort umsetzen.

Keystone/Gaetan Bally

«Wir können die schiere Menge nicht mehr bewältigen. Damit ist die Paketversorgung der Schweiz als Ganzes gefährdet»: So deutlich warnt die Post wegen der Päckli-Flut in der Corona-Krise. Deshalb sollten ihre 100 grössten Paketkunden nicht mehr beliebig viele Pakete bei ihr aufgeben, sondern nur noch eine bestimmte Anzahl, zum Beispiel nur noch 3000 statt 5000 Pakete pro Tag. Die Post hat nach eigenen Angaben am Donnerstag ihre Paketkunden informiert, dass sie diese «Notfallmassnahme ab sofort einführen» will.

«Massnahme wird nicht per sofort umgesetzt»

Es bleibt vorerst beim Plan: Denn nachdem etwa vom Verband Schweizerischer Versandhandel heftige Kritik laut wurde, krebst die Post am Freitag bereits zurück. Die Notfallmassnahme werde nicht wie vorgesehen umgehend eingeführt: «Wir werden die Massnahmen nicht wie vorgesehen per sofort umsetzen. Am Freitag suchen wir erneut den Dialog mit unseren Kunden und den anderen Akteuren der Logistik, um gemeinsame Lösungen zu finden. Ausserdem werden wir einen Antrag an das Uvek einreichen», teilte die Post auf Anfrage von 20 Minuten mit.

Post befürchtet «Kollaps der Paketversorgung»

Die Post appelliert jedoch auch an alle Markteilnehmer, den Ernst der Situation zu erkennen. «Wir möchten deutlich betonen, dass die Zeit eilt, wenn wir nicht einen Kollaps der Paketversorgung der Schweiz riskieren wollen. Dies gelingt nur, wenn alle beteiligten Akteure aufeinander Rücksicht nehmen. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass die Mengen das System nicht überfordern und wir die Schweiz weiterhin mit Paketen beliefern können», schreibt sie weiter.

Der Verband des Schweizerischen Versandhandels (VSV) hat nach Bekanntwerden der Pläne der Post fünf klare Forderungen an diese gestellt.

-Erstens: Pakete, die von der Schweiz aus versendet werden, sollten Priorität haben.

-Zweitens sollen kleinere Päckli auch über den Briefkanal geliefert werden.

-Drittens sollen Kuriere und Zustellorganisationen ab sofort auch an Sonn- und Feiertagen arbeiten dürfen.

-Viertens fordert der VSV, dass Kunden ihre Waren bei den Versandhäusern unter kontrollierten Bedingungen wieder abholen dürfen.

-Und fünftens sollen in den Filialen der Grossverteiler auch wieder Waren des nicht täglichen Bedarfs verkauft werden dürfen. Denn: «Die Absperrungen führen dazu, dass Konsumenten klassische Mitnahmeartikel auf einmal online bestellen und das System zusätzlich belasten», hält der Verband fest.

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