Aktualisiert 21.04.2006 04:29

Potsdam: Zwei Festnahmen nach rassistischer Gewalttat

Vier Tage nach dem rassistischen Überfall in Brandenburg ist der Polizei ein erster Fahndungserfolg gelungen: Wegen des Verdachts des versuchten Mordes an dem Deutsch-Afrikaner Ermyas M. wurde zwei Männer festgenommen.

Es lägen «erhebliche Verdachtsmomente dafür vor, dass die Täter die Tat aus Ausländerhass und auf der Grundlage einer rechtsextremistischen Gesinnung begangen haben», erklärte die Behörde.

Bei den Festgenommenen handelt es sich um deutsche Staatsangehörige im Alter von 29 und 30 Jahren. Sie wurden laut Bundesanwaltschaft «verantwortlich vernommen». Danach sollte entschieden werden, ob die Männer dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes vorgeführt werden. Das Polizeipräsidium Potsdam ist nach diesen Angaben weiterhin mit den Ermittlungen beauftragt. Am Donnerstag wurden weiter Hinweise aus der Bevölkerung ausgewertet, die nach der Veröffentlichung der Täterstimmen auf der Polizei-Website internetwache.brandenburg.de eingegangen waren. Die Aufnahmen stammen von einer Handy-Mailbox, weil das Opfer kurz vor der Tat erfolglos versucht hatte, seine Frau anzurufen.

Die Beschuldigten stehen laut Bundesanwaltschaft unter dem Verdacht in den frühen Morgenstunden des Ostersonntags nahe einer Strassenbahnhaltestelle Ermyas M. angegriffen und brutal zusammengeschlagen zu haben. Die Täter liessen den Angaben zufolge von ihrem Opfer erst ab, als dieser reglos mit stark blutenden Kopfverletzungen am Boden lag. Der 37-Jährige Ingenieur, der seit 19 Jahren in Deutschland lebt, hier verheiratet ist und zwei Kinder hat, wurde lebensgefährlich verletzt; er schwebte auch am Donnerstag in akuter Lebensgefahr. Er hatte ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten und musste am Ostermontag am Schädel operiert werden. Ausserdem hatten die Schläger ihm mehrere Knochen gebrochen.

Potsdam macht gegen Fremdenhass mobil

Die Stadt Potsdam machte unterdessen mobil gegen Fremdenhass. Oberbürgermeister Jann Jakobs rief für (den morgigen) Freitag zu einer Grossdemonstration auf. Dort könnten die Potsdamer ihren Zorn über das Verbrechen zum Ausdruck bringen, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag. Prominente veröffentlichten zudem den Aufruf «Wir sind Brandenburg» für Toleranz und friedliches Zusammenleben. Zu den Unterzeichnern gehört Ministerpräsident Matthias Platzeck.

Eine nigerianische Regierungsdelegation hatten bereits am Mittwoch aus Angst vor rassistischen Angriffen ihre Übernachtung in Potsdam storniert, wie derweil bekannt wurde. Die 15 Gäste einer Wirtschaftskonferenz hätten ursprünglich seit Mittwoch im Hotel Voltaire im Stadtzentrum wohnen sollen, sagte Hoteldirektorin Beate Fernengel. Nachdem sie von dem Angriff auf Ermyas M. gelesen hatten, buchten sie jedoch auf ein Berliner Hotel um.

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte unterdessen eine zügige Aufklärung des ausländerfeindlichen Überfalls. «Es würde mich natürlich sehr freuen, wenn die Schuldigen auch schnell zur Rechenschaft gezogen werden können», sagte die CDU-Chefin am Donnerstag in Berlin. «Mir liegt daran, dass dieser Fall schnell aufgeklärt wird.»

(dapd)

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