Express: Post will Schnell-Schalter einführen
Aktualisiert

ExpressPost will Schnell-Schalter einführen

Die Post will die Wartezeiten am Schalter verkürzen und testet eine Schnellbedienung. Das hat Auswirkungen fürs Personal. Die Löhne könnten weiter unter Druck geraten.

von
S. Spaeth

Für viele Post-Kunden ist es ein Dauerärgernis: etliche Minuten Wartezeit, um lediglich einen Brief aufzugeben. Denn die vor einem wartende Person benötigt eine längere Beratung wegen eines Mobilfunk-Abos oder will eine Versicherung abschliessen. Um dieses Problem zu entschärfen, lanciert die Post für Kunden mit beratungs- und zeitintensiveren Bedürfnissen spezielle Schalter, wie der Staatsbetrieb am Mittwoch mitteilte. Denn neun von zehn Kunden wollen bei der Post nur schnell eine Einzahlung tätigen oder ein Paket aufgeben.

Durch die Trennung von schnellen Dienstleistungen und Verkaufs- sowie Beratungsgeschäften will die Post ihre Kunden effizienter bedienen können. Damit die Neuausrichtung von den Kunden besser wahrgenommen wird, testet die Post in den ersten Pilotpoststellen eine generelle Neugestaltung der Kundenzone. Die Kunden werden dabei optisch und, wo vorhanden, mit einem angepassten Ticketing-System auf die neue Art der Kundenbetreuung aufmerksam gemacht.

Auswirkungen auf den Lohn?

Im Rahmen des Pilotprojekts testet die Post zwei unterschiedliche Stellenprofile, wie Post-Sprecherin Nathalie Dérobert auf Nachfrage von 20 Minuten sagt. Die Mitarbeiter hätten sich nach Absprache mit den Vorgesetzten in die Kategorie Verkauf oder Beratung einteilen lassen können. «Eines der Ziele ist die Mitarbeitenden in den Poststellen gemäss ihren individuellen Interessen einsetzen zu können», so Dérobert. Hat das kleinere Spektrum an Aufgaben später Auswirkungen auf den Lohn? «Die Auswirkungen auf die Anstellungsbedingungen bei einer allfälligen schweizweiten Einführung des Verkaufs- und Beratungsprofils sind zur Zeit kein Thema.»

Die Post-Gewerkschaft begrüsst die Aufteilung in zwei unterschiedliche Jobprofile: «Diese Differenzierung hat das Personal selbst in Workshops erarbeitet und gewünscht», sagt Syndicom-Sprecher Bruno Schmucki zu 20 Minuten. Nicht jeder Post-Schalter-Mitarbeiter sei ein Verkäufertyp, weshalb die Verkaufsziele zu enormem Stress geführt hätten. Laut Schmucki ermöglicht die Unterscheidung eine bessere Differenzierung der Verkaufsziele. «Wir wehren uns aber gegen allfällige Lohnsenkungen», so Schmucki.

Grundsätzlich befürchtet Syndicom aber, dass die Löhne des Schalterpersonals immer mehr unter Druck geraten. Grund dafür sei einerseits die sinkende Briefmenge und die zunehmende Digitalisierung der Post-Dienstleistung. Andererseits betrachte die Post heute die Löhne im spezialisierten Detailhandel als Referenz für die Löhne der Schalter-Angestellten.

Erste Pilotversuche ab Mitte Juli

Das neue Konzept wird während der kommenden Monate schweizweit in rund 70 Poststellen getestet. Mitte Juli 2015 startet im Gebiet Weinfelden/Frauenfeld der erste Pilotversuch in 14 Poststellen, im August folgen weitere in Genf Petit Lancy , Lugano Centro, Interlaken und Delémont (17.8.). Erste Ergebnisse aus den Pilotversuchen liegen voraussichtlich frühestens gegen Ende 2015 vor.

Die Neuausrichtung von Verkaufs- und Beratungsgeschäften ist Teil einer Reihe von Pilotversuchen, welche die Post zur Verbesserung der Kundenorientierung lanciert hat. Dazu gehört auch die versuchsweise Bereinigung des Sortiments mit Fremdprodukten: In 20 Poststellen ist das Angebot seit April um einen Fünftel reduziert worden. Entfernt werden viele Artikel, die kaum mit der Post verbunden werden, etwa Süssigkeiten, Hörgeräte oder Autoputzmittel.

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