Aktualisiert 08.07.2019 14:54

Päckli

Post zahlt Pöstlern 2 Mio Franken Lohn nach

Die 1800 Paketboten erhalten im Schnitt rückwirkend 90 Franken mehr Lohn im Monat. Grund dafür ist ein neues Arbeitszeitmodell. Nun wird die effektive Zeit bezahlt.

von
S. Spaeth
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Gemeinsam mit den Gewerkschaften hat die Post das im Juli 2018 eingeführte Arbeitszeitsystem Mytime überarbeitet.

Gemeinsam mit den Gewerkschaften hat die Post das im Juli 2018 eingeführte Arbeitszeitsystem Mytime überarbeitet.

Keystone/Christian Beutler
Neu wird den Zustellern die effektive Arbeitszeit vergütet.

Neu wird den Zustellern die effektive Arbeitszeit vergütet.

Keystone/Christian Beutler
Von der Anpassung profitieren rund 1800 Paketboten.

Von der Anpassung profitieren rund 1800 Paketboten.

Keystone/Christian Beutler

Der Unmut unter den Paketboten war gross: die Post hat nicht die effektiven Arbeitszeiten, sondern nach Durchschnittswerten pro zugestelltem Paket entschädigt. Wer im Stau stand oder eine Tour mit vielen Einfamilienhäusern statt Blöcken fahren musste, hatte das Nachsehen. «Das alte System hat die eher jungen, schnellen Mitarbeiter bevorzugt, die älteren wurden benachteiligt», sagt Syndicom-Sprecher Christian Capacoel zu 20 Minuten.

Darum hat die Post seit Juli 2018 ein neues System namens Mytime eingeführt, das grösstenteils auf den effektiven Arbeitszeiten der Paketboten basiert. Dieses wurde nun überarbeitet, wie die Post mitteilte. Die Folge: Rund 1800 Paketboten der Post erhalten im Oktober rückwirkend eine Lohnvergütung. Dafür gibt die Post insgesamt rund 2 Millionen Franken aus. Pro Mitarbeiter sind das im Schnitt rund 1100 Franken. Der Durchschnittslohn eines Paketboten beträgt rund 68'000 Franken im Jahr.

Einzelne Pöstler erhalten mehrere tausend Franken

Bei der Erarbeitung von Mytime ist es laut der Post nie das Ziel gewesen, bei der Paketzustellung zu sparen: «Die Standortbestimmung nach einem Betriebsjahr hat indes gezeigt, dass die Post Einsparungen erzielt hat», sagt Sprecher François Furer zu 20 Minuten. Aus diesem Grund nehme man Anpassungen vor und entschädige die Botinnen und Boten.

Für die im ersten Anwendungsjahr lohnmässig zu kurz gekommenen Paketboten rechnet die Post in den kommenden Wochen jede einzelne individuelle Nachzahlung aus. Laut der Gewerkschaft werden einzelne Mitarbeiter «mehrere tausend Franken erhalten, andere aber auch gar nichts». «Bis anhin wurde viel unbezahlte Arbeit geleistet», sagt Gewerkschafter Capacoel.

«Wir hoffen auf ein Zeichen für die ganze Branche»

Mit dem Prinzip, dass die effektiv geleistete Zeit bezahlt werde, sei es gelungen, ein zentrales Anliegen der Paketboten zu verankern, heisst es bei Syndicom. Der Trend der Pro-Stück-Entschädigung, den es in der Logistik-Branche gibt, wird laut den Gewerkschaften nun durchbrochen. «Wir hoffen auf ein Zeichen für die ganze Branche», sagt Capacoel. Neu wird die Fahrt ins Zustellgebiet, die Fahrt zurück und die Zustellung vom ersten bis zum letzten Paket als Ist-Zeit erfasst.

Laut der Post kann dank der Optimierung von Mytime der Einsatz des Personals angesichts der saisonalen Schwankungen bei den Paketmengen besser geplant werden. Auch Faktoren wie etwa der Strassenverkehr könnten nun besser einberechnet werden, heisst es in der Medienmitteilung.

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