Post-Präsident Christian Levrat stellt sich euren Fragen

Live aus dem Chefbüro«Wird die Post bald nur noch an drei Tagen zugestellt, Herr Levrat?»

Ex-SP-Chef Christian Levrat gilt als einer der einflussreichsten Politiker der vergangenen Jahre. Wie hat er den Wechsel von der Politik in den Staatsbetrieb erlebt und was plant er mit der Post? Seine Aussagen im Live-Talk.

von
Fabian Pöschl
Sandro Spaeth

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Mittwoch, 23.11.2022

Ende

Damit ist der Talk vorbei. Schön warst du dabei. Post-Präsident Christian Levrat will bei der Digitalisierung und bei der Nachhaltigkeit Gas geben und sagt, er verhandelt für höhere Löhne. Der Service Public sei auch in Zukunft wichtig, ob es in zehn Jahren aber noch sechsmal die Woche eine Briefzustellung gibt, wollte er nicht sagen. Auch zu seinen Bundesratsambitionen hielt sich Levrat bedeckt. Morgen findest du eine Zusammenfassung des Interviews in der Zeitung. Wenn du Fragen, Kritik oder Anmerkungen für ein nächstes Interview hast, dann melde dich per Mail an wirtschaft@20minuten.ch

20min/Tarek El Sayed

Preise bei der Post

Können Sie garantieren, dass ein Brief vom Münstertal nach La Brévine in Zukunft immer gleich teuer sein wird, wie ein Brief von Bern nach Bümpliz?

«Ja, das ist unser Grundversorgungsauftrag. Nur in den Städten könnte auch die Konkurrenz zustellen.»

SVPler als Posts-Minister?

Könnten Sie auch mit einem UVEK-Chef aus der SVP leben? Albert Rösti werden auch UVEK-Ambitionen nachgesagt… Dann hätten Sie einen SVPler als Posts-Minister.

«Ja, klar. Unsere Aufgabe ist zu sichern, dass die Politik die richtigen Fragen rechtzeitig beantworten kann, etwa zum Service Public. Das ist unabhängig von der Partei, die Frage stellt sich allen.»

Levrat als Bundesrat?

Eva fragt, stellvertretend für mehrere Leserinnen und Leser: Ich fand Sie als SP-Präsident schon immer super und sehe Sie künftig als Bundesrat.

«Das freut mich, aber das Postpräsidium ist ein sehr wichtiges Amt in einem sehr wichtigen Unternehmen. Das was ich jetzt tue, ist wichtig für die Schweiz.»

SP-Mann im Bundesrat?

Sie sind bestimmt glücklich, dass die Bundesversammlung im Dezember keinen SP-Mann wählen kann. Das erhöht die Chance, dass beim Rücktritt von Alain Berset ein Mann aus der Romandie gewählt werden kann…

«Es ist nicht meine Aufgabe, glücklich oder traurig zu sein, ich konzentriere mich auf die Post, das ist mein Job.»

Levrat zur Bundesratswahl

Am 7. Dezember ist Bundesratswahl. Bei der SP stehen noch drei Kandidatinnen zur Auswahl: Die Regierungsrätin Evi Allemann, die jurassische Ständerätin Elisabeth Baume-Schneider, die Basler Ständerätin Eva Herzog? Wer hat die Nase vorn?

«Das weiss ich nicht. Das müssen Sie Parlamentsmitglieder fragen. Ich kenne alle drei und alle drei sind gut. Mein Parteibuch ist gelb, mein Job ist die Post.»

Post nur noch alle drei Tage?

Wird die Post dann nur noch an drei Tagen kommen?

«Wir brauchen Lösungen für alle. Damit meine Mutter ihre Post schriftlich bekommt und ich digital. Ich verspreche, dass wir Lösungen finden für die Bedürfnisse der Kundschaft. Ob es in zehn Jahren noch die tägliche Zustellung geben wird, kann ich nicht versprechen. Wir werden aber die Bedürfnisse der Leute erfüllen.»

Post

Blick in die Zukunft

Welches Bedürfnis werden die Kunden in zehn Jahren haben?

«Sie erwarten individuell zugeschnittene Informationen. Herr Meier, der seine klassische Kontobuchhaltung führt, will es auf Papier bekommen. Ich würde erwarten, dass man mir einen digitalen Brief vertrauenswürdig schickt. Meine Kinder würden wohl eine Whatsapp-Nachricht wollen. Diese Individualisierung der Dienstleistungen ist wichtig. Wir haben bereits geschützte E-Mails. Das ist eine zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit, die die Firma managen muss. Wir übernehmen die Kommunikation einer Firma und stellen es kundengerecht zu.»

Billig-Päckli aus China

Silvie fragt: Was können Sie gegen die Billig-Päckli aus China unternehmen? Der Versand eines AliExpress-Pakets aus China kostet nicht mal die Hälfte eines Versands in der Schweiz. Ist das nicht absurd?

«Die Weltpost-Tarife sind international festgelegt. Sie wurden im vorletzten Jahr unter Druck der USA massiv erhöht worden. Die Diskussion stellt sich zurzeit nicht gross, weil die Pakete aus China regelrecht eingebrochen sind wegen der Lieferkettenprobleme. Aber es ist der Entscheid der Kunden, es liegt nicht an uns, zu entscheiden, wo sie bestellen, sondern dass sie die Ware bekommen. Wir haben für Grosskunden Rabattsysteme, da ist egal, ob sie in China oder Deutschland sind.»

Zukunft von Postfinance

Petra schreibt: Dass die Post die Migros Bank und die Corner Bank ins Haus geholt hat, zeigt: Sie haben die Postfinance bereits abgeschrieben. Wie sehen Sie das?

«Danke für die Frage, aber die Realität ist genau umgekehrt. Wir wollen das Filialnetz stärken und die Kundenfrequenz erhöhen für starke regionale Dienstleistungen. Das kommt dem ganzen Konzern zugute. Postfinance muss die Konkurrenz nicht fürchten.»

20min/Celia Nogler

Keine Hypotheken bei der Post

Oliver fragt: Die Mitarbeiter laufen der Postfinance massenweise davon, seit klar ist, dass die Postfinance eigenständig keine Hypotheken vergeben darf. Wohin wollen Sie mit der Postfinance?

«Die Postfinance macht einen hervorragenden Job. Wir haben nicht umsonst 90 Milliarden Kundengeldern und über 4 Millionen Kontos. Das ist ein Zeugnis für einen super Job. Das Hypotheken-Verbot ist mittelfristig kaum zu ändern. Die Kundenzuströme sind sehr klar. Wir haben mit Yuh auch ein sehr starkes Tochterunternehmen im digitalen Banking.»

Mindestlohn

Iris: Aktuell ist der Post-Mindestlohn bei 50’600 Franken im Jahr. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass der Mindestlohn steigt?

«Das ist nicht viel für die zum Teil harten Arbeitsbedingungen. Aber die grosse Mehrheit bekommt mehr als 4000 Franken. Wir wollen höhere Mindestlöhne für die gesamte Logistikbranche und führen dafür Diskussionen mit den Gewerkschaften. Die Lohnverhandlungen berücksichtigen sicher die Teuerung, die Situation des Unternehmens und der betroffenen Branchen.»

Einarbeitsentschädigung

War es ein Fehler, dass Sie eine Einarbeitsentschädigung gefordert haben?

«Ja, als es die Diskussionen gab, haben wir davon abgelassen.»

250’000 Franken Entschädigung pro Jahr

Stefan fragt: Wie begründen Sie als Sozialdemokrat Ihre Entschädigung von jährlich rund 250’000 Franken gegenüber den einfachen Bürgern dieses Landes?

«Ich verstehe die Kritik. Der Lohn wurde 2007 so festgelegt. Die Kriterien des Bundesrats waren die Grösse des Unternehmens, die Komplexität und der zeitliche Aufwand.»

Job nur dank Vitamin B?

Roman fragt: Was entgegnen Sie Leuten, die behaupten, Sie hätten Ihren Job vor allem wegen Ihrer politischen Zugehörigkeit und Ihrer Kontakte zu Bundesrätin Sommaruga erhalten?

«Dass ich vom Gesamtbundesrat gewählt wurde. Wir erbringen Service Public, sind einer der grössten Arbeitgeber. Deshalb braucht es ein intimes Gespür für die politischen Abläufe im Land. Es gab auch Präsidenten von fast allen Parteien.»

A- vs. B-Post

Regina fragt: Ist eine Unterscheidung in A- und B-Post wirklich noch zeitgemäss?

«Ja, es wird sehr geschätzt. Wir wollen daran festhalten.»

20min/Anna Bila

Frage zur Swiss ID

Pavel fragt: Warum kann man ohne Swiss-ID keine Online-Dienstleistungen der Schweizer Post in Anspruch nehmen? Ist das noch Service Public?

«Ja, das ist der Kern von Service Public. Wir bieten für Schweizer Unternehmen eine einfache Log-in-Möglichkeit aus der Schweiz. Weder Sie noch ich sind froh, wenn wir Facebook die Daten geben müssen. Ich glaube, dass das auch die Schweizer Bevölkerung so sieht. Man ist gut beraten, die Daten nicht durch die Welt zu stellen.»

Frage zur Kundenfreundlichkeit der Post

Paula fragt: Warum wird die Post immer kundenunfreundlicher? Zugang nur noch mit Swiss-ID, Poststellen in Volg-Filialen mit weniger Dienstleistungen.

«Die Post ist sehr kundenfreundlich und die Swiss-ID ist ein gutes Beispiel dafür. Wir hatten vorher verschiedene Log-in-Systeme. Es erschien uns sinnvoll, das zu vereinheitlichen und das System zu nutzen, das auch 230 andere Firmen nutzen, das weder von Google oder Facebook ist, sondern eine Schweizer Lösung. Ich habe auch getobt, als ich das Passwort wegen der Swiss-ID umstellen musste, aber im Ergebnis ist es einfacher.»

Umwelt vs. Black Friday

Die Post profitiert stark vom Black Friday. Die Umwelt allerdings weniger. Viele Leute kaufen Dinge, die sie nicht brauchen. Sehen Sie den Shoppingwahn am Black Friday auch kritisch?

«Es ist nicht gratis, nur nicht sichtbar. Die Post will grüne Logistikwege anbieten. Wir planen schweizweit elektrisch zuzustellen bis 2030 und sind bis 2040 bei Netto-Null. Wir beschleunigen diesen Weg in die Nachhaltigkeit, das wird auch von unseren Kunden und der Bevölkerung erwartet. Die Herausforderung ist, dass es sehr unregelmässige Volumen gibt und wir uns auf die Peaks ausrichten müssen.»

20min/Taddeo Cerletti
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