Sedrun GR - Post «verliert» Rolex im Wert von 8000 Franken
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Sedrun GRPost «verliert» Rolex im Wert von 8000 Franken

Ein Bündner Uhrenfan hat sich via Ricardo eine Rolex für 8000 Franken ersteigert. Bei ihm kam sie jedoch nie an. Unterwegs ging sie irgendwo verloren. Die Post verweist an die Kantonspolizei Graubünden.

von
Fabian Pöschl
Tabea Waser
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Diese Rolex hat ein Uhrenfan aus Sedrun GR via Ricardo ersteigert. 

Diese Rolex hat ein Uhrenfan aus Sedrun GR via Ricardo ersteigert.

SRF
Dafür zahlte er über 8000 Franken. 

Dafür zahlte er über 8000 Franken.

SRF
Bei ihm an kam sie jedoch nie. 

Bei ihm an kam sie jedoch nie.

SRF

Darum gehts

  • Ein Bündner ersteigert via Ricardo eine teure Luxusuhr.

  • Das Paket kommt zwar bei ihm an, jedoch ohne Uhr.

  • Der Mann erstattet Anzeige. Er glaubt, sie wurde aus dem Paket entwendet.

  • Laut der Post fehlen jedoch Beweise für diese Vermutung.

«Im ersten Moment war der Schock riesig», so der Uhrenfan aus Sedrun GR. Via Ricardo hat er vergangenen Dezember eine alte Rolex-Herrenuhr ersteigert. Kostenpunkt: 8011 Franken. Wie es am Montag im Beitrag des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» heisst, hätte die Uhr Ende Dezember bei ihm ankommen sollen. Angekommen ist allerdings nur das Päckli, nicht aber die Uhr. Dabei wurde sie von der Verkäuferin extra in drei ineinanderliegende Schachteln verpackt.

Der Käufer meldete sich direkt bei der Kantonspolizei Graubünden. Und weil er jemanden kennt, der bei der Post arbeitet, kommt er zu einem Protokoll, auf dem ersichtlich ist, wann das Päckli wo war und was es gewogen hat. Dabei zeigt sich: Am Abend des 28. Dezembers, als das Paket in Fribourg aufgegeben wurde, wog es rund 960 Gramm. Im Verteilzentrum Frauenfeld gegen Mitternacht wog das Paket ebenfalls 960 Gramm, drei Stunden später in Untervaz GR wog es nur noch 840 Gramm. Es fehlen also 120 Gramm, was genau dem Gewicht der Uhr entspricht.

Was ist passiert?

Für den Betroffenen ist klar, dass die Uhr nicht einfach aus dem Paket fallen konnte. «Das bedeutet für mich, das Paket wurde von Menschenhand geöffnet, die Uhr entfernt. Alles wieder zusammengepackt und verschickt.» Wie «Espresso» weiter berichtet, habe die Post gegenüber dem Geschädigten angegeben, es gebe keine gesicherten Beweise dafür, dass die Uhr gestohlen wurde. Es seien nur Vermutungen. Gegenüber dem Konsumentenmagazin sagt die Post, dass eine Meldung an die Unternehmenssicherheit erfolgte. Auch dort habe man keine Unregelmässigkeiten feststellen können. Der Betroffene bedauert das sehr: «Ich finde es extrem schade, dass die Post aktiv wegschaut, obwohl man möglicherweise ein Problem hat, mit einer potenziellen kriminellen Person – die vielleicht tagtäglich irgendwelche Pakete öffnet und Inhalte entwendet. Auch von anderen Kunden.»

Auf Anfrage von 20 Minuten heisst es, man habe intensiv nach der vermissten Uhr gesucht, konnte sie aber bisher nicht finden. Dies bedauere man sehr. In Fällen eines Verlusts, nehme die Post ihre Verantwortung wahr und bezahle dem betroffenen Kunden umgehend einen Haftungsbetrag aus. Das habe die Post auch in diesem Fall getan und dem Kunden den für «eingeschriebene» Pakete vorgesehen Maximalbetrag von 1500 Franken ausbezahlt. Um wertvollere Waren zu versenden, gebe es die Zusatzleistung «Assurance». Hier übernehme die Post im Verlustfall eine maximale Haftung bis 5000 Franken.

Bei der Kantonspolizei Graubünden heisst es auf Anfrage, dass Ende Dezember eine Diebstahlsanzeige einer Rolexuhr eingegangen ist. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes sowie aus polizeitaktischen Gründen könne man aber nicht mehr dazu sagen.

Das empfiehlt Ricardo

Wie es auf Anfrage bei Ricardo heisst, hat man Kenntnis vom Fall. «Die Verkäuferin hat unseren Kundendienst aufgrund des vorgefallenen Verlustes des Paketinhalts kontaktiert. Der Kundendienst hat die Verkäufer darauf hingewiesen, sich bei der Post zu informieren, da diese solche Verlustmeldungen behandelt», so Sprecherin Mojca Fuks. Auch wenn die allermeisten der auf Ricardo getätigten Transaktionen laut Fuks problemlos verlaufen, könne es leider vorkommen, dass eine Lieferung nicht oder nicht vollständig ankomme. Solche Fälle seien jedoch sehr selten und bewegten sich im tiefen Promille-Bereich.

«Ricardo empfiehlt seinen Nutzerinnen und Nutzern insbesondere bei hochpreisigen Artikeln nur bei Angeboten mit eingeschriebenen, also versicherten Sendungen mitzubieten oder wo eine persönliche Abholung mit Barzahlung beim Anbieter möglich ist», so die Sprecherin weiter. Die Versandart bei Ricardo-Angeboten werde jeweils von den Verkäufern definiert und der Versand werde auch vom Verkäufer durchgeführt. «Bei der Meldung eines gestohlenen Artikels von Seiten eines Verkäufers schreiben wir aus Kulanz die Erfolgsprovision gut. Zudem empfehlen wir, sofort die zuständige Poststelle zu informieren und ggf. die Polizei einzuschalten.»

600 Briefsendungen entwendet

Als kürzlich die Kriminalstatistik des Kantons St. Gallen veröffentlicht wurde, zeigte sich in Gossau 2020 eine Verdoppelung der Straftaten gegenüber dem Vorjahr. Schuld daran war eine einzelne Person, die rund 600 Postsendungen mit Bargeld aus dem Logistikzentrum der Briefverarbeitung gestohlen hatte. Laut der Staatsanwaltschaft St. Gallen läuft seit Mitte 2020 eine Untersuchung gegen die Person. Man habe versucht, die Briefe noch so gut wie möglich an die Empfänger zuzustellen. Dies sei aber nur bei einem kleinen Teil der 600 Postsendungen möglich gewesen.

Die Schweizerische Post bestätigte gegenüber 20 Minuten den Fall. Sprecherin Nathalie Dérobert Fellay sagte damals: «Die Post bedauert, dass ein Mitarbeitender im Logistikzentrum Briefverarbeitung Gossau Briefe gestohlen hat und entschuldigt sich bei ihren Kundinnen und Kunden für dessen inakzeptables Verhalten.» Das Arbeitsverhältnis sei fristlos aufgelöst worden und das Unternehmen habe eine Strafanzeige gegen den Mitarbeitenden eingereicht. Weiter hiess es bei der Post, dass Mitarbeitende stehlen, komme nur in absoluten Ausnahmefällen vor. «Die Post unternimmt grosse Anstrengungen, um Diebstähle und Gesetzesverstösse zu verhindern, sie überprüft ihre Prozesse regelmässig und passt sie gegebenenfalls an.»

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