Aktualisiert 27.10.2011 08:35

Neuheit

PostFinance bringt erste E-Banking-App

Post-Chef Jürg Bucher kündigt eine Premiere an: Schon bald können PostFinance-Kunden mit dem Handy ihre Finanzen verwalten, Einzahlungen scannen und abwickeln.

von
Alex Hämmerli
Jürg Bucher, Konzernleiter der Post.

Jürg Bucher, Konzernleiter der Post.

Applikationen, mit denen man mit dem Handy Geld von Bankkonto zu Bankkonto überweisen kann, suchte man in der Schweiz bislang vergeblich. Das wird sich am kommenden Montag ändern: Dann lanciert PostFinance eine Mobile Banking App für Smartphones.

Herr Bucher, die Post steuert dieses Jahr auf einen ähnlich hohen Gewinn wie im Rekordjahr 2010 zu. Wie viel dürfte es am Ende sein?

Ich rechne mit rund 900 Millionen Franken. 60 Prozent davon kommen von PostFinance.

Wohin fliesst das ganze Geld?

Erstens müssen wir die Post weiterentwickeln, um erfolgreich zu bleiben. Zweitens müssen wir das Eigenkapital äufnen und unsere Pensionskasse ist nicht ausfinanziert. Und drittens hat der Bund als Eigentümer Anspruch auf eine Dividende.

Sie sprechen von Neu- und Weiterentwicklungen. Was dürfen wir erwarten?

Im Zuge der Finanzkrise und mit den neuen Informationsmöglichkeiten sind viele zum Schluss gekommen, dass sie auf Beratung in den meisten Fällen verzichten können. 60 Prozent unserer Kunden bei PostFinance wollen ihre Finanzen mittlerweile selbst verwalten. Für sie müssen wir einfache Lösungen anbieten, die unabhängig vom Endgerät nutzbar sind.

Banking via Handy ist immer noch sehr beschränkt nutzbar…

Bislang ist es mit dem Handy erst möglich, von Postkonto zu Postkonto Überweisungen zu tätigen. Künftig werden aber auch Überweisungen auf Bankkonten möglich sein.

Wann wird es so weit sein?

Der Schritt wird nächsten Montag erfolgen. Es spielt dann keine Rolle mehr, ob ich meine Überweisungen mit dem Heimcomputer, via Smartphone oder iPad tätige. Wir sind der erste Finanzdienstleister, der ein solches Angebot auf den Schweizer Markt bringt.

Welche weiteren Funktionen wird das Mobile-Banking von PostFinance haben?

Wir führen eine ganz neue Funktion namens Scan and Pay ein. Damit kann man mit dem Handy Einzahlungsscheine scannen und die Zahlung auch gleich abwickeln. Die meisten Funktionen im e-Finance sind auch auf dem Handy verfügbar.

Wie sieht es in puncto Sicherheit aus?

Wir bieten nur Dienstleistungen an, die hohe Sicherheitsstandards haben. Gewisse Transaktionen werden pro Tag und Betrag limitiert sein. Es ist ein erster grosser Schritt, dass das Mobile-Banking die gleiche Funktionalität hat wie das E-Banking am PC. Die Angebote werden sukzessive ausgebaut.

Was kostet die Weiterentwicklung?

Für das Mobile-Banking sprechen wir für dieses Jahr von einem einstelligen Millionenbetrag.

Themawechsel: Post und PostFinance werden Anfang 2013 zwei separate Aktiengesellschaften. Was ändert sich damit für die Kunden?

Für die Kunden wird sich nichts ändern, ausser dass sie den Namen PostFinance AG in den AGB vorfinden werden und PostFinance der Finanzmarktaufsicht Finma unterstellt sein wird.

Was bedeutet der Wandel für die 61 000 Angestellten? Tiefere Löhne und strengere Arbeitsbedingungen?

Es wird für die Mitarbeiter aufgrund der Umwandlung in Aktiengesellschaften keine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen geben. Mittel- bis längerfristig werden wir als Mischkonzern mehr branchenorientierte Anstellungsbedingungen haben. Innerhalb der unterschiedlichen Branchen wollen wir aber zu den Besten gehören. Eine kleine Ausnahme betrifft PostFinance. So hohe Löhne, wie sie in der Bankbranche üblich sind, können und wollen wir nicht bezahlen.

Die Umwandlung in zwei AGs soll für mehr unternehmerische Flexibilität sorgen. Wo ist der Post-Konzern denn heute unflexibel?

Mehr Flexibilität müssen wir insbesondere in der Grundversorgung erreichen. Ein Beispiel: Die Grundversorgung der Brief- und Paketpost muss nicht zwingend in einer eigenen Filiale stattfinden.

Wie werden sich die Gewinne in den kommenden Jahren entwickeln?

Wir stehen vor grossen Herausforderungen. 2010/2011 haben wir wohl einen Kulminationspunkt erreicht. Das bedeutet zwar nicht, dass es der Post in Zukunft schlecht gehen wird. Wir gehen aber davon aus, dass sich in den nächsten Jahren der Gewinn auf 700 bis 800 Millionen Franken reduzieren wird.

Wieso?

Mit der Briefpost verdienen wir gutes Geld. Damit müssen wir aber den defizitären Zeitungstransport unterstützen, was uns über 100 Millionen Franken pro Jahr kostet. Die Erträge von PostMail fangen zudem das Defizit im Poststellennetz auf: Dieses Vertriebsnetz verursacht trotz grossen Reformanstrengungen ein Defizit in der Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags.

Sie treten im August 2012 als Post-Chef ab. Was machen Sie danach?

So wie ich mich kenne, werde ich mich nicht einfach zur Ruhe setzen und nur noch etwas Sport machen, Theateraufführungen und Konzerte besuchen. Ich werde andere herausfordernde Aufgaben anpacken. Welchen Herausforderungen ich mich stellen werde, das wird die Öffentlichkeit früh genug erfahren.

Sie gelten als Anwärter für das Amt des VR-Präsidiums der neuen PostFinance AG...

Die Zusammensetzung liegt in der Kompetenz des Verwaltungsrates der Post. Sie werden verstehen, dass ich mich als Konzernchef der Post dazu nicht äussere.

Fehler gefunden?Jetzt melden.