Kampf gegen Aids: Potenter HIV-Antikörper in Kühen entdeckt

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Kampf gegen AidsPotenter HIV-Antikörper in Kühen entdeckt

Kühe könnten der Schlüssel bei der Entwicklung eines HIV-Impfstoffes sein. Laut einer neuen Studie sind sie in der Lage, wirksame Antikörper zu produzieren.

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jcg
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Kühe sind in der Lage, innert kürzester Zeit breitneutralisierende HIV-Antikörper zu produzieren, wie eine internationale Studie ergab. Die Erkenntnis könnte bei der Entwicklung eines HIV-Impfstoffs helfen.

Kühe sind in der Lage, innert kürzester Zeit breitneutralisierende HIV-Antikörper zu produzieren, wie eine internationale Studie ergab. Die Erkenntnis könnte bei der Entwicklung eines HIV-Impfstoffs helfen.

Keystone/Arno Balzarini
Die Geschichte der Aids-Epidemie1981: In den USA sterben immer mehr junge Männer - vor allem in Kalifornien - an einer mysteriösen Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni äusserst sich erstmals die US-Gesundheitsbehörde CDC über die auffällige Zunahme einer seltenen Krankheit. (Im Bild: Der Aids Memorial Quilt, der an das Leben von verstorbenen Aids-Patienten erinnert)

Die Geschichte der Aids-Epidemie1981: In den USA sterben immer mehr junge Männer - vor allem in Kalifornien - an einer mysteriösen Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni äusserst sich erstmals die US-Gesundheitsbehörde CDC über die auffällige Zunahme einer seltenen Krankheit. (Im Bild: Der Aids Memorial Quilt, der an das Leben von verstorbenen Aids-Patienten erinnert)

PD
1982: Die erworbene Immunschwächekrankheit wird AIDS - Acquired Immunodeficiency Syndrome - genannt. 1983 identifizieren der Amerikaner Robert Gallo und der Franzose Luc Montagnier das Virus, das die Krankheit auslöst.

1982: Die erworbene Immunschwächekrankheit wird AIDS - Acquired Immunodeficiency Syndrome - genannt. 1983 identifizieren der Amerikaner Robert Gallo und der Franzose Luc Montagnier das Virus, das die Krankheit auslöst.

Keystone/AP/Lana Harris

Trotz jahrelanger Forschung gibt es bis heute keinen Impfstoff gegen eine HIV-Infektion. Das liegt auch daran, dass sich das Virus ständig verändert, sogar im Körper eines bereits infizierten Menschen. Die Wissenschaft sucht deshalb fieberhaft nach einem sogenannten breitneutralisierenden HIV-Antikörper. Ein solcher würde vor einer Vielfalt von HIV-Stämmen schützen.

Nun hat ein internationales Forscherteam erstmals HIV-Proteine in vier Kälber injiziert, um die Reaktion des Immunsystems der Wiederkäuer auf den Eindringling zu testen. Zum Erstaunen der Wissenschaftler produzierten die Kühe innert kürzester Zeit breitneutralisierende HIV-Antikörper. Bereits nach 42 Tagen neutralisierten die Kuh-Antikörper 20 Prozent der getesteten HIV-Stämme. Nach 381 Tagen waren es sogar 96 Prozent, wie die Forscher im Fachjournal «Nature» berichteten.

Nebeneffekt der Kuhverdauung

Zwar gelingt es auch einem kleinen Prozentsatz von Menschen, breitneutralisierende Anti-HIV-Antikörper zu produzieren, doch das dauert drei bis fünf Jahre. Ein Grund dürfte sein, dass sich Antikörper, die gegen das HI-Virus wirken, stark von normalen menschlichen Antikörpern unterscheiden.

Um effektiv an ein Virus anzudocken, braucht es eine Kette von etwa 30 Aminosäuren, die aus dem Antikörper herausragt. Das ist doppelt so lang wie bei einem gewöhnlichen menschlichen Antikörper. Für einen Kuh-Antikörper ist es dagegen kurz. Und so kamen die Forscher überhaupt erst auf die Idee, ihr Glück bei Kühen zu versuchen. Es dürfte dem komplexen und mit krankmachenden Bakterien bevölkerten Verdauungssystem der Wiederkäuer geschuldet sein, dass Kühe in der Lage sind, solche Antikörper zu produzieren.

Hoffnung auf Impfstoff

Die Forscher hoffen nun, mithilfe der gewonnenen Erkenntnisse den menschlichen Körper zur Produktion von Antikörpern mit langen Aminosäure-Reihen zu bringen. Das könnte die Grundlage für einen wirksamen Impfstoff sein, glauben die Forscher. Möglicherweise könnten auch die Kuh-Antikörper selbst für ein Medikament zur HIV-Behandlung genutzt werden, sollte deren Wirksamkeit auch in anderen Organismen bestätigt werden.

Anthony Fauci, der Direktor des amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases, das die Forschung unterstützte, sagte der BBC: «Schon zu Beginn der Epidemie haben wir erkannt, dass das HI-Virus sehr gut darin ist, einer Immunisierung auszuweichen. Deshalb sind aussergewöhnliche Immunsysteme, die auf natürliche Weise breitneutralisierende HIV-Antikörper produzieren, sehr interessant – egal, ob es sich um solche von Menschen oder von Kühen handelt.»

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