System-Revival: Postomaten arbeiten mit uralter Software
Aktualisiert

System-RevivalPostomaten arbeiten mit uralter Software

Erscheint am Geldautomaten ein Windows-2000-Logo, weckt das nicht gerade Vertrauen. Kein Grund zur Sorge, versichert aber die Post – und kündigt gleichzeitig eine Aktualisierung an.

von
Daniel Schurter
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Postfinance betreibt in der Schweiz 900 Geldautomaten. Das auf den sogenannten «Postomaten» installierte Windows-Betriebssystem ist veraltet. Demnächst soll es ersetzt werden, wie ein Post-Sprecher im Mai 2011 gegenüber 20 Minuten Online bestätigt.

Postfinance betreibt in der Schweiz 900 Geldautomaten. Das auf den sogenannten «Postomaten» installierte Windows-Betriebssystem ist veraltet. Demnächst soll es ersetzt werden, wie ein Post-Sprecher im Mai 2011 gegenüber 20 Minuten Online bestätigt.

Keystone/urs Jaudas
Dieses Bild ist am 23. Mai 2011 in St. Gallen von einem Leser-Reporter gemacht worden. Auf dem Foto ist der Startbildschirm von Windows 2000 zu erkennen. Seit Juli 2010 gibt es für dieses System keine Sicherheitsupdates mehr.

Dieses Bild ist am 23. Mai 2011 in St. Gallen von einem Leser-Reporter gemacht worden. Auf dem Foto ist der Startbildschirm von Windows 2000 zu erkennen. Seit Juli 2010 gibt es für dieses System keine Sicherheitsupdates mehr.

20 Minuten Online: Leser-Reporter
Trotzdem sei die Benützung des Postomaten absolut sicher, betont der Post-Sprecher. Dies wird von einem Branchen-Kenner bestätigt. Angreifer hätten keine Chance, auf das veraltete Betriebssystem zuzugreifen.

Trotzdem sei die Benützung des Postomaten absolut sicher, betont der Post-Sprecher. Dies wird von einem Branchen-Kenner bestätigt. Angreifer hätten keine Chance, auf das veraltete Betriebssystem zuzugreifen.

Keystone/Jean-christophe Bott

In die Vergangenheit zurückversetzt kam sich wohl unser Leser-Reporter vor, als er vor wenigen Tagen an einem Geldautomaten in St. Gallen eine beunruhigende Beobachtung machte. Zufällig habe er gesehen, wie auf dem Display der Startbildschirm von Windows 2000 erschienen sei. Der Leser zeigt sich besorgt, zumal dieses Betriebssystem doch stark veraltet sei. «Ist das ein Sicherheitsrisiko?», fragt er sich.

In der Schweiz sind heute 900 Postomaten im Einsatz. Betreiberin ist die Post-Tochter Postfinance. Dass Geldautomaten mit Microsoft-Betriebssystemen betrieben werden, ist seit langem bekannt. Dass es sich immer noch um das vor elf Jahren veröffentlichte Windows 2000 Professional handelt, erstaunt hingegen.

Windows 2000 war bekanntlich die letzte reine Firmenkundenversion des NT-Betriebssystems von Microsoft. Das System wurde wegen seiner Stabilität auch von Privatkunden geschätzt. Seit April 2005 wird es offiziell nicht mehr verkauft – bis Juli 2010 lieferte Microsoft aber noch Sicherheits-Updates nach. Seit fast einem Jahr gibt es nun keine Aktualisierungen mehr, um neu entdeckte Lücken zu schliessen.

Post bestätigt

Post-Mediensprecher Marc Andrey versucht zu beruhigen: «Die Postomaten sind sicher.» Das bestehende Betriebssystem habe keine verminderte Sicherheit zur Folge. Ob alle Postomat-Dienstleistungen unter dem Windows-System laufen oder nur der Kontoauszugsdrucker, will er hingegen nicht verraten. Dass der Windows-Startbildschirm eingeblendet werde, müsse die Kunden nicht beunruhigen. «Dieses Startbild erscheint beim Neustart des Postomaten, beispielsweise nach einem Technikereinsatz.»

Im Geldautomaten-Geschäft mischen hierzulande mehrere Unternehmen mit. Herstellerfirma Wincor Nixdorf hat einen Marktanteil von 40 Prozent – das Modell ProCash 2050 wird von zahlreichen Schweizer Banken und auch von Postfinance eingesetzt. Dass auf den Postomaten eine veraltete Windows-Version läuft, liegt aber nicht an Wincor Nixdorf. Dort heisst es, man sei nur für die Hardware der Postomaten zuständig. Für die Software zeichnen Postfinance und die Firma Talaris verantwortlich – ein weiterer Player auf dem Schweizer Geldautomaten-Markt.

20 Minuten Online hat die Firma um eine Stellungnahme gebeten. «Windows 2000 hat sich bisher bezüglich Sicherheit und Stabilität bestens bewährt und stellt keine Sicherheitslücke dar», heisst es bei der Talaris Switzerland AG. Seit Herbst 2009 werde das bisherige Betriebssystem laufend durch Windows Embedded POSReady 2009 ersetzt und Neugeräte würden entsprechend ausgeliefert. «Das neue Betriebssystem wird ebenfalls bei Postfinance seit einigen Monaten erfolgreich eingesetzt und ältere Geräte werden auf das neue Betriebssystem umgerüstet.»

Betroffene gesucht

Wie ein Branchen-Kenner erklärt, läuft auf Geldautomaten ein «abgespecktes» Betriebssystem, das lediglich die für den Bancomaten-Betrieb erforderlichen Funktionen umfasst. Dieses System sei praktisch unangreifbar von aussen – etwa über das Netzwerk des Geldinstituts. Kunden, die am Automaten Geld beziehen, kommen nur mit der Bancomaten-Software in Kontakt. Dabei handelt es sich um ein zusätzlich auf den Automaten installiertes Programm, das von der Firma SIX Card Solutions laufend weiterentwickelt wird. Bis Ende 2012 muss die neue Bancomaten-Version (BM 5.2) auf allen rund 6500 Geldautomaten in der Schweiz laufen. Die neue Version soll die Geräte noch sicherer machen und besser vor Betrügern schützen.

Sind Sie kürzlich Opfer einer Skimming-Attacke geworden – oder haben Sie andere schlechte Erfahrungen mit dem automatischen Geldbezug gemacht? Dann melden Sie sich bitte bei 20 Minuten Online unter folgender Maildresse: digital@20minuten.ch.

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Erfolgsmodell Postomat

Der allererste Postomat des Landes wurde 1978 in Bern in Betrieb genommen. Der Anfang einer Erfolgsgeschichte. Doch in den letzten Jahren ist der automatische Geldbezug wegen Gaunern in Verruf geraten. Immer häufiger werden sogenannte Skimming-Betrügereien publik. Dabei versuchen die Täter, unbemerkt den Magnetstreifen auf der Bankkarte des Opfers zu scannen und den Pin-Code auszuspionieren.

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