«Kassensturz»: Pouletfleisch macht Medis wirkungslos
Aktualisiert

«Kassensturz»Pouletfleisch macht Medis wirkungslos

Beunruhigender Test: 9 von 20 Geflügelprodukten von Schweizer Detailhändlern sind mit antibiotikaresistenten Keimen verseucht. Für Kranke kann dies verheerende Folgen haben.

von
whr/sma
Schlechte Nachrichten zu Beginn der Grillsaison: Pouletfleisch kann anitibiotikaresistent machen. (Bild: colourbox.com)

Schlechte Nachrichten zu Beginn der Grillsaison: Pouletfleisch kann anitibiotikaresistent machen. (Bild: colourbox.com)

Die Konsumenten-Sendung «Kassensturz» hat in einem spezialisierten Fachlabor in Deutschland 20 Proben mit Truten- und Pouletfleisch von Migros, Coop, Lidl, Aldi und Spar untersuchen lassen. Das Resultat: Insgesamt sind 9 Geflügelproben mit antibiotikaresistenten Keimen verschmutzt. Von den 10 deutschen Produkten waren 6 mit antibiotikaresistenten Keimen belastet.

Auch 3 von 10 Proben mit Schweizer Geflügel enthielten solche Keime. Die Keime können sich dann beim Menschen einnisten. Eine mögliche Folge: Die Menschen werden resistent gegen Antibiotika. Das heisst, dass Antibiotika nicht mehr wirken.

Immer mehr resistente Patienten

Der Infektiologe Andreas Widmer vom Basler Universitätsspital zeigt sich gegenüber «Kassensturz» besorgt: «Wenn das Fleisch derart breit kontaminiert ist, ist es eine Frage der Zeit, bis die Mehrheit der Bevölkerung Träger dieser Resistenzformen ist.» Schon heute stehen gemäss Widmer für den Notfall immer weniger Antibiotika zur Verfügung. Dies, weil immer mehr Menschen resistent sind gegen Antibiotika.

«Künftig wird es mehr Amputationen geben»

Herr Widmer*, wie gefährlich sind die resistenten Keime?

Andreas Widmer: Die Situation ist viel ernster, als wir gedacht haben. Bereits heute tragen sechs Prozent der untersuchten Schweizer resistente Keime in sich. Während früher deswegen niemand im Spital war, mussten wir im 2011 zwei und im laufenden Jahr schon drei Patienten mit kaum mehr behandelbaren Infektionen betreuen. Diese Entwicklung wird exponentiell zunehmen.

Wie wollen Sie diese Menschen ohne Antibiotika behandeln?

Wir werden auf mechanische Methoden zurückgreifen müssen. Es ist durchaus möglich, dass es künftig deshalb mehr Amputationen geben wird.

Kann man sich schützen?

Ich will keine Panik verbreiten. Aber Menschen, die in der Küche tätig sind, werden früher oder später trotz Hygienemassnahmen solche Keime aufnehmen. Landwirte und Lebensmittelhersteller sollten deshalb ihren Antibiotikagebrauch einschränken, sonst werden Infektionen noch schwerer behandelbar.

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