Sparprogramm: Post-Mitarbeiter müssen sich noch einmal bewerben
Aktualisiert

SparprogrammPost-Mitarbeiter müssen sich noch einmal bewerben

Die Post drückt am Hauptsitz auf die Kostenbremse. Bereits ist es zu Änderungskündigungen gekommen. Selbst einige Topmanager mussten sich neu bewerben.

von
S. Spaeth
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Post-Chefin Susanne Ruoff will neben den Poststellen auch bei den Kaderfunktionen am Hauptsitz sparen. Das Rationalisierungsprogramm trägt den englischen Namen «Evolve», was so viel wie «sich weiterentwickeln» heisst.

Post-Chefin Susanne Ruoff will neben den Poststellen auch bei den Kaderfunktionen am Hauptsitz sparen. Das Rationalisierungsprogramm trägt den englischen Namen «Evolve», was so viel wie «sich weiterentwickeln» heisst.

Keystone/Marcel Bieri
Laut der Gewerkschaft Syndicom sind ja nach Bereich bis zu 30 Prozent der Stellen gefährdet. Stark betroffen sind die Sektoren Finanzen, Kommunikation und Personal.

Laut der Gewerkschaft Syndicom sind ja nach Bereich bis zu 30 Prozent der Stellen gefährdet. Stark betroffen sind die Sektoren Finanzen, Kommunikation und Personal.

Marcel Bieri
Viele Post-Kaderangestellte mussten sich auf ihre eigenen Stellen neu bewerben. Teilweise galt das sogar für Mitglieder der Geschäftsleitung, sofern sich ihr Jobprofil geändert hatte. Im Bild: Poststellen-Leiter Thomas Bauer und Post-Chefin Susanne Ruoff.

Viele Post-Kaderangestellte mussten sich auf ihre eigenen Stellen neu bewerben. Teilweise galt das sogar für Mitglieder der Geschäftsleitung, sofern sich ihr Jobprofil geändert hatte. Im Bild: Poststellen-Leiter Thomas Bauer und Post-Chefin Susanne Ruoff.

Keystone/Lukas Lehmann

Solche Projekte tragen meist unspektakuläre Namen, als möchten sie die Mitarbeiter beruhigen. Sie heissen Nova1, Future2 oder Phoenix, doch bedeuten sie meist Sparrunden und rationelleres Arbeiten. Bei der Post trägt das derartige Projekt den englischen Namen Evolve – sich weiterentwickeln. Für viele Post-Mitarbeiter bedeutet das Ende 2016 lediglich intern kommunizierte Projekt viel Stress, denn sie müssen sich neu für ihre Jobs bewerben.

Im Rahmen des Projekts will die Post-Chefin Susanne Ruoff die Kosten in den Bereichen Kommunikation, Finanzen und Personal bis ins Jahr 2020 um 30 Prozent reduzieren. Betroffen von den Sparplänen sind rund 1500 Mitarbeiter, die zumeist am Hauptsitz in Bern angestellt sind.

«Im Zuge der Neuorganisation der Funktionsbereiche wurden Stellen nur neu ausgeschrieben, wenn sich ein Stellenprofil veränderte», sagt Post-Sprecherin Nathalie Dérobert. Wie viele Mitarbeiter sich neu bewerben müssen, könne man wegen des laufenden Prozesses nicht sagen. Es sei in gewissen Fällen aber bereits zu Änderungskündigungen gekommen.

Grosse Unsicherheit beim Personal

Mussten sich auch die Geschäftsleitungsmitglieder bewerben? «Ja, teilweise, dort wo die Profile sich signifikant verändert haben», sagt Dérobert. Zudem räumt die Post ein, dass sich mit neuen Stellenprofilen auch der Lohn und die Anstellungsbedingungen ändern können. Bisher habe es Neubesetzungen für die neuen Strukturen in erster Linie in den Führungspositionen geben.

Die Gewerkschaft Syndicom spricht von einem Abbau, der einmal mehr ohne vorgängige Konsultation stattfinde. Bei einem Abbau jeder dritten Stelle innerhalb bestimmter Bereiche sei das ein Affront: «Viele Führungskräfte müssen sich neu bewerben, teilweise herrscht grosse Unsicherheit», sagt Syndicom-Zentralsekretär Roland Lamprecht zu 20 Minuten.

Jobabbau nicht ausgeschlossen

Die Post begründet das Sparprogramm mit dem umkämpften Marktumfeld und den sich ändernden Kundenbedürfnissen: Man müsse die Strukturen nicht nur im Betrieb, sondern auch in den Support- und Stabsbereichen optimieren. Seit dem 1. April 2017 sei eine einheitliche Führungsstruktur eingeführt worden. In den nächsten Jahren könne es am Konzernsitz insgesamt zu einem Stellenabbau kommen, sagt Dérobert, ohne genau Zahlen zu nennen.

Laut Gewerkschafter Lamprecht haben eine ganze Reihe von Post-Kadern im Bewerbungsprozess für ihre eigene Stelle nicht reüssiert. «Es kam zu grossen Wechseln», so der Gewerkschafter. So habe es in gewissen Geschäftsbereichen ganz neue Organisationsstrukturen gegeben.

Mitarbeiter fühlen sich allein gelassen

Gemäss Syndicom gehen aufgrund des Restrukturierungsprojekts wichtige Post-Kader von Bord, was auch auf den Poststellen für Verunsicherung sorge. «Diejenigen, die den Mitarbeitenden der Poststellen helfen sollten, eine berufliche Zukunft zu haben, sind nicht mehr da oder werden die Post verlassen.» Besonders kritisch sei die Situation fürs Tessin, wo sowohl der Leiter der Poststellenregion als auch der HR-Leiter das Unternehmen verlassen würden.

Die Post betont, sich ihrer Rolle als sozialverantwortliche Arbeitgeberin bewusst zu sein. «Wir setzen alles daran, Entlassungen zu vermeiden, und nehmen die Sorgen der Mitarbeitenden ernst», so Sprecherin Dérobert.

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