Oberdorf BL: Posträuber versteckten sich vor dem Überfall in der Frauentoilette 
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Oberdorf BLPosträuber versteckten sich vor dem Überfall in der Frauentoilette 

Im November 2020 überfielen drei Männer das Postgebäude in Oberdorf im Kanton Baselland. Jetzt stehen sie vor Gericht. Dem Trio droht die Ausschaffung.

von
Vanessa Travasci
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Im November 2020 raubten drei Männer in Oberdorf BL die Post aus. Nachdem zwei der Männer der Einbruch frühmorgens ins Gebäude gelang, verstecken sie sich auf der Frauentoilette und lauerten den Postangestellten auf. 

Im November 2020 raubten drei Männer in Oberdorf BL die Post aus. Nachdem zwei der Männer der Einbruch frühmorgens ins Gebäude gelang, verstecken sie sich auf der Frauentoilette und lauerten den Postangestellten auf. 

Kanton Basel-Landschaft/Tom Bisig
Nach der Tat fuhren sie mit einem geklauten Subaru Impreza 2.0 GX 4WD vom Tatort weg, um in der Nähe des ortsnahen Schützenhauses auf ein anderes Fluchtauto umsteigen zu können. Um Beweismittel zu vernichten, zündeten sie den Subaru an. 

Nach der Tat fuhren sie mit einem geklauten Subaru Impreza 2.0 GX 4WD vom Tatort weg, um in der Nähe des ortsnahen Schützenhauses auf ein anderes Fluchtauto umsteigen zu können. Um Beweismittel zu vernichten, zündeten sie den Subaru an. 

Polizei BL
Im Gebäude schlugen sie einen Postmitarbeiter brutal nieder. Wenig Zeit später trifft eine Mitarbeiterin ein. Diese wird mit einer Waffe bedroht. Die Räuber fliehen mit umgerechnet knapp 35’000 Franken. 

Im Gebäude schlugen sie einen Postmitarbeiter brutal nieder. Wenig Zeit später trifft eine Mitarbeiterin ein. Diese wird mit einer Waffe bedroht. Die Räuber fliehen mit umgerechnet knapp 35’000 Franken. 

News-Scout

Darum gehts

Im November 2020 überfielen drei Männer, die heute 29, 31 und 44 Jahre alt sind, die Post in Oberdorf BL und kamen mit insgesamt knapp 35’000 Franken davon. Jedoch nicht sehr weit. Drei Wochen nach der Tat konnten sie verhaftet werden. Diese Woche mussten sich die drei Italiener vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz für die Tat verantworten.

Wie die «Basler Zeitung» (Bezahlartikel) berichtet, droht den drei Männern im Fall eines Schuldspruchs die Ausschaffung. Die Anklage fordert für die beiden Haupttäter sechs beziehungsweise fünf Jahre Haft. Für den ältesten des Trios, der kurz vor der Tat kalte Füsse bekam, aber in die Vorbereitung des Coups involviert war, beantragte die Anklage eine teilbedingte Haftstrafe von drei Jahren.

Fluchtwagen gestohlen und angezündet

Die beiden Haupttäter fuhren gemäss Anklage am Morgen der Tat in einem geklauten Subaru Impreza 2.0 GX 4WD zur Poststelle, wobei einer der Lenker zur Tatzeit nicht einmal einen gültigen Fahrausweis besass. Nachdem den beiden jüngeren Männern frühmorgens und bewaffnet der Einbruch ins Postgebäude von Oberdorf gelang, versteckten sie sich auf der Frauentoilette und warteten, bis das Personal eintraf. Nachdem sie einen ersten Mitarbeiter überwältigten, fesselten und knebelten, zwangen sie die danach eingetroffene Mitarbeiterin, die Kassen zu öffnen und bedrohten sie mit einer Schusswaffe. 

Davor verlangten die beiden Männer von der geknebelten Frau, den Tresor zu öffnen. Mittels Gestik, Stift und Papier gab diese zu verstehen, dass sich der Tresor frühestens 45 Minuten später öffnen lasse. Indes waren die Täter zu früh dran, um den Safe zu plündern. So mussten sie sich schliesslich mit dem Bargeld aus den Schalterschubladen zufriedengeben und verliessen die Post über das Fenster, durch das sie gekommen waren, nachdem sie die Mitarbeiterin an einen Stuhl gefesselt hatten.

Den gestohlenen Subaru setzten sie nahe des Schützenhauses ausserhalb des Dorfes in Brand, um mögliche Beweismittel zu vernichten, um anschliessend mit einem ausgeliehenen Lieferwagen weiterzufliehen. Dieser gehörte dem ehemaligen Arbeitgeber eines Beschuldigten. Dieser lieh den Lieferwagen bei seinem Ex-Chef unter dem Vorwand aus, dass er ihn für einen Umzug benötige.

Lieferwagen wurde ihnen zum Verhängnis

Der angezündete Fluchtwagen wurde den Posträubern zum Verhängnis. Ein Passant wurde auf das brennende Auto aufmerksam und erkannte unweit davon den Lieferwagen mit Firmenlogo, den die Beschuldigten danach zur Flucht nutzten. Die GPS-Daten des Fahrzeugs lieferten später entscheidende Hinweise zum Tathergang.  Drei Wochen nach dem Überfall klickten die Handschellen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, mit unnötiger Brutalität vorgegangen zu sein. Die betroffene Mitarbeiterin leide noch heute unter den Folgen und könne nicht mehr normal arbeiten, führte die Staatsanwältin gemäss BaZ in ihrem Plädoyer aus. Die beiden Hauptbeschuldigten ersuchten das Gericht, vom Landesverweis abzusehen und als Härtefälle anerkannt zu werden, weil sie in der Schweiz Kinder haben. Der Hauptbeschuldigte wurde während der Untersuchungshaft Vater. Das Strafgericht fällt sein Urteil voraussichtlich am 23. Juni.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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