Teil der Bevölkerung ausgegrenzt: Postauto will bald kein Bargeld mehr akzeptieren
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Teil der Bevölkerung ausgegrenztPostauto will bald kein Bargeld mehr akzeptieren

Postauto Schweiz will künftig nur bargeldloses Zahlen auf den Fahrzeugen annehmen. Damit würden ältere Menschen, die weder mit Karten noch mit Apps bezahlen, ausgegrenzt werden. Beim Konsumentenschutz sowie bei Pro Senectute runzelt man die Stirn.

von
Karin Leuthold
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Auf den Postautos soll man nach dem Wunsch von CEO Christian Plüss bald nicht mehr mit Bargeld bezahlen können.

Auf den Postautos soll man nach dem Wunsch von CEO Christian Plüss bald nicht mehr mit Bargeld bezahlen können.

20min/Simon Glauser
Bargeldzahlungen seien mit viel Aufwand verbunden, begründet Plüss den Entscheid.

Bargeldzahlungen seien mit viel Aufwand verbunden, begründet Plüss den Entscheid.

20min/Taddeo Cerletti
Doch damit würde das Unternehmen einen Teil der Bevölkerung ausgrenzen, der weder mit der Karte noch mit Apps bezahlt.

Doch damit würde das Unternehmen einen Teil der Bevölkerung ausgrenzen, der weder mit der Karte noch mit Apps bezahlt.

Instagram/postauto_carpostal_autopostale

Darum gehts

  • Der Postauto-Chef sagte in einem Interview mit CH Media, dass sein Unternehmen nur bargeldloses Zahlen auf den Fahrzeugen akzeptieren wolle.

  • Ein Teil der Bevölkerung wird allerdings dadurch ausgegrenzt.

  • Beim Konsumentenschutz wehrt man sich kategorisch dagegen.

Postauto Schweiz will künftig Bargeldzahlungen auf ihren Fahrzeugen verbannen – aus mehreren Gründen, wie Christian Plüss, Geschäftsführer von Postauto Schweiz, in einem Interview mit CH Media erklärt. Einerseits haben die meisten regelmässig Reisenden ein Monats- oder Jahresabonnement oder eine Mehrfahrtenkarte. Zudem werden heutzutage die restlichen rund 50 Prozent der Tickets an den Automaten mit Karten oder mit Apps wie etwa Twint bezahlt. 

Bargeldzahlungen würden ausserdem einen logistischen Aufwand für das Unternehmen bedeuten, weil das Personal auf den Fahrzeugen Wechselgeld dabei haben müsste. Das Einkassieren beanspruche an den Haltestellen Zeit, nach der Schicht müsse noch abgerechnet werden, meint Postauto-Chef Plüss. Die Tageseinnahmen müssten danach sicher aufbewahrt und einbezahlt werden. Nicht zuletzt bestehe die Gefahr, dass das Geld bei einem Einbruch in einem Betriebshof gestohlen werden könnte.

Doch der Plan hat auch seine Nachteile – allen voran die Tatsache, dass ein Teil der Bevölkerung durch bargeldloses Zahlen ausgeschlossen werde. Von den Reisenden, die ihre Tickets auf dem Postauto-Fahrzeug lösen, bezahlen 96 Prozent bar. 

Die Stiftung für Konsumentenschutz lehnt die Abschaffung von Bargeld beim Ticketverkauf auf den Postautos kategorisch ab, wie André Bähler, Leiter Politik und Wirtschaft, gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagt. Die Betreiber des öffentlichen Verkehrs müssten sicherstellen, dass die ganze Bevölkerung einen möglichst hindernisfreien Zugang habe. Für einen Teil der Bevölkerung gebe es keine Alternative zum Postauto. Andere wiederum würden aus Datenschutzgründen lieber mit Bargeld bezahlen.

Auch bei Pro Senectute runzelt man die Stirn. Wenn Postauto Schweiz diese Änderung mache, dann müsse das Unternehmen eine Übergangsphase planen, bei der es ein hybrides System und auch Bargeld akzeptiere. «Nötig sind zudem Schulungs- und Hilfsangebote», fordert der Sprecher der Organisation, die sich für ältere Personen einsetzt.

Bei den Kantonen – die schlussendlich einen Teil der Postauto-Fahrten mitfinanzieren – fallen die Reaktionen unterschiedlich aus: Während der Kanton Baselland darauf besteht, dass Bargeld im öffentlichen Verkehr akzeptiert werde, begrüsst der Kanton Graubünden den Vorschlag der bargeldlosen Bezahlung. Bei den anderen Kantonen hat man sich noch nicht zum Thema geäussert. 

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