Projekt gestoppt: Post lässt Nestlé- und Tchibo-Shops sterben
Aktualisiert

Projekt gestopptPost lässt Nestlé- und Tchibo-Shops sterben

Die Post stand kurz vor der Lancierung von Nestlé- und Tchibo-Shops innerhalb ihrer Schalterräume. Wegen politischen Drucks wurden diese Projekte gestoppt.

von
S. Spaeth
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Die Pläne der Schweizerischen Post sahen vor, in einem Teil der Poststellen Tchibo-Shops zu lancieren.

Die Pläne der Schweizerischen Post sahen vor, in einem Teil der Poststellen Tchibo-Shops zu lancieren.

Keystone/AP/Fabian Bimmer
Aufgrund der neuen Strategie mit Drittprodukten wurden die Pläne gestoppt.

Aufgrund der neuen Strategie mit Drittprodukten wurden die Pläne gestoppt.

Keystone/AP/Fabian Bimmer
Eine Kooperation hat die Post auch mit Nestlé geprüft. Im Bild: Nestlé-CEO Paul Bulcke.

Eine Kooperation hat die Post auch mit Nestlé geprüft. Im Bild: Nestlé-CEO Paul Bulcke.

Keystone/Laurent Gillieron

Die Post will weg vom Image des Gemischtwarenladens. Der Ex-Staatsbetrieb hat letzte Woche bekanntgegeben, in einem Pilotversuch das Sortiment an Drittprodukten zu reduzieren. Den Entscheid, vom Post-Kerngeschäft weit entfernte Artikel aus den Regalen zu schmeissen, hat Post-Chefin Susanne Ruoff gefällt. Dies aber nicht ganz freiwillig: Der Schritt geschah aufgrund des politischen Drucks. Wenn die Post weiterhin die Möglichkeit haben wolle, das Sortiment selbstständig zu gestalten, müsse sie proaktiv handeln, so ein Insider zu 20 Minuten.

Im Zusammenhang mit der Sortimentsüberprüfung hat die Post auch entschieden, zwei kurz vor der Lancierung stehende Projekte im Bereich Drittprodukte auf Eis zu legen. Die Pläne sahen vor, in einem Teil der Poststellen Tchibo- und Nestlé-Shops zu lancieren. Dabei wäre es um sogenannte Shop-in-Shop-Konzepte gegangen. Darunter versteht man eine Kooperation, bei der ein Detailhändler einem Konsumgüterhersteller gegen Entgelt einen Teil der Ladenfläche für dessen Produkte zur Verfügung stellt.

Post als gefragte Partnerin

Details zu den sistierten Plänen für die Nestlé- und Tchibo-Einkaufswelten innerhalb der Post will die Pressestelle nicht bekanntgeben. Die Post habe eine Kooperation mit Nestlé und Tchibo geprüft, bestätigt Sprecher Bernhard Bürki einzig. «Die Zusammenarbeit wird wegen der Bereinigung des Sortiments nicht weiterverfolgt.» Dies entspreche dem Auftrag von Susanne Ruoff, das Sortiment zu überarbeiten.

Die Post ist für Handelsunternehmen eine attraktive Verkaufsplattform. «Wir erhalten regelmässig Anfragen von Drittfirmen, die ihre Produkte in den Poststellen verkaufen möchten», so Bürki. Attraktiv ist die Post einerseits wegen ihrer täglich rund 500'000 Kundenkontakten, andererseits verfügt das Unternehmen mit 1600 Poststellen über eine einzigartige Abdeckung. Zudem haben Kunden während des Wartens in den Schalterräumen viel Zeit für Spontankäufe.

Kaffeeverkauf in Postfilialen

Laut Recherchen von 20 Minuten bleibt ein Teil der für Tchibo vorgesehenen Flächen vorerst frei. Bei Tchibo bestätigt man die Pläne mit der Post. «Es ging um einen ersten Test, bei dem eine Auswahl des wöchentlich wechselnden Sortimentes von Tchibo und Kaffee verkauft worden wäre», so Sprecherin Annette Bernath. Im Fall von Nestlé wäre es denkbar gewesen, dass die Post in speziellen Regalen Süssigkeiten der Marke Cailler verkauft hätte.

Der deutsche Kaffee- und Konsumgüterhändler Tchibo hat seine Präsenz in der Schweiz in den letzten Jahren stark ausgebaut. War Tchibo 2005 in der Schweiz erst 115-mal vertreten, zählt die Firma Ende 2013 rund 260 Standorte, davon waren 44 eigene Verkaufsstellen. Das Wachstum stammt von den Tchibo-Depots – ein Shop-in-Shop-Konzept. So ist Tchibo aktuell mit eigenen Themenwelten in 180 Coop-Supermärkten vertreten. Das Sortiment wechselt wöchentlich, wobei Tchibo die ganze Bewirtschaftungen übernimmt und Coop eine Provision für die abverkaufte Menge erhält.

Gefürchtet hat sich die Post vor allem vor der parlamentarischen Initiative von SVP-Nationalrat Rudolf Joder. «Die Post soll sich auf ihren Unternehmenszweck konzentrieren und nicht immer mehr Krimskrams verkaufen», so der Titel des Vorstosses, der dem Ex-Bundesbetrieb eine massive Umsatzeinbusse bringen dürfte. Die Lancierung der Shop-in-Shop-Konzepte mit Nestlé und Tchibo hätte sehr negative Auswirkungen auf die Haltung der Politik gehabt, heisst es aus Post-Kreisen.

Viel Umsatz mit Drittprodukten

Laut Geschäftsbericht ist der Umsatz der Post mit Drittprodukten im Jahr von rund 500 auf 508 Millionen Franken gestiegen. Der Gesamtumsatz der Poststellen lag 2014 bei 1,66 Milliarden Franken. Drittprodukte hat die Schweizerische Post bereits seit dem Jahr 2000 im Sortiment. «Es geht darum, unsere Flächen sinnvoll zu nutzen», sagt Sprecher Oliver Flüeler. Das Poststellennetz ist defizitär. Im letzten Jahr resultierte dort laut Flüeler ein Verlust von 100 Millionen Franken. (sas)

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