Aktualisiert 05.07.2014 10:53

Krankenkassen

Prämien sollen deutlich teurer werden

Die Krankenkassen-Prämien dürfte Ende Jahr um 4,5 Prozent steigen, also deutlich mehr als in den letzten Jahren. Brisant: Im September entscheidet das Volk über eine Einheitskasse.

Der hohe Prämienanstieg könnte Einfluss auf das Abstimmungsergebnis im September haben.

Der hohe Prämienanstieg könnte Einfluss auf das Abstimmungsergebnis im September haben.

Die Krankenkassenprämien dürften nächstes Jahr mehr als doppelt so stark steigen wie im Vorjahr: Der Krankenkassen-Dachverband santésuisse rechnet für 2015 mit einer durchschnittlichen Prämienerhöhung von 4,5 Prozent, wie er am Freitagabend ankündigte.

2014 erhöhten sich die Prämien im Durchschnitt um 2,2 Prozent, und auch in den beiden Vorjahren waren die Prämien mit 1,5 beziehungsweise 2,2 Prozent nur moderat gestiegen.

Wie viel jeder Versicherte im nächsten Jahr effektiv mehr bezahlen muss, ist aber offen: Der Dachverband könne zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussagen zu der Entwicklung der Prämien pro Kanton, Versicherung oder Bevölkerungsgruppe machen, sagte santésuisse-Sprecher Paul Rhyn am Samstag der Nachrichtenagentur sda. In den letzten Jahren stiegen vor allem die Prämien für junge Erwachsene besonders stark an.

Mehr ambulante Behandlungen

Santésuisse erklärt den Anstieg von 4,5 Prozent vor allem mit der intensiveren Nutzung von ambulanten Leistungen in Spitälern und Arztpraxen. Ein zweiter Grund sei die seit 2012 geltende neue Spitalfinanzierung.

Die grundlegenden Treiber sind laut Rhyn aber die mit dem medizinischen Fortschritt verbundene Kostensteigerung sowie die Alterung der Bevölkerung. Gemäss santésuisse entsprechen die 4,5 Prozent der durchschnittlichen jährlichen Prämiensteigerung seit 1996.

Die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) schätzt die Kostensteigerung für nächstes Jahr auf 4,2 Prozent. Die Krankenversicherungen müssten zusätzlich noch Reserven bilden, erklärte Rhyn den Unterschied zur Prämieneinschätzung.

«Es wird grosse Unterschiede geben»

«Bei den individuellen Prämien für die Versicherten wird es grosse Unterschiede geben», sagte der Berner Gesundheitsexperte Heinz Locher auf Anfrage der sda. Locher erklärt dies mit den unterschiedlich hohen Reserven der Versicherer: Einige Krankenkassen hätten mehr Spielraum als andere, um den Kostenanstieg zu dämpfen.

Als Hauptursache für den Prämienanstieg sieht Heinz Locher wie santésuisse die steigenden Gesundheitskosten.

Es gebe aber auch andere Effekte: Immer mehr medizinische Probleme würden ambulant statt stationär - als mit einem Spitalaufenhalt verbunden - behandelt. Dies sei zwar günstiger. Allerdings müssten die Versicherungen sämtliche ambulante Kosten übernehmen, während sie bei den stationären Behandlungen weniger als die Hälfte bezahlten. Folglich stiegen die Prämien trotz sinkenden Gesundheitskosten.

Heuer politisch besonders brisant

Die Prämienentwicklung ist dieses Jahr politisch besonders brisant, weil das Stimmvolk am 28. September über einen Systemwechsel abstimmen wird: Es muss entscheiden, ob die heutigen 61 privaten Krankenkassen durch eine staatliche Einheitskasse ersetzt werden soll. Die Befürworter der Initiative versprechen sich davon auch sinkende Prämien; die Gegner hingegen warnen vor steigenden Kosten.

Die Verwaltungskosten der Krankenversicherer für die Grundversicherung seien prozentual gesunken, heisst es im Communiqué von santésuisse. Von mehr als 8 Prozent der Nettoprämien 1996 sanken sie demnach auf knapp über 5 Prozent im letzten Jahr.

Pro Versicherten hätten sich die Verwaltungskosten zwar erhöht, aber nur im kleine Ausmass, sagte Rhyn. Die Steigerung erklärt er mit der allgemeinen Kostenentwicklung und der immer aufwendigeren Administration. (sda)

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